http://www.faz.net/-gpf-7hoyg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 20.09.2013, 14:27 Uhr

Der Plagiator als Exeget Guttenbergs Rache

Pünktlich zur Bundestagswahl meldet sich Karl-Theodor zu Guttenberg wieder zu Wort. In einer Zeitung attestiert er der Kanzlerin nicht nur das Abschleifen konservativer Positionen; er porträtiert sie auch genüsslich als Opportunistin.

von
© dapd Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im November 2012 in Washington

Karl-Theodor zu Guttenberg, der vor einigen Jahren wegen einer zweifelhaften Doktorarbeit aus dem Bundeskabinett geschieden ist, meldet sich mit Vorliebe in Zeitungen zurück, die über jeden Zweifel erhaben sind. Nach einem Aufsatz in der „New York Times“, in dem er Anfang des Monats die deutsche Außenpolitik vorführte, nutzte er am Freitag die britische „Financial Times“, um einen Angriff auf seine ehemalige Chefin zu lancieren. In seinem Artikel attestiert er Kanzlerin Angela Merkel – zwei Tage vor der Wahl – nicht nur einen „faden Wahlkampf“ sowie das Abschleifen konservativer Positionen, sondern er porträtiert sie auch genüsslich als Opportunistin.

Jochen Buchsteiner Folgen:

Natürlich kritisiert nicht zu Guttenberg selbst: Es sind die „schärfsten Kritiker der Kanzlerin, einige sogar aus der eigenen Partei“, denen er seine Sicht der Dinge in den Mund legt. Demnach lasse sich Merkels Politikansatz in drei Prinzipien zusammenfassen: „Erstens, halte dir alle Möglichkeiten offen, aber tue dies entschieden. Zweitens, zögere energisch.“ Fast perfide liest sich das dritte Führungsmotto: „Versuche die Angelegenheiten, um die du dich kümmerst, so komplex wie möglich zu halten, damit niemand merkt, dass du schon verschiedene 170-Grad-Drehungen hinter dir hast (180-Grad-Drehungen würde sie immer auf den selben Punkt zurückführen).“

Schon der Titel des Aufsatzes – „Warum Merkels konservative Kritiker entscheidend sein werden“ – illustriert, für wie entscheidend der Autor sich selbst hält. Denn zu Guttenberg empfiehlt sich zwischen den Zeilen als Patron der „zehn bis 15 Prozent Traditionskonservativen“, die es noch in der Wählerschaft gebe – und von deren Mobilisierung der Wahlausgang abhänge.

Nur aus einem taktischen Grund würden die Traditionskonservativen, diese „vom Aussterben bedrohte Spezies“, ihre Stimme noch Merkel geben und nicht etwa der „Alternative für Deutschland“: die Verhinderung einer großen Koalition, die im Laufe der Legislaturperiode von einer rot-rot-grünen Koalition abgelöst werden könnte. Die schwarz-gelbe Regierung erscheint Traditionskonservativen wie zu Guttenberg nur noch als „Spatz in der Hand“. Und deren Frustration, droht der Metaphoriker, werde wachsen, „sollten sie erkennen, dass ihre Hände zu schwach geworden sind, um den Spatz zu halten“.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fraktur Geschichte

Merkel, Dosenpfand und Bismarck: Wie es auf der richtigen Seite aussieht. Mehr Von Timo Frasch

30.04.2016, 11:30 Uhr | Politik
Diskussion um Hilfsprogramm Merkel lehnt Schuldenschnitt für Griechenland weiter ab

Einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland lehnt Kanzlerin Angela Merkel ab. Nach einem Treffen mit den Chefs der weltweit fünf wichtigsten Wirtschafts-Institutionen äußerte sich die Kanzlerin zudem zu den sogenannten Panama Papers. Mehr

06.04.2016, 16:37 Uhr | Wirtschaft
Kanzlerkandidatur Warum Angela Merkel 2017 noch einmal antritt

Auch bei der nächsten Bundestagswahl wird Angela Merkel wohl wieder als Kanzlerkandidatin für die CDU antreten. Ein freiwilliger Abschied aus dem Amt ist unwahrscheinlich – das zeigt auch die Historie. Eine Analyse. Mehr Von Günter Bannas, Berlin

26.04.2016, 10:51 Uhr | Politik
Berlin Merkel besucht Bund der Vertriebenen

Die Kanzlerin hat den Bund der Vertriebenen in Berlin besucht. Dabei sprach sie von Gemeinsamkeiten zwischen deutschen Heimatvertriebenen und heutigen Flüchtlingen. Mehr

13.04.2016, 16:54 Uhr | Politik
Merkel in der Flüchtlingskrise Dann macht Österreich den Brenner dicht

Kanzlerin Merkel hat die Schließung der österreichischen Grenze in der Flüchtlingskrise stets kritisiert – jetzt scheint sie im Notfall doch auf die Hilfe aus Wien zu setzen. Wenn Italien nicht handele, müsse es eben Österreich tun, soll Merkel gesagt haben. Mehr

23.04.2016, 11:21 Uhr | Politik