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Abschied vom Ministeramt : Kristina Schröder will mehr Zeit für Lotte

Wahlsieg in Wiesbaden, Abschied vom Amt: Kristina Schröder Bild: Kaufhold, Marcus

Familienministerin Schröder verzichtet zugunsten ihrer Tochter auf ihr Amt. Sie will künftig nur noch Bundestagsabgeordnete für ihren Wiesbadener Wahlkreis sein. Von der eigenen Landespartei ist sie enttäuscht.

          Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) wird nicht mehr dem neuen Kabinett von Kanzlerin Merkel angehören. In einer persönlichen Erklärung sagte sie am Sonntagabend in Wiesbaden, dass sie sich aus familiären Gründen entschieden habe, ihren Posten im künftigen Kabinett zur Verfügung zu stellen. Sie wollen mehr Zeit für ihre Familie und ihre kleine Tochter haben. „Es gab viele Situationen, in denen ich schöne Momente im Leben meiner Tochter verpasst habe“, sagte die 36 Jahre alte Mutter einer zwei Jahre alten Tochter. Die Kanzlerin habe sie schon Anfang des Jahres über diese Entscheidung informiert. Ihr Bundestagsmandat werde sie behalten; ihren Wahlkreis in Wiesbaden konnte sie wieder direkt gewinnen.   

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Als aussichtsreiche Kandidatin für den Posten der Familienministerin gilt die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär. Die 35 Jahre alte Bär ist seit 2002  im Bundestag. Seit 2009 ist sie zugleich stellvertretende Generalsekretärin der CSU. Bär ist Mutter von zwei Töchtern und einem Sohn, die sie in den Jahren  2006, 2011 und 2012 zur Welt brachte.

          Kristina Schröder verdeutlichte in ihrer persönlichen Erklärung, wie zerrissen sie sich in den vergangenen zwei Jahren unter der Dreifachbelastung aus Ministeramt,  Bundestagsmandat und Familienaufgaben gefühlt hat. Die beiden politischen Aufgaben „stellen schon für sich genommen hohe zeitliche Ansprüche“, schrieb sie. „Zusammen lassen sie wenig Zeit für die Familie übrig.“ Natürlich sei ihr klar, dass manche jetzt sagen würden, gerade eine Familien- und Frauenministerin, die für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch in Führungspositionen kämpfe, dürfe nicht aus familiären Gründen
          auf ein mögliches künftiges Amt im Kabinett verzichten.

          „Aber ist das der springende Punkt, ob ich es politisch darf“, fragte sie rhetorisch. Vielmehr sei doch entscheidend, was sie persönlich wolle. Sie habe als Familien- und Frauenministerin immer für Wahlfreiheit gekämpft: „Dafür, dass Frauen selbst entscheiden können, wie sie leben wollen“, „dass wir unterschiedliche Formen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich machen“, „dafür, dass es möglich ist, in unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Prioritäten selbst zu setzen“.

          „Prioritäten gelten Familie und Abgeordnetenmandat“

          Wahlfreiheit heiße für sie, „nach persönlichen Prioritäten entscheiden zu können“. Deswegen bedeutet ihr Schritt auch nicht, dass ein Ministeramt prinzipiell nicht mit einer Familiengründung vereinbar sei. Sie habe das ja in den letzten Jahren ja hinbekommen, zusammen mit ihrem Mann. Ihr bedeute nur, dass ihre persönlichen Prioritäten in der kommenden Zeit nicht zufriedenstellend mit beiden Ämtern in Einklang zu bringen seien. „Meine Prioritäten gelten künftig meiner Familie, besonders meiner Tochter, und zum anderen meinem Abgeordnetenmandat.“

          Sie ging auch auf die Spekulationen ein, die es in den vergangenen Monaten über ihre persönliche Zukunft gab. „Ich war da natürlich in einem Dilemma“, sagte sie, denn „dementieren konnte ich das nicht.“ Deutlich wurde aber auch, dass sie sich darüber geärgert hat, dass Parteifreunde, mit denen sie „nie ein Wort über ihre Zukunft“ gesprochen habe, „dieses Gerücht gestreut haben, um mir zu schaden“. Da sie es als ihre Pflicht verstanden habe, ihr Amt „mit voller Autorität bis zum Wahltag zu führen“, habe es aus diesem Dilemma bis zum Wahlabend keinen Ausweg gegeben.

          Merkel drängte Schröder nicht zum Rücktritt

          Kristina Schröder hatte auch bereits darauf verzichtet, die hessische Union als Spitzenkandidatin im Bundestagswahlkampf anzuführen, wie es ihr als einziger Bundesministerin aus diesem Landesverband zugestanden hätte. Stattdessen übernahm der frühere Bundesminister Franz-Josef Jung dieses Amt. Als Grund hatte Kristina Schröder damals angegeben, in der Frage der vollständigen Gleichstellung homosexueller Beziehungen mit der Ehe eine liberalere Haltung zu haben als die Führung des Landesverbandes. Zugleich war aus der hessischen CDU Kritik daran zu hören gewesen, dass die Ministerin sich zu selten auf Veranstaltungen der Landespartei blicken lasse.

          Auch die Kanzlerin hatte einmal eine Bemerkung dahingehend gemacht, dass ja auch einmal der Ehemann von Kristina Schröder, Innen-Staatssekretär Ole Schröder (CDU), sich um die gemeinsame Tochter kümmern könne. Wie es heißt, hat aber die Kanzlerin Kristina Schröder nicht zum Rückzug gedrängt. Angela Merkel war es auch, die 2009 Kristina Schröder am damaligen hessischen Landesvorsitzenden Roland Koch vorbei in ihr Kabinett berief. Darauf anspielend sagte Horst Klee, der CDU-Kreisvorsitzende in Wiesbaden, am Sonntagabend: „Welcher hessische Politiker künftig im Bundeskabinett vertreten sein wird, entscheidet die Kanzlerin, und zwar ohne die hessische CDU groß zu fragen.“

          Quelle: F.A.Z.

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