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Bundestagswahl Schröder schlägt die Trommel

 ·  In seiner Lippischen Heimat geht Altkanzler Gerhard Schröder für den SPD-Kanzlerkandidaten in die Bütt. Peer Steinbrück rät er, nicht auf die Umfragen zu achten und es lieber mit Heinrich Heine zu halten.

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© dpa Vergrößern Kandidat und Altkanzler: „Schlage die Trommel und fürchte dich nicht“

Kirchenglocken ertönen auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz, als Gerhard Schröder einen Zettel aus der Tasche zieht. Hier vor dem alten Lippischen Landtag in Detmold, dem östlichsten Zipfel Nordrhein-Westfalens, trägt der Altkanzler ein Gedicht Heinrich Heines vor: „Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, trommle die Leute aus dem Schlaf“.

Das sei die Philosophie, die er  Peer Steinbrück empfehle. Schröder eröffnet den „ersten knackigen Wahlkampftermin in NRW“ (O-Ton Steinbrück) für den sozialdemokratischen  Kanzlerkandidaten. „Big wheels keep on turning“ läuft zur Einstimmung. Und  Schröder, das zeigt der Auftritt am Dienstagabend, kann das große Rad noch drehen.

4500 Menschen stehen unter und vor dem runden Zelt, darunter auch ein paar pfeifende Schröder-Gegner, die auf ihren Transparenten auf Gasprom und Hartz IV verweisen. Für ihn, sagt der 69 Jahre alte Mann, sei das hier eine Art Heimspiel, „bis auf die Pfiffe, aber die betrachte ich als Begrüßung“. Unweit von Detmold ist Schröder aufgewachsen. Diejenigen, die nicht gegen ihn demonstrieren, begrüßt er auf die ihm eigene Art: Die Lipper kämen immer nur dann, wenn der Eintritt frei sei. Ein Lipper darf so etwas offenbar sagen.

© reuters Vergrößern Wahlkampf: Schröders Schützenhilfe für Steinbrück

Schröder braucht nicht lange, um seine Botschaft loszuwerden: Alles sei wie damals 2005, die schlechten Umfragen, die öffentlichen Hinweise, man brauche doch gar nicht mehr anzutreten. Er sei sicher, entgegnet er, dass Rot-Grün am Ende „die Nase vorn“ habe und Steinbrück Bundeskanzler werde. Schröder verweist darauf, dass seine Reformen Deutschland stärker und nicht schwächer gemacht hätten.

Seitdem „die anderen“ regierten, passiere nichts mehr. Die Rechnung dafür werde nach der Wahl präsentiert. Dann nennt Schröder die anderen beim Namen: Während Wolfgang Schäuble sage, ein weiteres Hilfspaket für Griechenland  sei nötig, behaupte Angela Merkel, sie sehe das nicht. Die Kanzlerin habe wohl  die falsche Brille auf. Nun poltert Schröder und spricht von einer „großen Lüge“. Er rockt das Zelt.

Lob der rot-grünen Jahre

Als Steinbrück auf die Bühne kommt und wie gewohnt über die runde Bühne und durch seinen Redetext schreitet, landet er irgendwann bei der Steuerpolitik und den irritierenden Signalen, welche er und der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel zuletzt sendeten. Der Kandidat bekräftigt, es bleibe bei der geplanten  Steuererhöhungen. Dann erblickt er Schröder: „Was sagst Du“, fragt Steinbrück ihn scherzend, ob er dann in die Schweiz auswandere. Nein, nein: Schröder werde trotzdem SPD wählen, sagt Steinbrück.

© dpa Vergrößern Steinbrück plant Steuererhöhungen: Ob Schröder dann in die Schweiz auswandert?

Der Kanzlerkandidat lobt die rot-grünen Jahre, lobt Schröder, die Reformen und die Ablehnung des Irak-Kriegs. Haltung habe Schröder gezeigt, sagt Steinbrück. „Er hat uns verkauft“, ruft ein Demonstrant. „Nein, hat er nicht“, erwidert Steinbrück. Lautes Klatschen. Schröders Gesicht läuft rot an, der Applaus rührt ihn sichtbar. Wie früher schiebt er den Unterkiefer nach vorn. Seine Gesichtsmuskulatur mahlt.

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