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Die CSU im Wahlkampf : Der schwarze Alois und die AfD

Alois Karl (in blauer Steppjacke) auf Wahlkampftour in Ebermannsdorf Bild: Anna-Lena Ripperger

Die Oberpfalz ist der CSU seit Jahrzehnten treu. Doch die AfD könnte auch hier die politischen Verhältnisse durcheinanderbringen. Wie gehen die Christsozialen mit der Konkurrenz von rechts um? Ein Ortsbesuch.

          Bayern, im September. Nach dem Ortsschild von Neumarkt gibt Alois Karl Gas. „Die Leute dürfen nicht das Gefühl haben, dass man sich nicht mehr anstrengt“, sagt er. Karl ist auf Wahlkampftour in seiner Heimat, der Oberpfalz. Bis zum Schluss will er um Stimmen werben, am Wahlsonntag hat er seinen letzten Termin. Nervös ist er nicht. Dafür ist der Oberpfälzer schon zu lange in der Politik – und bei der richtigen Partei, der CSU.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Die kann bei der Bundestagswahl laut des aktuellen Bayerntrends des Bayerischen Rundfunks mit 47 Prozent der Stimmen rechnen. Damit bliebe sie zwar leicht unter ihrem Ergebnis von 2013 – 49,3 Prozent. Große Sorgen macht sich deshalb aber keiner in der CSU, zumindest nicht öffentlich.

          Auch Alois Karl ist zuversichtlich, zum vierten Mal in den Bundestag einzuziehen. Seit 2005 sitzt der 66 Jahre alte Politiker für den Wahlkreis Amberg im Bundestag. „Der ist größer als das Saarland“, sagt Karl – und spielt damit auch darauf an, wie viele Kilometer er mit seinem dunkelblauen Audi zurücklegen muss, um potentielle Wähler zu erreichen.

          Karl hat Routine im Wahlkämpfen, es ist sein siebter, Kommunal- und Bundesebene zusammengenommen. Während seines Jurastudiums in Regensburg trat er der CSU bei – um die anderen Studentenvertreter zu ärgern, die alle in der SPD waren. „Das war die Zeit der Studentenproteste und das hat mir nicht gefallen. Also habe ich Revolution gemacht, im Privaten.“

          Revoltiert hat Karl später auch noch als Bundestagsabgeordneter: 2009 gab er einer Milchbäuerin im oberpfälzischen Trautmannshofen eine Ohrfeige, nachdem sie ihm während einer Debatte um die niedrigen Milchpreise mehrere Liter Milch übergeschüttet hatte. Zu dieser „reflexartigen Handlung“, wie Karl sie nannte, steht er noch heute. Man müsse sich als Politiker nicht alles gefallen lassen, sagt er.

          Schwarz, stark, gut?

          Standfestigkeit hat Karl auch in der Kommunalpolitik bewiesen. Er machte in der Oberpfälzer CSU Karriere und wurde 1990 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt: Neumarkt in der Oberpfalz, eine musterhafte CSU-Stadt zwischen Nürnberg und Regensburg, seit Jahren ein tiefschwarzer Fleck im auch sonst noch ziemlich schwarzen Bayern.

          100 Prozent Arabica-Bohnen: Der „Schwarze Alois“ des CSU-Bundestagskandidaten Alois Karl
          100 Prozent Arabica-Bohnen: Der „Schwarze Alois“ des CSU-Bundestagskandidaten Alois Karl : Bild: Regina Lindner

          Mit diesem Adjektiv bewirbt sich Karl auch selbst: „Schwarzer Alois. Schwarz. Stark. Gut“ steht auf dem Wahlkampf-Kaffee, den er zusammen mit einer Oberpfälzer Kaffeerösterei kreiert hat. Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat schon ein Päckchen von ihm bekommen.

          Erste Station von Karls Tour ist um sieben Uhr morgens eine Bäckerei in Ebermannsdorf. Der Ortsverband hat einen Pavillon aufgebaut und verteilt Brezen. Auf einem Biertisch stapelt sich Wahlkampfmaterial. Neben Bleistiften, Haarbürsten und anderem CSU-Nippes liegt auch ein Stapel glänzender Broschüren: der CSU-Bayernplan, das Wahlprogramm der Christsozialen, mit dem sie in Abgrenzung zur Schwesterpartei ihr konservativeres Profil betonen will. Darin enthalten ist auch die strittige Obergrenze-Forderung für Flüchtlinge – 200.000 pro Jahr sollen kommen dürfen, mehr nicht.

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