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Bundestagswahl : Warum die Themen dieses Wahlkampfes nicht zünden

Lautlose Ausweichmanöver: Merkel und die CDU Bild: dpa

Es mangelt nicht an spannenden Themen. Doch gemessen an früheren Duellen ist der Bundestagswahlkampf bisher nur ein laues Lüftchen. Der Grund dafür liegt in der Kultur der großen Koalition und der Taktik der Kanzlerin.

          Es ist nicht so, dass es diesem Wahlkampf an spannenden Themen gebricht. Die Innenpolitik ist nach dramatischen Jahren voll davon, die Außenpolitik nicht minder. Doch keines dieser Themen scheint zu „zünden“. Manches, wie Martin Schulz jetzt mit Blick auf Nordkorea und Trump feststellte, soll auch gar nicht aufgegriffen werden. Gut gemeint ist das, weil sich dadurch eine Hasskultur, wie sie sich in Amerika durch „alternative“ Rechtsradikale verbreitet hat und auch in Deutschland zu befürchten ist, nicht entfalten soll.

          Martin Schulz rackert sich im Wahlkampf ab

          Schlecht daran ist, dass die etablierten Parteien es gar nicht mehr in der Hand haben, die Themen, die sie für tabu erklären, den Wählern wie verbotene Zimmer vorzuenthalten. Das wird als Paternalismus empfunden und macht anfällig für „Kongresse“, wie sie die AfD zu Russland veranstaltet. Die FDP ist die einzige Partei der Mitte, die da nicht kneift.

          Doch, gemessen an früheren Wahlkämpfen der Bundesrepublik, sind solche örtlichen Polarisierungen laue Lüftchen. Der Grund dafür liegt in einer Kultur der großen Koalition, in der die großen Parteien dazu verdammt sind, gemeinsam die Verantwortung für die zurückliegenden Jahre zu übernehmen, dadurch aber nicht unbedingt ihr Profil gegeneinander schärfen können. Symptomatisch dafür ist der sich abrackernde Martin Schulz, dem es an einer zukunftsträchtigen Fanfare fehlt (um es mit Rücksicht auf Helmut Schmidt nicht „Vision“ zu nennen) – vor allem aber an einem Widerpart. Angela Merkel tut ihm diesen Gefallen nicht und nimmt dafür in Kauf, dass ein Ergebnis für die Union am 24. September jenseits der vierzig Prozent schon als Sensation gälte. Nur der Schulz-Hype brachte ihre Truppen zeitweise aus dem Konzept. Seit den Landtagswahlen üben sie sich wieder in lautlosen Ausweichmanövern. Selbst das Duell der Kandidaten im Fernsehen dürfte daran nicht viel ändern.

          Ist der Wahlkampf deshalb langweilig, wie es allenthalben heißt? Das ist eine Journalisten-Perspektive, die sich gerne an der Schaumkrone nationaler Öffentlichkeit ergötzt, aber nicht sehr viel mit dem Alltag der Wahlkämpfer anfängt, der aus der unmittelbaren, ganz und gar nicht langweiligen Begegnung mit den Wählern besteht – wenn die denn daran Interesse haben. Das ist der Zweck des Wahlkampfs: Interesse an Politik und Verantwortung zu wecken. Ganz ohne Schaumkrone geht das nicht. Selbst in der „heißen Phase“ kommt sonst keine Stimmung auf, die hinterm Ofen hervorlockt.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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