22.09.2002 · Die Stimmung im Adenauer-Haus wurde im Verlauf des Wahlabend immer besser. Vor allem, als um 19.03 Uhr Schwarz-Gelb erstmals eine Mehrheit hatte.
Von Helmut Uwer, BerlinAls Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) um 18.47 Uhr vor die Kameras trat, war die Stimmung schon gut im Konrad-Adenauer-Haus. Denn schon von Beginn an hatte die Union am Wahlabend die Nase vorn in den Hochrechnungen. Ab 19.03 Uhr wurde die Stimmung noch besser, denn jetzt hatte Schwarz-Gelb erstmals eine Mehrheit.
Der erste Jubel brach genau um 18 Uhr aus, als die Fernsehsender ihre erste Prognose veröffentlichten. Geschickt hatte die Regie im Adenauer-Haus für die Großleinwand die ARD ausgewählt, denn dort hatten CDU und CSU von Anfang das beste Ergebnis. Beim ZDF lagen SPD und Union um diese Zeit noch gleichauf. Da die Parteien von den Sendern jedoch vorab informiert werden, war es der CDU ein Leichtes, die richtige Wahl zu treffen.
Richtige Themen
Als Stoiber kurz vor 19 Uhr ins Foyer des Adenauer-Hauses trat, hatten sich die Hochrechnungen zugunsten der Union stabilisiert. Erst nachdem ihn seine Fans minutenlang mit „Edmund, Edmund“-Rufen gefeiert hatten, konnte Stoiber den Wahlsieg verkünden: „Eines steht jetzt schon fest. Wir haben die Wahl gewonnen.“ Die Position der stärksten Fraktion im neuen Bundestag war der Union sicher. Aber ob Stoiber auch Kanzler werden würde, stand noch in den Sternen.
Stoiber sah sich bestätigt, dass er im Wahlkampf die richtigen Themen, Wirtschaft und Arbeitslosigkeit, angesprochen habe. „Wir haben keinen Wahlkampf geführt mit Angstmachen“, sagte Stoiber mit vom Wahlkampfmarathon hörbar gezeichneter Stimme. Mit ihrer Strategie habe die Union Millionen Menschen der bürgerlichen Mitte angesprochen. „Die CDU/CSU“, resümierte Stoiber, bevor er noch in der Nacht nach München flog, um bei seiner CSU zu sein, „die große Partei der Mitte, ist wieder da.“
Noch kein Champagner
Wie auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer lobte Stoiber das „hohe Maß an Geschlossenheit“ in beiden Parteien. Feiern wollte Stoiber zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht. „Der Abend ist noch lang. Ich werde noch kein Glas Champagner trinken, aber es wird bald sein.“ Und dann machte Stoiber etwas, was er bislang in der Öffentlichkeit in der Regel vermieden hatte. Er küsste seine Frau Karin.