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FAZ.NET-Countdown am Morgen : Union in Harmonie, Schulz in Bremen, Erdogan in Rage

Der türkische Präsident Erdogan poltert zurzeit besonders gerne gegen Deutschland. Bild: Reuters

Nach einem spannenden Wochenende geht der deutsche Wahlkampf auch im Zeichen des Terrors weiter. Was heute wichtig wird, steht im FAZ.NET-Countdown.

          Eine neue Arbeitswoche beginnt – und wieder steht Europa im Zeichen des Terrors. Seit den blutigen Anschlägen in Spanien ist die islamistische Bedrohung wieder so allgegenwärtig wie die Furcht vor weiteren, womöglich noch verheerenderen Attacken. Und auch wenn es zu der trotzigen Parole, dass Verbrecher unsere Art zu leben nicht durch Terror und Panik zerstören können, keine Alternative gibt, wird die Frage, wir uns vor der islamistischen Bedrohung schützen können, die nächsten Wochen bestimmen. Vielleicht auch den Bundestagswahlkampf.

          Bislang plätschert der ja eher dahin, was nicht nur für Martin Schulz gilt, der auch an diesem Montag einen Kampf fortsetzt, den mancher Merkel-Anhänger schon als einen gegen mecklenburgische Windmühlen belächelt. Auch in der Union herrscht plötzlich so viel Wertschätzung füreinander, dass manche sich schon fragen, ob die CSU plötzlich das Streiten verlernt habe. Oder doch noch nicht?

          Wer schon das Schlimmste befürchtet hatte, wurde am Sonntag zum Glück wieder eines Besseren belehrt, als Horst Seehofer in einem Interview in souveräner Salami-Taktik erst das faktische Ende der Obergrenze für Flüchtlinge andeutete, sich wenig später aber falsch verstanden fühlte und doch wieder davon sprach, er werde nicht von ihr abrücken. Stand Montagmorgen, 6 Uhr, gilt aber als gesichert: Seehofer würde mittlerweile zumindest einen Koalitionsvertrag unterschreiben, in dem das Wort „Obergrenze“ nicht auftaucht, was seit den heißen Tagen der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 eine conditio sine qua non der CSU war. Und das ist dann doch eine Harmonie zwischen den Schwesterparteien, wie es sie so lange nicht mehr gegeben hat. 

          Seehofer und Merkel auf Kuschelkurs, der Abstand der SPD zur Union immer größer und ein Altkanzler mit großem Wunsch nach russischer Größe: Ob dem SPD-Kanzlerkandidaten da nicht vielleicht doch der Gedanke „Ich will nicht mehr“ durch den Kopf geht, wenn er heute in Bremen bei der Auftaktkundgebung seiner „Martin Schulz live“-Tour eigentlich Zuversicht und politischen Durchhaltewillen demonstrieren soll?

          Angela Merkel dürfte, wenn sie ab dem Nachmittag in St. Peter-Ording und Cloppenburg auftritt, hingegen die Ruhe in Person sein. Trotz der Pfiffe und Buhrufe, die ihr in den vergangenen Tagen bei Wahlkampfauftritten mitunter entgegenschlugen und trotz des „Asyl- und entwicklungspolitischen Konzepts“, das die AfD heute in Berlin vorstellen will, hat sie derzeit nichts zu befürchten. Daran dürfte auch die heftige Kritik nichts ändern, die die neue Ministerpräsidentin „ihres“ Bundeslandes, Manuela Schwesig, im Interview mit meinen Kollegen Jasper von Altenbockum und Matthias Wyssuwa an Merkel äußert. Aber all das kann sich bekanntlich auch schnell wieder ändern – und wenn, wird unser FAZ.NET-Newsletter „Countdown“ darüber berichten. Hier können Sie ihn abonnieren.

          Was sonst noch wichtig wird

          Auch Martin Schulz könnte übrigens vom noch jungen französischen Präsidenten Emmanuel Macron lernen, wie schnell gefeierte Helden auf dem Boden der ganz alltäglichen politischen Realität landen können. Macron ist an diesem Montag 100 Tage im Amt – und auch bei ihm ist die Euphorie seiner Landsleute dann doch relativ schnell wieder erkaltet. Vielleicht sollte sich Schulz besser andere Vorbilder suchen.

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