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ZDF-Sendung „Klartext“ : Schulz wird persönlich

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Martin Schulz in der Sendung „Klartext“, vorne Moderator Peter Frey Bild: dpa

SPD-Herausforderer Martin Schulz stellt sich im ZDF den Fragen der Bürger – und setzt auf Nähe zu den Studiogästen. Dann überrascht er mit einer Forderung: ein zweites TV-Duell mit Angela Merkel.

          Martin Schulz setzt voll auf Nähe. Deshalb müssen an diesem Abend im ZDF-Hauptstadtstudio Stühle gerückt und Plätze getauscht werden. Einen Tag, nachdem sich Angela Merkel in der ARD-„Wahlarena“ den Fragen von 150 repräsentativ ausgewählten Bürgern gestellt hat, soll der SPD-Spitzenkandidat am Dienstagabend im ZDF „Klartext“ reden. Das Format ist ähnlich: Das ZDF hat ebenfalls gut 150 Studiogäste eingeladen, dem Sender zufolge „ein Querschnitt der Bevölkerung mit Blick auf Altersstruktur und regionale Verortung“.

          Um Verortung geht es auch Martin Schulz. Er will seinen Gesprächspartnern während der eineinhalbstündigen Sendung nahe sein, räumlich und inhaltlich. Wann immer es möglich ist, setzt er sich neben sie und scheucht dafür auch mal einen Mikrofonträger zur Seite. Seine Antworten beginnt er oft mit persönlichen Geschichten – er, der Politiker ohne Abitur, er, der Polizistensohn, er, der ehemalige Bürgermeister. Er kennt die Orte, er kennt die Probleme, diese Botschaft will der SPD-Kanzlerkandidat unbedingt rüberbringen. So verständlich diese Strategie vor dem Hintergrund der schlechten SPD-Umfragewerte sein mag –– Schulz’ Interesse am jeweiligen Gegenüber wirkt in vielen Momenten ein bisschen mehr gewollt als gefühlt.

          20.15 Uhr. Mit einem breiten Lächeln betritt Schulz, dunkler Anzug, blaue Krawatte, das Studio. Er lächelt, nickt und grüßt in alle Richtungen. „Ich will Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden, ist ja klar“, antwortet er auf die Einstiegsfrage von Moderatorin Bettina Schausten nach dem Status seines Kampfeswillens knapp zwei Wochen vor der Wahl.

          Die ersten Fragen an Schulz kommen zum Bereich Soziales und Pflege. In einem Einspiel-Film berichtet das Rentnerehepaar Braun von seinen Schwierigkeiten, in Hamburg eine bezahlbare neue Wohnung zu finden. Ihre alte müssten sie nach Jahrzehnten verlassen, der Besitzer wolle umfassend sanieren. Die Wohnung soll danach als Neubau einstuft werden – und fast das Vierfache kosten. Geld, das Renate Braun und ihr Mann nicht haben.

          Nach dem kurzen Film konfrontiert Braun Schulz direkt im Studio mit ihrem Anliegen: Wieso greift die Mietpreisbremse nicht? Wieso versauert ein besserer Gesetzentwurf in der Schublade? Schulz verurteilt zunächst den „Mietwucher“ und rät den Brauns, sich Hilfe vom Mieterschutz zu holen. Möglicherweise sei eine solche Erhöhung sittenwidrig. Dann greift er die Kanzlerin an. Das Bundeskanzleramt blockiere die von der SPD entworfene Verschärfung der Mietpreisbremse, die auch eine Härtefallregelung vorsehe.

          Doch Brauns Fall hat eine unerwartete Pointe: Der Besitzer der Wohnung ist eine städtische Wohnungsbaugesellschaft – im SPD-regierten Hamburg. Das sorgt für Lacher im Publikum und Schulz’ erstes Versprechen des Abends: „Dann werde ich die städtische Wohnungsbaugesellschaft fragen, ob sie einen Knall hat.“

          Im Dialog mit einer Mutter von vier Kindern verspricht Schulz einen Rechtsanspruch von Rückkehr von Teilzeit auf Vollzeit und Verbesserungen bei den Renten – schließlich sei er das fünfte von fünf Kindern. Das Thema Pflege werde er ganz oben auf die Agenda der Politik setzten, sollte er Kanzler werden, erklärt Schulz im Gespräch mit dem Leiter einer Pflegeeinrichtung und einem Krankenpfleger – schließlich kenne er die Nöte der Pflegenden unter anderem von seinem Besuch in einer Pflegeeinrichtung in Viersen. „Dass wir für unsere alten Menschen weder Zeit noch Geld haben – das wird sich radikal ändern“, sagt Schulz mit Hinblick auf seine mögliche Kanzlerschaft.

          Ein Unternehmer nervt Schulz

          So richtig einig wird sich Schulz mit seinen beiden Gesprächspartnern aber trotzdem nicht darüber, wie der Pflegenotstand behoben werden kann. Doch anders als Merkel am Vortag bringt ihn dieses Thema auch nicht besonders ins Schwitzen. Er nutzt die Gelegenheit für ein Statement gegen Fremdenfeindlichkeit: Ohne Kräfte aus Osteuropa wäre das deutsche Pflegesystem längst zusammengebrochen, erklärt er. Das sollten sich die Fremdenfeinde einmal vor Augen führen.

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