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Radikale Linke nach der Wahl : „Wir werden die AfD jagen“

Ja, Nazis sollten Angst haben. Wir, die außerparlamentarische Linke, werden die AfD jagen. Jetzt noch entschlossener. Aber um das klar zu stellen: Wir von der Interventionistischen Linken wollen breite Bündnisse, unsere Art von Protest sind große Demos und entschlossene Blockaden. Wir organisieren keine brennenden Autos vor dem Parteitag.

Aber die wird es geben?

Weiß ich nicht. Sie haben von brennenden Autos geredet. Ich habe zwar kein Mitleid, wenn jemand die Karre eines AfDlers beschädigt, aber wir rufen auch nicht dazu auf.

Linksextreme Randalierer beim G-20-Gipfel in Hamburg

Bei der Antifa heißt es, es sei nicht „unsere Aufgabe“, „den etablierten Parteien bei der Zurückdrängung ihrer noch rechteren Konkurrenz behilflich zu sein, denn jene Parteien sind selbst für die Rechtsentwicklung verantwortlich“. Das klingt bei Ihnen anders.

Natürlich sind die etablierten Parteien für die Rechtsentwicklung verantwortlich. Mit der Verschärfung der Asylgesetze und dem Abbau demokratischer Rechte betreiben sie den Rechtstrend ja selbst. Daher gibt eine intensive Debatte in der außerparlamentarischen Linken, ob es für große Bündnisse mit der SPD oder gar CDU gegen den Faschismus überhaupt eine Basis gibt oder nicht. Wir sind nur dann dafür, wenn auch eine unmissverständliche Kritik an ihrer Politik laut wird.

Haben die Bilder von den gewaltsamen Protesten gegen den G20-Gipfel vielleicht auch dazu geführt, dass viele Leute gesagt haben: Von Links kommt das Chaos, wir brauchen mehr Recht und Ordnung?

Die „Law and Order“-Fans und die AfD-Trolle gibt es sowieso. Und die Linkspartei hat zum Beispiel in Hamburg ein Rekordergebnis erzielt, die SPD hat stark verloren. Das zeigt doch eher, dass viele Hamburger nicht damit einverstanden waren, dass Olaf Scholz ihre Stadt mit diesem riesigen Versammlungsverbot während des Gipfels zu einer demokratiefreien Zone gemacht hat.

Sind die AfD-Wähler für Sie alle Nazis?

Nein, wahrscheinlich nicht. Manche hoffen vielleicht, dass soziale Reformen von rechts kommen, und haben dafür den Rassismus akzeptiert. Das ist nicht nur menschlich falsch, es ist auch eine vergebliche Hoffnung.

Gestern wurde bekannt, dass unter anderem gegen Sie persönlich wegen Ihrer Rolle bei den G20-Protesten ermittelt wird, wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs. Wie sehen Sie diesen Ermittlungen entgegen?

Ich nehme das nicht ernst, im Gegenteil: Ich finde das ziemlich albern. Zwei Rentner aus Bielefeld und Braunschweig haben Anzeige erstattet, nachdem sie irgendwas im Fernsehen gesehen haben. Ich gehe davon aus, dass das Verfahren schnell wieder eingestellt wird. Sorgen machen mir da eher die harten politischen Urteile, die zum Teil schon gefallen sind und die Leute, die noch im Gefängnis sitzen, um an ihnen ein Exempel zu statuieren.

Haben Ihrer Bewegung die Bilder von brennenden Barrikaden, die aus Hamburg um die Welt gegangen sind, mehr geholfen oder geschadet?

Wir haben die größte Demonstration in Hamburg seit den Achtzigern organisiert. Unsere Blockaden waren viel erfolgreicher als gedacht, Melania Trump konnte wegen uns das Hotel nicht verlassen. Dass so viel davon dann untergegangen ist unter den Bilder von den Riots im Schanzenviertel, hat mehr mit den Medien und ihrer Sensationslust zu tun als mit uns. Der Versuch an dieser Frage die #NoG20 Bewegung zu spalten, ist aber nach hinten losgegangen. Wir stehen zusammen.

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