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Bundestagswahl : Der Sieg der großen Kanzlerin

„An Tagen, wie diesen...“ - In dieser Nacht der Nächte, die uns so viel verspricht, erleben wir das Beste, kein Ende ist in Sicht: Angela Merkel rockt mit der CDU-Spitze Bild: Helmut Fricke

Nach ihrem triumphalen Wahlsieg mit der Union gehört Angela Merkel nun in die Reihe der ganz großen Kanzler – auch wenn sie ihren bisherigen Partner verloren hat. Ihre Partei weiß, dass sie diesen Sieg allein der Kanzlerin zu verdanken hat.

          Ausnahmsweise ist sogar Joachim Sauer mit von der Partie. Angela Merkel, die Siegerin dieses Wahlabends, verweist darauf, dass er mitgekommen sei, und der Wissenschaftler wird von der jubelnden Masse frenetisch willkommen geheißen. Merkel dankt auch ihrem Ehemann. „Der Jubel zeigt, wir können uns alle freuen“, ruft die CDU-Vorsitzende ihren Parteifreunden zu. Von einem „Superergebnis“ spricht sie. „Wir werden damit verantwortungsvoll umgehen.“ Um sie herum stehen Fraktionsvorsitzende, Minister und andere Führungsleute der Partei – sie strahlen alle. Die Sprachregelung haben sie schnell gefunden: klarer Regierungsauftrag, große Freude, ein beinahe nie dagewesenes Ergebnis, ein unglaublicher Sieg, der allein Angela Merkel zu verdanken sei.

          Günter Bannas

          Leiter der politischen Redaktion in Berlin.

          Ganz oben im Konrad-Adenauer-Haus sitzen sie, in jenem schlauchartigen Raum, in dem das Präsidium der Christlich Demokratischen Union Deutschlands zu tagen pflegt. Monitore sind aufgebaut. Die Wichtigsten aus der CDU sind da. Mit Horst Seehofer, dem Sieger von Bayern, wird telefoniert. Angela Merkel sitzt hier, Volker Kauder, der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, wird später hinzukommen, die stellvertretenden Parteivorsitzenden und weitere Führungsleute. Auch Mitarbeiter und Berater sind gekommen. Mit Freude nehmen sie am Nachmittag wahr: die Union stark wie nie seit 1994. Der Schrecken folgt: Die FDP ist in Gefahr – und damit das christlich-liberale Bündnis. Wenige Minuten später die Hiobsbotschaft aus Hessen: Schwarz-Gelb vor dem Aus – wegen der Schwäche der FDP.

          „Oh, wie ist das schön“

          Unangenehme Erfahrungen hat Merkel hier oben schon oft gemacht, seit in diesem Raum die Ergebnisse von Bundestagswahlen zur Kenntnis zu nehmen sind. 2002: Gerhard Schröder blieb Bundeskanzler. 2005 war es, als das Foto – mit dem Entsetzen in den Augen der Kanzlerkandidatin – geschossen wurde: Ein, gemessen an den Erwartungen, außerordentlich schlechtes CDU-Ergebnis. 2009: Ein Sieg von Union und FDP zwar, aber nur deshalb, weil die Liberalen herausragend gut abschnitten. Immer stärkste Partei geworden, nie aber ungetrübte Freude – das waren die Erfahrungen in diesem Zimmer. Am Nachmittag, ein paar Stunden vor der Schließung der Wahllokale, ist noch unklar, welche Erfahrungen hinzukommen sollten. Unten treffen derweil Hunderte, Tausende Anhänger ein. Festzelte. Die Jugendlichen vom Angela-Merkel-Team, die seit Wochen mit ihrem Großraumbus von Flensburg bis Rosenheim, von Aachen bis Cottbus die Kanzlerin begleitet haben, feiern dann am Abend ausgiebig. In den orangefarbenen Hemden sind sie wieder erschienen, und sie stehen unten im Atrium des Konrad-Adenauer-Hauses wie Claqueure vor dem Pult, an dem ihre „Angie“ erscheinen soll. In ein Tollhaus verwandeln sie das Herz der Parteizentrale. Sie skandieren „Angie, Angie“, sie klingen wie die Fans auf Fußballplätzen beim Sieg der eigenen Truppe. Sie singen „Oh, wie ist das schön“.

          Bundestagswahl : Die CDU feiert Kanzlerin Merkel

          Auf 42 Prozent sind auf den überall herumstehenden Fernsehmonitoren die Balken für die CDU angestiegen – der Jubel überdeckt die 26 Prozent für die SPD, und selbst bei den 4,7 Prozent für die FDP dauert der Beifall an. Nur langsam wird es leiser. Erst als einer der Kommentatoren vermerkt, Rot-Grün habe die Mehrheit verfehlt, geraten sie wieder außer sich, skandieren: „Angie, Angie“. Das weniger erfreuliche Ergebnis aus Hessen scheint die Stimmung leicht zu dämpfen. Ruhe kehrt ein. Auch den eingefleischten Fans Merkels scheint bewusst zu werden, dass der Sieg Schattenseiten hat.

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