Home
http://www.faz.net/-gpf-wyto
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bundespräsidentin Renate Schmidt? Ein Versuch, Köhler zu konterkarieren

14.05.2008 ·  Als Gegenkandidatin zu Bundespräsident Köhler käme neben Gesine Schwan gegenwärtig wohl vor allem die SPD-Politikerin Renate Schmidt in Betracht. Ihr könnten Union und FDP ideologisch nichts vorwerfen. Die frühere Familienministerin wäre auch eine raffinierte bajuwarische Finte.

Von Georg Paul Hefty
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Dass eines Tages ausgerechnet die bayerische Landtagswahl die Wiederwahl eines der CDU zugerechneten Bundespräsidenten zunichtemachen könnte, hätte vor zwei Jahren noch als schrulliger Einfall eines Kabarettisten gegolten. Jetzt aber wird diese Möglichkeit im linken Spektrum ernsthaft erwogen.

Sollte die jüngste aufsehenerregende Umfrage, die der CSU nur noch 44 Prozent der Wählerstimmen zuordnete, sich auch nur annähernd als begründet herausstellen und im Landtagswahlkampf selbst von Hubers Steuersenkungsprogramm nicht mehr korrigiert werden können, dann wäre der Vorsprung von CDU, CSU und FDP bei der Wahl des Staatsoberhauptes dahin.

Köhler in einer schwierigen Lage

Daher raten SPD-Politiker wie Pronold und Grüne wie Trittin dazu, über Gegenkandidaten zu Bundespräsident Köhler erst im September zu entscheiden. Ob der SPD-Vorsitzende Beck so lange die Nerven behält, wird über seine Aussichten auf die Kanzlerkandidatur mitentscheiden. Der Amtsinhaber Köhler ist in einer noch schwierigeren Lage. Obwohl ihm dann ein Schielen nach den Wahlstimmen nachgesagt werden wird, sollte auch er bis dahin offenlassen, ob er bereit ist, sich wieder der Bundesversammlung zu stellen.

Die Linke wird Köhlers Beliebtheit mit der Benennung einer Frau zu konterkarieren versuchen. Dafür käme gegenwärtig nicht so sehr die Bundesjustizministerin Zypries, sondern wohl nur die frühere SPD-Familienministerin Renate Schmidt in Betracht. Ihr könnten Union und FDP ideologisch nichts vorwerfen, nachdem die Unions-Ministerin von der Leyen im Grundsatz das Familienprogramm ihrer Vorgängerin Schmidt verwirklicht - zum Nutzen der CDU.

Wähler in Bayern beflügeln

Die gegenwärtige Bundestagsabgeordnete, frühere Bundestagsvizepräsidentin und bayerische Oppositionsführerin wäre nicht nur geschlechtlich, sondern auch politisch das Gegenstück zu Köhler. Gegen den einstigen Staatssekretär und Direktor des Internationalen Währungsfonds eine Universitätsrektorin oder Schriftstellerin aufzustellen käme dem Eingeständnis gleich, dass unter den Berufspolitikern von SPD und Grünen niemand zu finden sei, den man den Bürgern als Staatsoberhaupt vorstellen könnte.

Eine rechtzeitige Nominierung von Frau Schmidt könnte die Wähler in Bayern sogar beflügeln, endlich eine hauptamtliche Bayerin an die Spitze Deutschlands zu befördern.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1947, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Zeitgeschehen“.

Jüngste Beiträge

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 3