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Wer will schon Kanzler sein? : Wie Gabriel und Schröder Schulz das Leben schwer machen

Martin Schulz mit Sigmar Gabriel: die frühere SPD-Spitze macht ihm das Leben schwer. Bild: dpa

Die zwei früheren SPD-Vorsitzenden machen es Martin Schulz nicht leicht. Verschiedene Aussagen bereiten dem Kanzlerkandidaten Kopfschmerzen. Trotzdem haben sie ein gemeinsames Interesse.

          Wahlkampf ist aus Sicht der Steuerungszentralen der Parteien der Versuch, das tägliche Chaos zu bändigen. Das gilt besonders für die SPD, die – wie schon 2009 und 2013 – wieder Probleme damit hat, deutlich zu machen, wo das strategische Zentrum der Kampagne liegt. Da kann einem Martin Schulz mitunter leidtun. Am Donnerstagmorgen melden sich Journalisten im Willy-Brandt-Haus: Wie man mit der jüngsten Äußerung Sigmar Gabriels umzugehen gedenke? Hintergrund ist eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur mit der Schlagzeile: „Gabriel glaubt offenbar nicht mehr an SPD als stärkste Kraft.“

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Was war geschehen? Der Außenminister, der sich nun schon mehrfach in Interviews nicht an die Linie des Kanzlerkandidaten gehalten hat, über Koalitionsoptionen zu schweigen, war am Mittwochabend auf einer Veranstaltung der Zeitschrift „Der Spiegel“ in Hamburg auf seine abweichenden Äußerungen angesprochen worden. Zunächst hatte er Anfang August mit Blick auf die Differenzen mit der Union gesagt, man werde sich trennen. Später relativierte er diese Äußerung dann wieder und machte deutlich, dass er die große Koalition nicht kategorisch ausschließt. Am Mittwoch nun erhält er eigentlich die Gelegenheit zur Klarstellung im Sinne des Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten. Das allerdings geht ziemlich schief.

          Gabriel setzt an: Er sei in dem ersten Interview nach einer Fortsetzung der großen Koalition gefragt worden. Was hätte er da sagen sollen? „Ist eigentlich ’ne gute Idee?“, fragt er ironisch. Natürlich nicht, soll das heißen. Begründung: „Weil da kann der Schulz schon mal einpacken, weil dabei wird er dann nicht Kanzler.“ Er fügt zur Erläuterung hinzu: Mit der großen Koalition und Frau Merkel sei es schwer für ihn, Kanzler zu werden, da es dann da schon eine gebe.

          Der Versuch, das tägliche Chaos zu bändigen

          Schulz hätte anders geantwortet. Er sagt in solchen Situationen stets, er wolle Kanzler werden und über Koalitionen rede man nach der Wahl. Wer mit der SPD koalieren könne, solle dann Angebote machen und auf ihn zukommen. Der Kandidat suggeriert so, er werde ein Regierungsbündnis anführen – auch eine große Koalition. Gibt es dann Nachfragen, die darauf verweisen, dass seine Partei in Umfragen 14 bis 16 Prozentpunkte hinter der Union liege, kontert er mit dem Argument, es gebe doch noch so viele unentschlossene Wähler.

          Wahlkampf : Schulz verspricht stabile Rentenbeiträge

          Schulz ist kein Träumer. Aber Wahlkämpfe haben ihre eigene Logik, und der Kanzlerkandidat darf unter keinen Umständen den Eindruck erwecken, er habe den Anspruch auf das Kanzleramt schon aufgegeben. Das würde zusätzlich demobilisieren und den Abwärtstrend nur beschleunigen. Genau das ist das Problem mit Gabriels Äußerung. Wie also damit umgehen? Zunächst verweist das Willy-Brandt-Haus auf den Kontext: Es sei doch anders gewesen.

          Später dann sieht sich die Parteizentrale zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlasst. Sie verbreitet eine „Richtigstellung des Bundesaußenministers“ zur Berichterstattung über die Veranstaltung – wohlgemerkt: das Willy-Brandt-Haus, nicht etwa das Auswärtige Amt, wo Gabriels Sprecher eigentlich sitzen. Kurzum: Der frühere Parteivorsitzende habe nochmals bekräftigt, dass seine Partei mit dem Kanzlerkandidaten den Anspruch erhebe, den nächsten Kanzler zu stellen und Angela Merkel abzulösen. „Gabriel zeigte sich überzeugt, dass das Wahlergebnis der SPD viel besser sein werde, als die aktuellen Umfragen das heute scheinbar nahelegten.“ Et cetera. Wie gesagt: Wahlkampf ist der Versuch, das tägliche Chaos zu bändigen.

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