http://www.faz.net/-gpf-91syn

In Kauders Wahlkreis : Überfremdungsangst schüren für die AfD

Mit diesem Plakat eines blonden Jungen inmitten einer Gruppe dunkelhäutiger Menschen schüren vier Firmen in Volker Kauders Wahlkreis Überfremdungsängste – und rufen indirekt zur Wahl der AfD auf Bild: Zollern-Alb-Kurier

In Baden-Württemberg sorgt ein Plakat für Aufsehen, das einen blonden Jungen inmitten dunkelhäutiger Menschen zeigt und indirekt zur Wahl der AfD aufruft. Es steht nicht irgendwo, sondern im Wahlkreis von Unionsfraktionschef Volker Kauder.

          In den östlichen Bundesländern begegnen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihren Wahlkampfauftritten fast täglich Wutbürger. Die brüllen dann „Hau ab, hau ab“ und regen sich über die Flüchtlingspolitik auf.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Auch in den westlichen Bundesländern ist die Stimmung eine Woche vor der Bundestagswahl für die CDU nicht überall freundlich: In der Nähe der baden-württembergischen Gemeinde Egesheim sorgt seit ein paar Tagen ein Plakat für Aufregung, das vier Firmen aufgestellt haben: Es zeigt einen blonden Jungen inmitten einer Gruppe von Menschen mit dunkler Hautfarbe. „Deutschland 2030. Haben wir eine Alternative??? Zur Wahl gehen!!“ ist auf dem Plakat zu lesen.

          Es ist ein indirekter Aufruf der Firmen, die rechtspopulistische Partei AfD zu wählen. Im Internet wird über das Plakat heftig diskutiert, der Bürgermeister von Egesheim, Josef Bär, bemüht sich gerade, dass das Plakat abgehängt wird. Pikant an dem Plakat ist, dass es in der Region Großer Heuberg steht. Ein Gebiet, das zum Bundestagswahlkreis von Volker Kauder gehört, dem Fraktionsvorsitzenden der Union im Bundestag.

          Die Initiatoren der Plakataktion nutzen es, um Überfremdungsängste zu schüren. Dass das Motiv mit der Einwanderung nach Europa nichts zu tun hat, stört sie offenbar nicht. Nach Recherchen der Zeitung „Zollern-Alb-Kurier“ kommentieren die vier Firmen ihre Aktion nicht. Das Foto entstand nämlich beim Besuch einer australischen Familie in einem indischen Kinderheim, die Familie verwahrte sich gegen den Missbrauch des Fotos, sie wollte damit eigentlich nur auf die schwierige Situation in indischen Kinderheim aufmerksam machen. In Deutschland war das Foto bekannt geworden, weil die frühere CDU-Politikerin Erika Steinbach es über Twitter verbreitet hatte. Die Politikerin unterstützt die AfD im Wahlkampf. Vor anderthalb Wochen war sie in Pforzheim bei einer Veranstaltung der AfD aufgetreten.

          Am Freitagabend ist in Kauders Wahlkreis eine Wahlkampfveranstaltung im Konzerthaus Trossingen, an der der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sowie Volker Kauder selbst teilnehmen.

          Weitere Themen

          Abgrenzen, eingrenzen

          Parteien : Abgrenzen, eingrenzen

          Der Verweis auf das verlorene konservative Erbe der CDU ist ein altes Klagelied. Und schon Angela Merkels Vorgänger mussten auf Erfolge von Parteien rechts der Union reagieren. Was kann die CDU von heute aus dem Umgang mit dem BHE, der NPD und den Republikanern lernen?

          Topmeldungen

          Trump und Putin : Zwei gegen den Rest der Welt

          Trump und Putin geben sich freundschaftlich – die Schuld für die angespannten Beziehungen beider Länder liege bei anderen. Eine russische Einmischung in den amerikanischen Wahlkampf streiten beide ab.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.