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Andrea Nahles Stabilisatorin in der SPD

 ·  Seit Andrea Nahles 2009 mit bescheidenem Ergebnis zur SPD-Generalsekretärin gewählt worden war, hat sie einige Demütigungen erleben müssen. Inzwischen gilt sie aber als Stabilitätsanker in der Parteizentrale. Auch Peer Steinbrück braucht sie.

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© Matthias Lüdecke Vergrößern Von der kratzbürstigen Parteilinken zur bodenständigen, frauenpolitisch engagierten Politikerin: Andrea Nahles

In der Rednerliste für den SPD-Bundesparteitag taucht der Name der Generalsekretärin nicht auf. Dabei lagen dessen Organisation und auch die Erarbeitung des Wahlprogramms, das am Sonntag in Augsburg beschlossen werden soll, vor allem in ihren Händen. So wie die Dinge gelaufen sind in den vergangenen Wochen und Monaten, dürfte das aber für Andrea Nahles schon in Ordnung sein. Mit der Lage ihrer Partei und ihres Kanzlerkandidaten ist sie sicher nicht zufrieden, jedoch dürfte sie mit Genugtuung feststellen, dass die Infragestellung ihrer Position in der SPD endgültig der Geschichte angehört.

Andrea Nahles hat seit dem Dresdner Parteitag von 2009, als sie mit bescheidenem Ergebnis zur Generalsekretärin gewählt worden war, einige Demütigungen erlebt: Da war Sigmar Gabriel, der nach seiner Wahl zum Parteivorsitzenden von der angedachten Doppelspitze nichts mehr wissen wollte und ihr lange Zeit nur das Schwarzbrot im Willy-Brandt-Haus überließ. Da war die Troika, welche auch die Generalsekretärin (wie den Rest der engeren Parteiführung) in der Frage der Kanzlerkandidatur schlicht überging. Und da war schließlich Peer Steinbrück, der nach seinem Einzug in die Parteizentrale Leute mitbrachte, die ihre eigenen Vorstellungen vom Wahlkampf hatten und manche Vorbereitung der laut Parteisatzung zuständigen Generalsekretärin über den Haufen warfen. Es folgten bekanntlich Pleiten, Pech und Pannen - und schließlich der Kotau vor Frau Nahles.

Ein Imagewandel ohne mediale Verrenkungen

Inzwischen wird anerkannt, dass die Generalsekretärin die Partei in all ihren Verästelungen bis hinein in die Unterbezirke kennt, dass sie Organisationstalent und vor allem ein ganz gutes Gefühl dafür besitzt, was geht und was nicht geht. „Gut feeling“ nennt man das in Amerika, ein Bauchgefühl, das Politiker auf Führungsseminaren nicht erlernen können. Das eint sie mit Gabriel - und das trennt beide von Steinbrück, dem es daran gebricht. Gabriel freilich besitzt - wie Steinbrück - ein großes rhetorisches Talent, was Frau Nahles wiederum fehlt. Sie ist schließlich diejenige im Wahlkampfteam, die Ruhe bewahrt, wenn es hektisch wird, anstatt allzu wendig beziehungsweise allzu trotzig zu reagieren. In letzter Zeit war sie der Stabilitätsanker in der Parteizentrale. Man könnte meinen, die drei Sozialdemokraten ergänzten sich positiv, aber wir reden über die SPD.

Sollte es doch noch irgendwie klappen mit der Bundestagswahl - und eine wie auch immer geartete Regierungsbeteiligung der SPD dabei herauskommen, gilt die 42 Jahre alte Literaturwissenschaftlerin als Kandidatin für das Arbeitsministerium. Ehrgeiz ist vorhanden - und ein unterstützender Ehemann auch (der Kunsthistoriker hütet momentan in Elternzeit die gemeinsame Tochter in der Eifel, wo ihr Wahlkreis liegt).

Ohne mediale Verrenkungen ist ihr in den vergangenen Jahren auch ein Imagewandel von der kratzbürstigen Parteilinken zur bodenständig-katholischen und dennoch frauenpolitisch engagierten Politikerin gelungen. Derlei politische Häutungen werden bis hinein ins Kanzleramt registriert.

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