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Christian Wulff im Porträt : Der Aufsteiger

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Doppelt verändert: Wulff ist schlagfertiger, wacher und aufmerksamer Bild: dpa

Landespolitiker durch und durch: Schon als Ministerpräsident gibt sich Christian Wulff präsidial. Vor der Wahl des Bundespräsidenten wirkt er doppelt verändert: Der beliebteste Schwiegersohn der Republik ist auch ein Machtpolitiker - auf seine Weise.

          Als wäre nichts passiert, fährt der Ministerpräsident Christian Wulff wie lange schon geplant dreieinhalb Tage lang durch die niedersächsische Provinz. Sommerreise nennt man das. Immer wieder deuten seine Gastgeber spielerisch oder auch recht direkt auf seinen möglichen Wechsel nach Berlin, durchaus zur Freude des Kandidaten. Ein Hersteller von Rettungsbooten in Drochtersen sagt, er sei wie Wulff 51 Jahre alt – damit habe man genügend Lebenserfahrung, aber auch Kraft für neue Aufgaben.

          In diesen Reisetagen wirkt Wulff doppelt verändert. Zum einen ist er schlagfertiger, wacher und aufmerksamer als sonst, auch offener im hintergründigen Gespräch – aber auch kontrolliert und gereizt: Er, der weiß, dass Politikern Medienschelte nicht hilft, zürnt immer wieder ob einzelner Äußerungen, die er als Kritik empfindet. Christian Wulff ist in den Tagen vor der Bundesversammlung, bei der er zum Bundespräsidenten gewählt werden soll, im Ausnahmezustand.

          Wie er den Wahlausgang in der Bundesversammlung sieht, äußert er in wechselnden Bildern, wobei er von seinem Rivalen Joachim Gauck stets mit Respekt spricht. Mal erwähnt er Demut vor der Entscheidung, dann, dass er gelernt habe, mit Niederlagen umzugehen: Zweimal verlor er als Oppositionsführer in Niedersachsen die Landtagswahl gegen Gerhard Schröder, bis er sie 2003 gegen Sigmar Gabriel gewann – seitdem regiert er einen der größten Flächenstaaten Deutschlands. Er erzählt, dass er vor kurzem im Fernsehen auf ein Fußballtor habe schießen müssen – die ersten beiden Male habe er das Tor knapp verfehlt, das dritte Mal getroffen. Es könne, will er sagen, sein, dass er erst im dritten Wahlgang gewinne, aber auch eine Niederlage sei zu verkraften. Wulff neigt dazu, sich öffentlich eher zurückzunehmen. Der Sieg strahlt dann umso heller.

          Sommerreise: Der Ministerpräsident fährt durch die niedersächsische Provinz

          Landespolitiker durch und durch

          Politischer Aktionismus ist nicht sein Stil. Das erzeugte in den vergangenen zwei Jahren, bis zur Kabinettsumbildung vor wenigen Wochen, das Gefühl in Bevölkerung und auch Beamtenschaft, Niedersachsen erlebe eine Phase der Stagnation. Wulff versucht, das Gefühl der Eiszeit zum Vorteil zu wenden und von Gleichmaß und Verlässlichkeit zu sprechen, gemäß dem Temperament seiner Landsleute. Immerhin sei es ihm, sagt er, in seiner Regierungszeit gelungen, die Arbeitslosigkeit deutlich zu senken und stärker als in anderen Bundesländern strukturschwache Regionen wie das Emsland zu stabilisieren; zeitweise die Verschuldung des Landes zurückzuführen; die Verwaltung klarer zu strukturieren.

          Dazu kam sein größter Erfolg, die Abwehr einer feindlichen Übernahme des wichtigsten Arbeitgebers des Landes, Volkswagen – es drohte sonst die Verlagerung des Firmensitzes von Wolfsburg nach Stuttgart. Konflikte mit seinem alten Weggefährten, Günther Oettinger aus Baden-Württemberg, nahm er in Kauf.

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