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Der Plagiator als Exeget Guttenbergs Rache

 ·  Pünktlich zur Bundestagswahl meldet sich Karl-Theodor zu Guttenberg wieder zu Wort. In einer Zeitung attestiert er der Kanzlerin nicht nur das Abschleifen konservativer Positionen; er porträtiert sie auch genüsslich als Opportunistin.

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© dapd Vergrößern Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im November 2012 in Washington

Karl-Theodor zu Guttenberg, der vor einigen Jahren wegen einer zweifelhaften Doktorarbeit aus dem Bundeskabinett geschieden ist, meldet sich mit Vorliebe in Zeitungen zurück, die über jeden Zweifel erhaben sind. Nach einem Aufsatz in der „New York Times“, in dem er Anfang des Monats die deutsche Außenpolitik vorführte, nutzte er am Freitag die britische „Financial Times“, um einen Angriff auf seine ehemalige Chefin zu lancieren. In seinem Artikel attestiert er Kanzlerin Angela Merkel – zwei Tage vor der Wahl – nicht nur einen „faden Wahlkampf“ sowie das Abschleifen konservativer Positionen, sondern er porträtiert sie auch genüsslich als Opportunistin.

Natürlich kritisiert nicht zu Guttenberg selbst: Es sind die „schärfsten Kritiker der Kanzlerin, einige sogar aus der eigenen Partei“, denen er seine Sicht der Dinge in den Mund legt. Demnach lasse sich Merkels Politikansatz in drei Prinzipien zusammenfassen: „Erstens, halte dir alle Möglichkeiten offen, aber tue dies entschieden. Zweitens, zögere energisch.“ Fast perfide liest sich das dritte Führungsmotto: „Versuche die Angelegenheiten, um die du dich kümmerst, so komplex wie möglich zu halten, damit niemand merkt, dass du schon verschiedene 170-Grad-Drehungen hinter dir hast (180-Grad-Drehungen würde sie immer auf den selben Punkt zurückführen).“

Schon der Titel des Aufsatzes – „Warum Merkels konservative Kritiker entscheidend sein werden“ – illustriert, für wie entscheidend der Autor sich selbst hält. Denn zu Guttenberg empfiehlt sich zwischen den Zeilen als Patron der „zehn bis 15 Prozent Traditionskonservativen“, die es noch in der Wählerschaft gebe – und von deren Mobilisierung der Wahlausgang abhänge.

Nur aus einem taktischen Grund würden die Traditionskonservativen, diese „vom Aussterben bedrohte Spezies“, ihre Stimme noch Merkel geben und nicht etwa der „Alternative für Deutschland“: die Verhinderung einer großen Koalition, die im Laufe der Legislaturperiode von einer rot-rot-grünen Koalition abgelöst werden könnte. Die schwarz-gelbe Regierung erscheint Traditionskonservativen wie zu Guttenberg nur noch als „Spatz in der Hand“. Und deren Frustration, droht der Metaphoriker, werde wachsen, „sollten sie erkennen, dass ihre Hände zu schwach geworden sind, um den Spatz zu halten“.

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