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Deutschland vor der Wahl : Der Gottesdienst

In der Kirche wollen die Katholiken in Delitzsch keine Politik hören, denn „Politische Meinungen gehören nicht auf die Kanzel.“ Bild: dpa

Im sächsischen Delitzsch wollen die Kirchgänger keine Politik auf der Kanzel. Aber wie stehen sie zum kommenden Wahlkampf? Aus der neuen FAZ.NET-Serie „Aufs Maul geschaut – Deutschland vor der Wahl“.

          Der Pfarrer spendet den Segen, die Kirchtüren fliegen auf, und die Gläubigen laufen zu den dampfenden Kartoffeln auf dem Esstisch zu Hause. Ein paar Männer und Frauen bleiben auf dem Kirchvorplatz stehen und atmen die frische ostdeutsche Luft. Delitzsch, Sonntag, heilige Messe. „Gott sei Dank hat der Pfarrer heute nichts Politisches gepredigt“, sagt ein Mann und reckt das Kinn. „Politische Meinungen gehören nicht auf die Kanzel.“ Im nahen Bitterfeld hat bei der vergangenen Landtagswahl jeder Dritte die AfD gewählt, da wollte der Pfarrer mal drüber reden, den wenigen Katholiken im Osten ins Gewissen reden. Man könne die AfD nicht ignorieren, heißt es auf dem Kirchvorplatz jetzt. Zustimmendes Nicken. „Die sind durch Volkes Stimme gewählt“, sächselt einer und wirkt ein bisschen bewegt.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Der Pfarrer erzählt eine Geschichte, ein Mann mit weißen Haaren, den Gott oft lachen lässt. Ulrich Schades Vater sei nach drei Tagen Stasi-Haft gestorben. „Wir Christen sind ja nah dran an der Vergebung. Aber vor der Vergebung kommt die Buße.“ Ihm tut die AfD weh, aber noch viel mehr die Linke. Er findet gut, dass Oskar Lafontaine und seine Linke im Saarland einen Dämpfer bekommen haben. „Mit Saarländern haben wir in der Vergangenheit keine so guten Erfahrungen gemacht“, sagt der Pfarrer. Honecker sitzt immer mit auf der Kirchenbank.

          Kirche soll von der Politik unabhängig sein

          Die DDR ist weit weg, 27 Jahre, aber der Pfarrer spürt sie noch ganz deutlich. Im Osten waren die Katholiken unter sich, und sie sind es noch immer. Die Stadt gibt jedes Jahr ein bisschen Geld für die Kirche, es ist wirklich nicht viel. „So sind wir wenigstens unabhängig“, sagt der Pfarrer. Die Politik soll sich gar nicht so sehr einmischen. Vor ein paar Tagen war Pfarrhausputz, und das Haus war voller freiwilliger Helfer. „Das hätte es in Aachen nie gegeben“, sagt der Organist aus Aachen. Ein junger Mann, der aus dem Westen, wo aus katholischer Perspektive noch richtig was los ist, in den Osten gekommen ist. Das reicht hier schon für ein bisschen Hoffnung.

          Für unsere FAZ.NET-Serie haben wir uns in der Republik umgehört – wie geht es den Menschen in der Uckermark, in Oberbayern oder in Düren? Klicken Sie auf die Karte, um zu erfahren, was die Deutschen vor der Bundestagswahl bewegt.

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          Grafik: F.A.Z. Multimedia




          Wo es weniger gibt, ist auch weniger selbstverständlich. „Die Leute glauben hier nicht so, dass sie durch Zahlung ihrer Kirchensteuer alles verlangen können. Die haben hier nicht so ein Dienstleistungsverhältnis zur Kirche“, sagt Pfarrer Schade.

          „Die Wähler halten die Wahrheit aus“

          Als die Mauer fiel, ist einer aus Delitzsch nach Bayern gefahren, ins christlich gelobte Land. Und fuhr enttäuscht wieder zurück. „Da hat im Gottesdienst ja kaum einer mitgesungen.“ In Delitzsch singen sie, so kräftig sie können. Hier kommt es auf jeden an, sagt der Pfarrer. Zur Frühmesse kamen 64 Männer, Frauen und Kinder.

          Früher konnten die Christen im Osten oft nur in der Kirche offen sagen, was sie dachten. „Ich wünsche mir, dass die Politiker ehrlicher mit uns sind“, sagt der Mann mit dem gereckten Kinn. Zum Beispiel in Sachen Flüchtlingskrise. Da sei zunächst viel verschwiegen worden, etwa bei der Kriminalität. Der Mann will nicht mehr belogen werden, nie mehr. Und er will sich auch nie mehr den Mund verbieten lassen. „Die Wähler halten die Wahrheit aus“, sagt er. Die Partei mit dem C im Namen ist hier immer noch das Maß aller Dinge. „Aber das C bedeutet ja auch nicht mehr so viel, heutzutage“, ruft einer über die Schulter im Vorbeigehen. „Der Ramelow ist mehr Christ als so mancher von der CDU hier“, pflichtet ein anderer ihm bei. Ramelow ist bei der Linkspartei. „Ach, es ist kompliziert geworden“, sagt der Mann und reckt das Kinn.

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          Alles versteht auch der Pfarrer nicht. In der Nähe liegt der Leipziger Flughafen. „Ich kann mich nicht freuen, wenn nachts die Flugzeuge über mein Haus fliegen, während ich im Bett liege.“ Aber wie kann ein Mann, der bei DHL arbeitet, die vor allem über den Leipziger Flughafen fliegen, nach Dienstschluss seine Arbeitsuniform ausziehen, ein Schild ergreifen und für ein Nachtflugverbot demonstrieren? Pfarrer Schade schüttelt den Kopf. „Der will seinen eigenen Arbeitsplatz abschaffen. Woher kommen diese Wut und dieses Unverständnis?“ Schade ist ein Mann der Dankbarkeit. Damit ist er oft allein.

          Immer am 3. Oktober, am Tag der Deutschen Einheit, singen sie in der Kirche zum Schluss die Nationalhymne. Das Gotteshaus ist dann voll mit Politikern, nur dann. „Ich finde das nicht gut. Der liebe Gott braucht keine Nationalhymne.“ Eine Frau mischt sich ein. „Das ist doch eine schöne Sache. Und die Kirche ist dann auch mal voll.“ Alle geben sich noch die Hand und wünschen sich einen schönen Tag. Der Pfarrer lächelt. Dann gehen sie zu ihren dampfenden Kartoffeln.

          Quelle: F.A.Z.

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