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Bundestagswahl 2013 Peer Steinbrück im Kreisverkehr der Lernkurven

 ·  Peer Steinbrück muss als Kanzlerkandidat der SPD vor der Bundestagswahl einen fast aussichtslosen Kampf kämpfen. Nach einer vermurksten Kampagne geht es für ihn um die Würde.

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© Hans Christian Plambeck/laif Vergrößern Klartext in Hannover: Gerhard Schröder glaubte ebenso wie Helmut Schmidt, Peer Steinbrück könne Kanzler

Die Zielgerade ist nun in Sichtweite, die Beine laufen wie von selbst, und das Adrenalin sorgt für Konzentration. Reden kann er sowieso. Peer Steinbrück ist auf Betriebstemperatur, er läuft und läuft und läuft: Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Hessen und zum Schluss – am Sonntagmittag – ein letzter Auftritt in seiner Wahlheimat Bonn. Ganz selten gibt er zu erkennen, dass er des Schauspiels überdrüssig ist. Wenn er dem Gefühl nachgibt, schert ihn nichts, auch nicht, dass er sich gerade auf einer Bühne befindet. Als der Kanzlerkandidat der SPD am vergangenen Sonntagabend an der Seite Sigmar Gabriels im Willy-Brandt-Haus hinter dem Mikrofon steht, schweift sein Blick durch das Foyer und bleibt bei einem Mann hängen, der ihn aufmunternd und mitleidig anschaut. Steinbrück, der nun die Bayern-Wahl und deren Folgen für diesen Sonntag kommentieren muss, erwidert die Geste, breitet die Hände aus und zuckt mit den Schultern. Seine Augen sind müde und traurig. Es ist vorbei, steht in seinem Gesicht. Hat nicht sollen sein.

Steinbrück hat am Ende einer langen Kampagne, die den Namen Klartext trug, eine komplizierte Botschaft zu verschlüsseln: Rot-Grün wäre schön gewesen. Aber wenn Schwarz-Gelb keine Mehrheit bekäme, wäre es doch auch ganz erfreulich. Dass die Partei dann mangels anderer Optionen in die große Koalition müsste, wäre Risiko und Chance zugleich. Immerhin, er will sein Wort halten und nicht für ein Bündnis mit Angela Merkel zur Verfügung stehen. Wohl aber würde er seine Partei in die Koalitionsverhandlungen mit der Union führen wollen.

Meister der Performance

Gemessen an dieser Lage ist Steinbrück schon seit einiger Zeit ziemlich gut drauf. Besonders im Vergleich zu seinem Befinden vor zehn Monaten oder vor acht Monaten oder vor sechs Monaten. Natürlich ist er geschlaucht, Tausende von Autobahnkilometern stecken in seinen Kleidern, seit Wochen lebt er aus dem Koffer, wacht jede Nacht in einem anderen Bett auf und kämpft beim Zubettgehen mit den Schaltern der Lichtsysteme, bis das Hotelzimmer endlich dunkel ist. Doch sein Wahlkampf läuft. Endlich.

Vergangene Woche in Würzburg. Auf dem Viehmarktplatz versammeln sich am Abend ein paar hundert Menschen um das runde Zelt der SPD. Die meisten sind Mitglieder oder Anhänger der Partei, eher keine Laufkundschaft – dazu ist der Platz zu abgelegen. Steinbrück beginnt seine Show. Er tänzelt über die Bühne, bewegt sich leichtfüßig von Pointe zu Pointe und zelebriert seine sprachlichen Bilder, von denen manche in ihrer Urfassung von anderen stammen: zum Beispiel das von der Kanzlerin, die immerzu im Kreisverkehr fahre. Franz Müntefering hat es erfunden, doch Steinbrück schmückt es aus: „Immer schön im Kreis, immer schön im Kreis, kein Kotflügel wird beschädigt.“ Steinbrück bietet politisches Kabarett – und so ganz nebenbei erzählt er den Leuten, wie er sich selbst sehen möchte: als einen, der die Richtung weist und auch mal etwas wagt, selbst um den Preis eines Blechschadens.

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