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Neue Allensbach-Analyse Wirkungslose Aufregung

Die NSA-Affäre beunruhigt zwar viele Bürger. Generell jedoch stehen politische Themen auch kurz vor der Wahl nicht hoch im Kurs. Auf ein überraschungsarmes Ergebnis zu schließen, wäre trotzdem voreilig.

© dpa Die Deutschen interessieren sich zur Zeit mehr für Urlaubs- denn für politische Themen

Viele Medien bemühen sich seit Wochen, politische Kontroversen anzutreiben, um der bis dato lethargischen Vorwahlzeit doch noch zu Aufregung und Spannung zu verhelfen. Die Themen sind jedoch rar und teilweise weit von den Interessen der Bürger entfernt. Das gilt insbesondere für die Drohnenaffäre, teilweise auch für das Datensammeln der NSA. Die Ausführlichkeit der Berichterstattung steht in keinem Verhältnis zu den Reaktionen der Bürger.

Das gilt insbesondere für den Euro-Hawk. Zwar hat die Drohnenaffäre das Ansehen des Verteidigungsministers zumindest vorläufig gravierend beeinträchtigt. Das Thema selbst interessiert die Bevölkerung jedoch kaum. Gerade einmal ein Fünftel der Bevölkerung hat sich darüber in letzter Zeit mit anderen unterhalten - ein niedriger Anteil angesichts der breiten Berichterstattung in den Medien.

Generell spielen politische Themen für die Bürger eine untergeordnete Rolle. Die Mehrheit unterhält sich zurzeit vor allem über Urlaub und Wetter, über die Familie, Essen und Trinken und medizinische Themen. Nur 39 Prozent haben sich in letzter Zeit öfter mit anderen über Politik unterhalten, ganze 29 Prozent über die bevorstehende Bundestagswahl. Ein so niedriger Wert wurde kurz vor einer Bundestagswahl noch nie gemessen.

Die Beunruhigung hält sich in Grenzen

Da erscheint die Überwachung der Telefon- und Internetverbindungen durch die NSA auf den ersten Blick als wirkliches Aufregerthema. Immerhin 46 Prozent der Bevölkerung haben sich in den vergangenen Wochen häufiger darüber unterhalten, von den politisch Interessierten 56 Prozent. Die Mehrheit findet es beunruhigend, dass ihre Kommunikation via Telefon und Internet überwacht werden kann. 44 Prozent halten dagegen, dass sie kaum glauben, dass ihre persönlichen Gespräche und Mitteilungen für den amerikanischen Geheimdienst interessant sein könnten. Diese Position trennt die Anhänger von Regierung und Opposition: Während die potentiellen Wähler von SPD, Grünen und Linken die Vorgänge mehrheitlich beunruhigend finden, sind die Wähler der Regierungsparteien überwiegend gelassen und finden die Aufregung über das Thema überzogen.

Infografik / Die Stärke der Parteien © F.A.Z. Bilderstrecke 

Die Intensität der Beunruhigung hält sich jedoch in Grenzen - auch bei den Anhängern der Opposition. 24 Prozent der Bürger beunruhigt der Gedanke sehr, dass die eigenen Telefon- und Internetdaten möglicherweise von Geheimdiensten aufgezeichnet werden. Jeden Dritten beunruhigt dies „etwas“, 42 Prozent kaum oder gar nicht. Nur wer direkte persönliche Nachteile durch die Überwachungspraxis befürchtet, ist in der Regel stark beunruhigt: 81 Prozent derjenigen, die unmittelbare Nachteile fürchten, zeigen sich sehr beunruhigt, dagegen nur 13 Prozent derjenigen, die persönliche Nachteile für unwahrscheinlich halten. Dies zeigt die Bedeutung persönlicher Betroffenheit für die Meinungsbildung.

Der Kreis derer, die für sich unmittelbare Nachteile befürchten, ist jedoch klein. Nur elf Prozent haben Sorge, dass sie diese Praxis direkt tangieren könnte, 76 Prozent halten dies für unwahrscheinlich. Auch unter intensiven Nutzern des Internets fürchten nur 15 Prozent persönliche Auswirkungen.

Die Sorgen der Bürger liegen auf anderen Feldern

Die große Mehrheit ist angesichts der Enthüllungen zur Praxis der amerikanischen Geheimdienste auch nur wenig überrascht. Seit langem gibt es eine tief sitzende Skepsis, was mit persönlichen Daten geschieht. Schon vor zehn Jahren hielten es nur elf Prozent der Bevölkerung für unbedenklich, im Internet persönliche Daten anzugeben. Schon seit Jahren fürchtet die große Mehrheit der Internetnutzer, dass ihre Daten im Netz missbraucht werden.

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