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Selbstverständnis der CSU : Ein Hauch von Kreuth

  • -Aktualisiert am

„Epochale Herausforderungen“: Horst Seehofer am Montag in München Bild: dpa

Franz Josef Strauß hätte es geschüttelt angesichts des Zustands der CSU nach der Wahl. Die Partei ringt um Orientierung – und die Kritik an Horst Seehofers Kurs wächst.

          Um Fassung hat die CSU am Tag nach dem Wahldebakel gerungen. Wie es in der Seele der Partei aussieht, machte schon vor der Sitzung ihres Vorstands Generalsekretär Andreas Scheuer deutlich. Es müsse eine „Orientierungsdebatte“ beginnen, sagte er. Schonungsloser hätte er nicht auf den Punkt bringen können, dass in der CSU das Gefühl verlorengegangen ist, wo ihr Platz ist. Wenig später wehte sogar ein Hauch von Kreuth durch die Partei: Es wurde kolportiert, Horst Seehofer stelle – wie 1976 Franz Josef Strauß – die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag in Frage. Rasch folgte ein Dementi, das aber nicht für ausreichend gehalten wurde, um den Kreuther Geist zu vertreiben. Es wurde ein Vorstandsbeschluss gefasst, dass an der Fraktionsgemeinschaft festgehalten werde.

          „Whiteout“ wird es genannt, wenn in arktischen Eiswüsten nicht mehr erkannt werden kann, wo der Boden endet und der Himmel beginnt – und sich ein unendlich leerer Raum aufzutun scheint. Ein politischer Whiteout schien die CSU am Montag befallen zu haben. Während die einen sagten, die Partei müsse nach rechts rücken, um Wähler der AfD anzuziehen, waren sich die anderen sicher, dass an der Positionierung nichts geändert werden müsse. Joachim Herrmann, der Spitzenkandidat, wollte „die rechte Flanke schließen, das heißt aber nicht, dass wir nach rechts rücken“. Seehofer wiederum beanspruchte nach der Vorstandssitzung für die CSU die „Besetzung der Mitte und des demokratischen rechten Spektrums“ – Klarheit schaffte er nicht damit. Vorsichtige Gemüter wie Markus Söder zogen sich darauf zurück, dass die CSU vor einer „epochalen Herausforderung“ stehe, bei der „Schnellanalysen“ nicht weiterführten.

          Einige wollen am „Bayernplan“ festhalten

          Der Whiteout-Effekt war im Zweiten Weltkrieg bei amerikanischen Piloten, die das grönländische Eis auf dem Weg nach Europa überflogen, gefürchtet. Manche vertrauten den Cockpitanzeigen nicht mehr und steuerten ihre Maschine ins Eis. In der CSU wurde am Montag trotzig die Navigationsunterlage aus dem Wahlkampf hochgehalten – der „Bayernplan“ mit der Forderung nach einer Obergrenze bei der Flüchtlingsaufnahme.

          Die Zweifel, ob der „Bayernplan“ für einen Kurs auf ein Jamaika-Bündnis – eine Koalition von Union, FDP und Grünen – tauge, waren aber nicht zu übersehen. Die Obergrenze sei schon gegenüber der CDU nicht durchzusetzen gewesen; wie sollte es gegenüber den Grünen gelingen, wurde gefragt. Wagemutige wollten dennoch an der Obergrenze festhalten; dann müsse die CSU eben in der Opposition notlanden oder einen neuen Start mit einer neuen Wahl anstreben.

          CDU und CSU müssen sich einig werden

          „Ohne eine Obergrenze, die auch Obergrenze heißt, brauchen wir nicht aus Berlin zurückkehren“, wurde Hans Reichardt, der Vorsitzende der Jungen Union in Bayern, zitiert. Zugleich regten sich die Kreuther Geister noch einmal. Zuerst müssten die Unionsparteien sich auf einen gemeinsamen Kurs verständigen, bevor Gespräche mit anderen Parteien beginnen könnten, hieß es. „Wir brauchen eine gemeinsame Plattform“, sagte Seehofer, als läge nicht ein gemeinsamer Wahlkampf hinter den Schwesterparteien CDU und CSU.

          Unionsinterne Sondierungsgespräche vor den eigentlichen Sondierungen – die Angst vor dem Whiteout gebiert seltsame Ungeheuer. Seehofer, der sich im November auf einem CSU-Parteitag wieder als Vorsitzender zur Wahl stellen will, brachte gleich einen weiteren Parteitag ins Gespräch, der über einen Koalitionsvertrag entscheiden solle – mit wem auch immer.

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