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Geschlechterfrage : Die Wut der AfD auf den neuen Mann

Männerbild geht auf ein mystisches Christentum der göttlichen Urbilder zurück

Björn Höcke könnte ein Mann nach Kunkels Geschmack sein. Der thüringische Landesvorsitzende sagte einmal bei einer Demonstration in Erfurt: „Das große Problem ist, dass Deutschland, dass Europa ihre Männlichkeit verloren haben. Ich sage: Wir müssen unsere Männlichkeit wiederentdecken. Denn nur wenn wir unsere Männlichkeit wiederentdecken, werden wir mannhaft! Und nur wenn wir mannhaft werden, werden wir wehrhaft. Und wir müssen wehrhaft werden, liebe Freunde!“

Höcke liest gern in der „Sezession“. Der Verleger Kubitschek, sein Duzfreund, hat selbst eine Theorie über den wahren Mann, die er mit seinem Katholizismus begründet. Kubitschek sieht sich nicht in Gefolgschaft zu Papst Franziskus, sondern eher als Vertreter eines selbstgebastelten mystischen Christentums, in dem sich orthodoxe Ikonen mit einem Nächstenliebe-Begriff mischen, der unter dem Vorbehalt der deutschen Volkszugehörigkeit steht. Kubitschek spricht von „göttlichen Urbildern“, denen sich ein guter Christ „anzuähneln“ habe. „Er hat von mir ein Urbild, er hat von meiner Frau ein Urbild, von unseren Kindern, von unserem Volk, von unseren Nachbarvölkern“, sagt Kubitschek. „Diesen Bildern hat man sich anzuähneln. Das hat eine ganze Menge Konsequenzen.“

Der Bezug auf Gott ist natürlich bequem. Kubitschek muss nicht sagen, dass er die gesellschaftspolitischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts, durch die Frauen ein Mindestmaß an Gleichberechtigung erreichten, rückgängig machen will. Er muss nur ein bestimmtes Gottesbild vertreten und einen statischen Schöpfungsbegriff – dann muss er keine hässlicher wirkenden Kampfbegriffe verwenden: Gott hat den Mann erschaffen, wie er sein sollte. Würde man die patriarchalischen Strukturen zu Zeiten der Schöpfung weiterentwickeln, liefe das Gottes Plan zuwider.

AfD-Funktionäre argumentieren oft nicht so fundamental. Der nordrhein-westfälische Ko-Landesvorsitzende Martin Renner ist kein rustikaler Vertreter der Männlichkeit. Als Brillenträger und Kettenraucher hat er sich in vielen Jahrzehnten in der Werbeindustrie weniger einem göttlichen Urbild angenähert als dem kreativen Habitus seiner Branche. Renner ist zum Beispiel nicht der Meinung, dass der Mann das natürliche Oberhaupt der Familie sei. Diese Vorstellung sei „völlig irrsinnig“: „Das würde ich bekämpfen, und das sehe ich überhaupt nicht in der AfD.“ Die Forderung nach Gleichberechtigung der Geschlechter hält er für richtig. Aber: „Aus Gleichberechtigung wurde schnell Gleichstellung durch Quoten. Das sollte alte Benachteiligungen beheben, schafft aber eigentlich neue Benachteiligungen.“ Zum Beispiel findet er, dass der Wert von Frauen nicht nur an ihrem Beitrag für die Wirtschaft bemessen werden dürfe. „Die Leistung einer Frau kann auch in der Fürsorge bestehen, im Aufziehen von Kindern oder der Pflege der Älteren.“ Die „tradierte Rolle“ der Frau als Mutter sei sinnvoll.

Und dann kritisiert er die „Effeminierung“ von Knaben durch weibliche Bezugspersonen. „Jungen sind in den ersten zehn Jahren sehr stark Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen ausgesetzt.“ Wer Männlichkeit durch Toben auslebe, werde dafür bisweilen bestraft. Jungen dürften nicht mehr richtige Jungen sein. „In dem Maße, wie wir Mädchen zu starken Kerlen machen wollen, machen wir die Jungs zu lieben Jungen.“ Männer seien aber früher auf die Jagd gegangen. „Ich glaube, dass ein Teil dieses männlichen Seins angeboren ist.“ Renner schlägt deshalb eine „Erziehungsprozedur“ vor. Man solle „naturgegebene Unterschiede“ berücksichtigen. Die Jungen mit Ritterschwertern, die Mädchen im Prinzessinnenkostüm: Eine Revolution werden solche Ideen nicht auslösen. In den meisten Kindergärten sind sie seit jeher Alltag.

Zum Autor

Von Justus Bender ist vor kurzem das Buch „Was will die AfD? Eine Partei verändert Deutschland“ im Pantheon Verlag erschienen.

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