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CDU-Politiker Jens Spahn : Das Kanzleramt fest im Blick

Im Wahlnahkampf: Jens Spahn wirbt in Fulda um Stimmen für die CDU. Bild: Victor Hedwig

Konservativ und streitlustig – in der Union hat sich Jens Spahn bei Reizthemen wie Islamkritik und Flüchtlingskrise für die Zeit nach Merkel profiliert. An seinem Aufstieg könnte ihn aber einer hindern – er selbst.

          Noch vor vier Jahren wäre ihm das außerhalb von Ahaus und ein paar Dörfern im Münsterland wohl kaum passiert. „Sie kenn´ ich doch aus den Talkshows. Und da sagen Sie das Richtige, das passt schon!“. Der ältere Herr, der an diesem warmen Sommermorgen seinen Latte Macchiato im Schatten eines schmucken Fachwerkhauses genießt, strahlt den jungen Mann vor ihm an. Für Jens Spahn sind solche spontanen Lobeshymnen treuer, meist konservativer Unions-Wähler nichts Neues. Soviel Zuspruch erfährt er nicht nur hier in der tiefschwarzen katholischen CDU-Hochburg Fulda, wo die Welt für die Union und ihre Wähler noch in Ordnung ist. Und wo derzeit das Topthema ist, ob der ICE aus Frankfurt statt in 53 Minuten schon fünf Minuten früher den osthessischen Bischofssitz erreicht.  

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Auch wenn sich der 37 Jahre alte Spahn in den vergangenen Wochen etwas seltener bei „Illner“, „Maischberger“ oder „Hart aber Fair“ hat blicken lassen: Für viele CDU-Anhänger und -Mitglieder ist er neben Wolfgang Bosbach zumindest im Fernsehen der einzige Politiker, der schmerzlich vermisste konservative Positionen und Werte leidenschaftlich vertritt. Der nicht kneift, wenn es dort um Flüchtlingskrise, Islamisierung und Terror-Angst geht. Und der sich zur Freude seiner Fernsehgastgeber auch gerne mit dem Koalitionspartner SPD zofft.

          Vor dem Wahlkampf-Spaziergang durch die Altstadt von Fulda schwärmt auch der örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand über diese Eigenschaft seines Parteifreundes, den er seit zwölf Jahren kennt: „Er ist einer unserer Besten. Er sorgt sich um das Parteiprofil und fragt: ‚Was würden wir machen, wenn wir nicht in der großen Koalition wären?‘ Jens ist jemand, der in der Partei Themen setzt und für sie kämpft.“ Dass viele andere in der Spitze der CDU diesen Kampfgeist aus Sicht Brands schon lange nicht mehr zeigen, schwingt in dieser Eloge unausgesprochen mit. 

          Rentner als Zielgruppe: Jens Spahn und der Fuldaer CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand (re.)
          Rentner als Zielgruppe: Jens Spahn und der Fuldaer CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand (re.) : Bild: Victor Hedwig

          Es ist Spahns fünfter und bisher wichtigster Bundestagswahlkampf. Er führt ihn nicht als Kandidat, dem es reicht, wegen guter Leistungen für seine Wähler daheim im westfälisch Wahlkreis Steinfurt I/Borken mit 50 Prozent Plus wieder nach Berlin geschickt zu werden. Spahn will auch mehr, als nur Staatssekretär im Finanzministerium zu bleiben. Seinen Ehrgeiz kleidet er in zwei schöne Sätze: „Ich will gewählt werden, weil die Menschen mir vertrauen und sagen: Der hat den richtigen Kompass. Und nicht als Belohnung für etwas, das ich vorher geleistet habe.“ Für viele konservative CDU-Anhänger, die von Angela Merkel nicht mehr zu begeistern sind, aber den Wechsel zur AfD scheuen, präsentiert sich Spahn so auch als ein attraktives personelles Angebot in der Zukunft. 

          Freunde loben ihn als „kanzlertauglich“

          Freunde und Unterstützer in der CDU sagen, er könne, müsse und solle nach dem erwarteten Wahlsieg mehr in Partei und Regierung werden – spätestens 2021, wenn die dann 17 Jahre währende Ära Merkel endet und die Kanzlerin nicht schon zur Halbzeit ihren Rückzug aus der Politik verkündet. „Er hat das Potential zum Kanzler“, sagt ein CDU-Mann in Berlin, der Spahns Werdegang zur Hoffnung junger und älterer Konservativer in der Union wohlwollend verfolgt. Und eine CDU-Politikerin aus einem wichtigen Landesverband nennt ihn schlicht „kanzlertauglich“.

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