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AfD Also bitte, meine Herren

Frauke Petry ist ein Siegertyp - für sie ist es normal, dass die Dinge klappen. Wenn nicht so wie geplant, dann anders. Sie will die AfD in den Bundestag führen. Wenn die Partei ihr bloß folgte.

© dpa Bei Frauke Petry klappt alles: Doktortitel, eigene Firma, Familie. Ob sie auch die AfD zum Laufen bringt?

Frauke Petry ist es gewohnt, Dinge besser zu können als andere. So jemanden halten die Leute schnell für arrogant. Darum redet Petry öffentlich fast nie schlecht über Versager. Ihre Partei macht es ihr da ziemlich schwer. Petry ist Sprecherin und Vorstandsmitglied der „Alternative für Deutschland“, kurz AfD. Das ist ein seltsamer Posten für eine junge Frau, ungefähr so seltsam wie Anglervereinssprecherin, denn in der Partei sind fast nur ältere Männer: Professor Lucke und der Rest. Aber Petry macht ihr Ding, und normalerweise machen die Männer mit.

Auch ihr eigener. Sonst wäre sie jetzt, mit 38, nicht gleichzeitig Politikerin, Chefin eines Unternehmens, Pfarrersfrau und Mutter von vier Kindern. Es macht ihr Spaß zu führen; blöd nur, wenn dann jemand nicht folgt, weil er einfach zu dusselig ist. An einem Samstag im August stieg Petry mittags ins Auto. Sie programmierte das Navi, und dann glitt ihr dunkler Familienvan durch das Dorf und durch die Felder. Hier, südlich von Leipzig, döste Deutschland vor sich hin.

Petry hat schon oft aus Problemen Siege gemacht

Gelb und braun und warm lag es da und wartete auf nichts. Petry war gut drauf. In zwei Stunden sollte der Wahlkampf der AfD Sachsen in Bautzen beginnen. Sie freute sich auf ihren Auftritt - jetzt ging es richtig los. Wie sie da saß, mit der großen Sonnenbrille im schmalen Gesicht, das dunkle Haar jungenhaft kurz, sah sie aus wie eine Erfindung von Godard. Sie hatte die Hände locker oben auf dem Lenkrad abgelegt und brauste entspannt in den Kampf. Zwischendurch telefonierte sie mit einem Parteifreund. Die jammervolle Stimme des Mannes erfüllte den Wagen.

Es gebe ein Problem mit dem Wahlkampf-Mobil für Bautzen. „Die Beschallungsanlage soll irgendwie nicht funktionieren.“ Petry antwortete: „Okay. Wir werden es ja gleich sehen.“ Sie sprach sanft und ruhig, wie zu einem verängstigten Kind. Petry hat schon oft aus Problemen Siege gemacht. Ihr Abi bestand sie als Jahrgangsbeste, Schnitt 1,1, nur in Englisch hatte sie eine 2. Ärgerlich. Also ging sie für drei Jahre nach England und studierte Chemie. Ihr Mann, den sie schon in der Schule kennengelernt hatte, konnte wegen seines Theologiestudiums nicht mit. Ärgerlich. Petry zog die Sache trotzdem durch. Der Mann wartete. 1998 zogen sie zusammen nach Göttingen.

Sie ärgerte sich, dann lernte sie die Tricks

Während sie studierten und promovierten, bekamen sie die ersten zwei Kinder. Petry sagt, natürlich sei das alles anstrengend gewesen. Aber sie sei relativ stressresistent. Als sie ihren Doktor hatte, gründete sie eine Firma in einer Männerbranche: Reifenkunststoff-Entwicklung. Anfangs tricksten die alten Hasen sie bei Verhandlungen aus; sie ärgerte sich, dann lernte sie die Tricks. Petry prahlt nicht mit so etwas, sie erzählt erst davon, wenn man sie fragt. Für sie ist es normal, dass Dinge klappen. Wenn nicht so wie geplant, dann anders. Als Petry mit ihrem jüngsten Kind schwanger war und die Wehen kamen, wollte ihr Mann sie ins Geburtshaus fahren.

Es war der vierte Advent, die Straßen lagen tief verschneit. Sie kamen kaum von der Stelle. Irgendwann fuhr der Mann rechts ran. Frauke Petry brachte ihren Sohn Tobias im Auto zur Welt. Heute sagt sie: „Es ging sehr schnell. Beim vierten Kind wissen Sie ja, wie’s geht.“ Auch das Problem mit dem Wahlkampf-Mobil würde sich lösen lassen. Davon war Petry überzeugt, als sie Bautzen erreichte. Sie marschierte durch die schmalen Straßen, eine Eilige unter Bummlern, und die hohen Absätze ihrer Sandalen machten energisch klack, klack.

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