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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Nach dem TV-Duell Ungewollte Festlegungen, gewolltes Schwarz-Rot-Gold

Früher trafen vier bis fünf Politiker auf zwei Journalisten, heute ist beim „Duell“ der Spitzenkandidaten das Verhältnis andersrum. Der Begleit-Zirkus ist aufwändiger denn je. Bei Kandidat und Kanzlerin waren gar die Patzer gleich verteilt.

© dpa Das Fernsehduell sorgt für Gesprächsstoff: Vor den Bildschirmen im Internet und im realen Leben

Rainer Brüderle, der sogenannte Spitzenkandidat der FDP, ist es gewesen, der auf die Umkehrung der Verhältnisse aufmerksam gemacht hat. Früher - und in diesem Falle heißt das: im vorigen Jahrtausend - trafen vor einer Bundestagswahl im Fernsehen vier Politiker auf zwei Journalisten. „Elefantenrunden“ wurden die Ereignisse genannt: Schmidt, Brandt, Kohl und Strauß und Genscher - und als Neuling dann Jutta Ditfurth von den Grünen. Was die Performance der Teilnehmer anging, kreiste das Interesse um die Frage, ob sich „die Ditfurth“ gut geschlagen habe - was mindestens nach den Maßstäben der Aufmerksamkeitserregung der Fall war.

Günter Bannas Folgen:

Heutzutage pflegen vier Fragesteller auf zwei Politiker zu treffen, und am Montag, dem Tag nach „dem Duell“, wurde die Frage, wie sich der Neuling Stefan Raab geschlagen habe, im politischen Berlin mindestens ebenso oft gestellt wie die nach Angela Merkel und Peer Steinbrück. Ja, er habe sich gut geschlagen, befanden die Leute aus der Politik, Hermann Gröhe etwa, der Generalsekretär der CDU. Die politische Kaste pflegt um zwei Ecken zu planen und vorsichtig auf die Zukunft zu achten. Stefan Raab, der Metzgermeisterssohn aus der Sülzburgstraße in Köln, hat im Fernsehen schon viel erreicht.

Brüderle und seine FDP-Vorgänger hatten in den vergangenen Wahlkämpfen immer wieder und immer vergeblich über den Umstand geschimpft, die Fernsehrunden heute entsprächen nicht dem deutschen Wahlrecht: Nicht ein Präsident werde gewählt, wie in den Vereinigten Staaten und Frankreich, sondern ein Parlament. Tempi passati. Edmund Stoiber war der Initiator. Als der CSU-Mann 2002 Kanzlerkandidat der Union war, wollte er ein „Duell“ - und gerne ging Gerhard Schröder, der Titelverteidiger der SPD darauf ein.

Merkels Kette als Gesprächsstoff

Vor einem Jahr hatte Stoiber eine weitere Veränderung deutscher Fernsehgeschichte angestoßen: Er brachte Stefan Raab als Fragesteller ins Spiel - als ersten Teilnehmer solchen Runden, der aus dem Unterhaltungsgewerbe stammt. Womöglich kommt einiges ins Rutschen. Die schwarz-rot-goldene Kette welche Angela Merkel beim Duell trug, sorgte für Gesprächsstoff - im Internet wie im realen Leben. Sie sei ein Unikat und stamme aus Idar-Oberstein, hieß es. Julia Klöckner, CDU-Vorsitzende in Rheinland-Pfalz, habe den Kontakt hergestellt. Maßstäbe politischer Unterhaltung ändern sich.

Von der CDU-Prominenz hatte sich am Sonntag nur Norbert Lammert der angeblichen Pflicht entzogen, im benachbarten Saal des Merkel-Steinbrück-Studios wohlmeinende Bemerkungen über den angeblichen Ausgang abzugeben. Lammert ist ein Parlamentarier, und ihn hatte an jenem Tag mehr eine „historische Wende“ beschäftigt, die er in der internationalen Sicherheitspolitik feststellte. In den Vereinigten Staaten und in Großbritannien würden die Entscheidungen über „Krieg und Frieden“ in die Hände der Parlamente gelegt (oder von diesen an sich gezogen). Er, der Bundestagspräsident, begrüße das - und wer will, kann das Verhalten Lammerts auch als Bewertung dessen verstehen, was sich an diesem Sonntagabend um die Fernsehstudios in Berlin-Adlershof zutrug.

In rosaroten Farben

Ein „Stelldichein“ der Politik, Minister und Generalsekretäre und sonstigen Anhängerschaften der beiden Spitzenkandidaten. Curry-Würste gab es auch. Und weil die CDU an gleicher Stelle und bei gleicher Gelegenheit vor vier Jahren unterrepräsentiert war, waren dieses Mal nahezu alle aus der CDU-Spitze erschienen. Sie sahen, was denn sonst, das Abschneiden der Kanzlerin in rosaroten Farben.

Womöglich waren gar die Patzer gleich verteilt - ungewollte Ankündigungen ebenso wie ungewollte Festlegungen. Auf ungewohnte Weise hatte sich Angela Merkel in eine Lage des Festgenageltseins drängen lassen: Für oder gegen eine Pkw-Maut? „Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben“, sagte sie. Umgehend sandte Steinbrück beste Grüße an Horst Seehofer, weil der CSU-Vorsitzende doch gesagt hatte, ohne Maut werde er keinen Koalitionsvertrag unterschreiben.

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