Home
http://www.faz.net/-hpp-78cdg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Andrea Nahles Stabilisatorin in der SPD

Seit Andrea Nahles 2009 mit bescheidenem Ergebnis zur SPD-Generalsekretärin gewählt worden war, hat sie einige Demütigungen erleben müssen. Inzwischen gilt sie aber als Stabilitätsanker in der Parteizentrale. Auch Peer Steinbrück braucht sie.

© Matthias Lüdecke Vergrößern Von der kratzbürstigen Parteilinken zur bodenständigen, frauenpolitisch engagierten Politikerin: Andrea Nahles

In der Rednerliste für den SPD-Bundesparteitag taucht der Name der Generalsekretärin nicht auf. Dabei lagen dessen Organisation und auch die Erarbeitung des Wahlprogramms, das am Sonntag in Augsburg beschlossen werden soll, vor allem in ihren Händen. So wie die Dinge gelaufen sind in den vergangenen Wochen und Monaten, dürfte das aber für Andrea Nahles schon in Ordnung sein. Mit der Lage ihrer Partei und ihres Kanzlerkandidaten ist sie sicher nicht zufrieden, jedoch dürfte sie mit Genugtuung feststellen, dass die Infragestellung ihrer Position in der SPD endgültig der Geschichte angehört.

Majid Sattar Folgen:  

Andrea Nahles hat seit dem Dresdner Parteitag von 2009, als sie mit bescheidenem Ergebnis zur Generalsekretärin gewählt worden war, einige Demütigungen erlebt: Da war Sigmar Gabriel, der nach seiner Wahl zum Parteivorsitzenden von der angedachten Doppelspitze nichts mehr wissen wollte und ihr lange Zeit nur das Schwarzbrot im Willy-Brandt-Haus überließ. Da war die Troika, welche auch die Generalsekretärin (wie den Rest der engeren Parteiführung) in der Frage der Kanzlerkandidatur schlicht überging. Und da war schließlich Peer Steinbrück, der nach seinem Einzug in die Parteizentrale Leute mitbrachte, die ihre eigenen Vorstellungen vom Wahlkampf hatten und manche Vorbereitung der laut Parteisatzung zuständigen Generalsekretärin über den Haufen warfen. Es folgten bekanntlich Pleiten, Pech und Pannen - und schließlich der Kotau vor Frau Nahles.

Ein Imagewandel ohne mediale Verrenkungen

Inzwischen wird anerkannt, dass die Generalsekretärin die Partei in all ihren Verästelungen bis hinein in die Unterbezirke kennt, dass sie Organisationstalent und vor allem ein ganz gutes Gefühl dafür besitzt, was geht und was nicht geht. „Gut feeling“ nennt man das in Amerika, ein Bauchgefühl, das Politiker auf Führungsseminaren nicht erlernen können. Das eint sie mit Gabriel - und das trennt beide von Steinbrück, dem es daran gebricht. Gabriel freilich besitzt - wie Steinbrück - ein großes rhetorisches Talent, was Frau Nahles wiederum fehlt. Sie ist schließlich diejenige im Wahlkampfteam, die Ruhe bewahrt, wenn es hektisch wird, anstatt allzu wendig beziehungsweise allzu trotzig zu reagieren. In letzter Zeit war sie der Stabilitätsanker in der Parteizentrale. Man könnte meinen, die drei Sozialdemokraten ergänzten sich positiv, aber wir reden über die SPD.

Sollte es doch noch irgendwie klappen mit der Bundestagswahl - und eine wie auch immer geartete Regierungsbeteiligung der SPD dabei herauskommen, gilt die 42 Jahre alte Literaturwissenschaftlerin als Kandidatin für das Arbeitsministerium. Ehrgeiz ist vorhanden - und ein unterstützender Ehemann auch (der Kunsthistoriker hütet momentan in Elternzeit die gemeinsame Tochter in der Eifel, wo ihr Wahlkreis liegt).

Ohne mediale Verrenkungen ist ihr in den vergangenen Jahren auch ein Imagewandel von der kratzbürstigen Parteilinken zur bodenständig-katholischen und dennoch frauenpolitisch engagierten Politikerin gelungen. Derlei politische Häutungen werden bis hinein ins Kanzleramt registriert.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Apple, Google, Amazon Gabriel nennt Internet-Konzerne asozial

Sigmar Gabriel beschimpft den Silicon-Valley-Kapitalismus. Wie Apple, Amazon und Google ihre Steuern drückten, das müsse seine Partei verhindern. Mehr

20.09.2014, 15:21 Uhr | Wirtschaft
Steinbrück spürt Rückenwind

In der SPD-Parteizentrale findet man schnell einen Weg, dem Wahlabend in Bayern doch noch etwas abgewinnen zu können: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück setzt darauf, dass ein weiteres Mal die schwarz-gelbe Liebesheirat aufgekündigt wurde. Mehr

31.03.2014, 11:18 Uhr | Politik
TTIP SPD-Linke nimmt Koalitionsstreit über Handelsabkommen in Kauf

Heute diskutiert die SPD über ihre Haltung zum Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten. Die Linken in der Partei gehen auf Konfrontationskurs. Mehr

20.09.2014, 11:18 Uhr | Wirtschaft
Gabriel stoppt russisches Rheinmetall-Geschäft

Eigentlich wollte Rheinmetall ein Gefechtsübungszentrum in Russland fertigstellen. Nun hat Bundeswirtschaftsminister Gabriel das Geschäft gestoppt. Seine Begründung. Mehr

04.08.2014, 16:08 Uhr | Politik
SPD Die Genossen fürchten den Ypsilanti-Effekt

Nach dem Wahldesaster in Thüringen entwerfen die Sozialdemokraten mit Blick auf ihre Machtoptionen düstere Szenarien. Nur zu gut erinnern sich die Genossen noch an das Schicksal von Heide Simonis oder Andrea Ypsilanti. Mehr

16.09.2014, 07:15 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.04.2013, 14:44 Uhr