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Veröffentlicht: 09.08.2017, 19:39 Uhr

CDU-Jungpolitiker Hagel Der neue Hoffnungsträger der Konservativen

Klares Profil, neuer Stil, niederschwelliger Kontakt zum Bürger – und ein konservatives Image: Manuel Hagel war mit 24 Jahren schon Sparkassen-Direktor, mit 29 soll er nun der CDU frischen Schwung geben. Wie soll das gelingen?

von , Oberstadion
© Patrick Junker Manuel Hagel besucht den Passivhaushersteller Kaufmann in Oberstadion.

Zwiebelkirchtürme, Traktoren, der würzige Geruch des Milchviehs. Munderkingen, Rottenacker, Emerkingen. Manuel Hagel ist in seinem Wahlkreis in der oberschwäbischen Donaulandschaft unterwegs. Eine Region, in der die CDU früher mit Leichtigkeit 60 Prozent und mehr holte. „Black.de – Schwarzhandel für alle“, hat ein findiger Geschäftsmann an ein Scheunentor genagelt. „Cool“, sagt Hagel, seit einem guten Jahr Generalsekretär der Südwest-CDU. „Das ist der Style, den wir brauchen.“ Hagel ist in der Partei der wichtigste Mann des Landesvorsitzenden, Innenministers und stellvertretenden Ministerpräsidenten Thomas Strobl. Hagel soll den als Altmännertruppe verschrienen Landesverband auf Vordermann bringen.

Rüdiger Soldt Folgen:

In der Landtagsfraktion hat es Hagel schwer. Als Neuling in den Landtag zu kommen, mit 29 Jahren und dann als enger Vertrauter des in der Fraktion unbeliebten Landesvorsitzenden, das ist nicht so einfach. Unter den Landtagsabgeordneten zählt „abgeleitete Autorität“ wenig und „abgesessene Zeit“ viel. Einige seiner Kritiker vergleichen Hagel mit Christian Lindner, das heißt, sie finden ihn zu alert, zu unerfahren, zu geschmeidig. Alles, was Hagel politisch tut, wird jedenfalls als Winkelzug Strobls interpretiert, das ist ungerecht. Hagel muss damit leben.

Reich gesegnet mit Wirtshäusern und Bio-Gasanlagen

Das oberschwäbische Hügelland ist reich gesegnet mit schönen Wirtshäusern, Bio-Gasanlagen und Bio-Landwirten. „Die sehen alle auf den ersten Blick wie Grüne aus, wenn man genauer hinschaut, dann sieht man, dass sie ausgesprochen konservativ wirtschaften, und deshalb sind die eher bei uns.“ Hagel soll die Partei so modernisieren, dass die CDU bei der nächsten Landtagswahl wieder deutlich vor den Grünen liegt. Die CDU in Baden-Württemberg ist zwar mit 70.000 Mitgliedern der zweitgrößte Landesverband. Um den politischen Nachwuchs und die Kampagnenfähigkeit könnte es besser bestellt sein. In die Ministerien schickte die CDU nach der Koalitionsbildung Anfang 2016 mit wenigen Ausnahmen Leute, die auch schon unter den Ministerpräsidenten Günther Oettinger oder Stefan Mappus gedient haben. Im Land stellt die CDU ein paar begabte Bürgermeister, und in der Fraktion gibt es, optimistisch geschätzt, vier bis fünf interessante, junge Nachwuchsabgeordnete. Viele in der CDU schauen aus diesem Grund auf Hagel. Der in Ehingen geborene Politiker spricht ein hartes Oberschwäbisch. Als Strobl ihn vorschlug, hatte mit dem Bankkaufmann niemand gerechnet, beim Wahlkampf um die Spitzenkandidatur hatte Hagel sogar Strobls Gegner, den späteren Wahlverlierer Guido Wolf, unterstützt.

47917688 © dpa Vergrößern Politischer Ziehsohn: CDU-Landeschef Strobl und Hagel

„Nicht so fürstlich vorfahren, bitte“, sagt Hagel seinem Fahrer, als sich der Audi A8 dem Holzbaubetrieb Kaufmann in dem kleinen Ort Oberstadion nähert, südwestlich von Ulm gelegen. Der Fahrer parkt 200 Meter vom Haupteingang entfernt. Das 1992 gegründete Unternehmen baut CO2-neutrale, individuelle Holzmassivhäuser. In der Halle steht eine der modernsten Holz-CNC-Fräsmaschinen. Die Pläne für die Häuser werden im Internet konfiguriert, die Kommunikation zwischen Baustelle und Konstrukteuren läuft über Skype. „Wir wollen jetzt auch Gewerbehallen bauen“, sagt der Junior-Chef Peter Kaufmann, „deren Wände nicht mehr aus Blech und einer Kunststoffdämmschicht sind, sondern aus wärmedämmenden Holzwänden.“ Das spart Heizenergie und CO2 und ist nachhaltig. Hagel legt das Sakko beiseite. Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann war vor ein paar Wochen zu Besuch in Oberstadion.

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