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Bundespräsidentenwahl Gauck und Merkels Macht

26.06.2010 ·  Das Besondere an dieser Bundespräsidentenwahl ist, dass Joachim Gauck eigentlich den Parteien nähersteht, die seinen Gegenkandidaten unterstützen sollen. Wäre ein Sieg Gaucks deshalb das Ende der Kanzlerschaft von Angela Merkel? Wir werden es wohl nie erfahren.

Von Markus Wehner
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Fraktionszwang oder freie Wahl? An dieser Frage, so scheint es in der öffentlichen Debatte, entscheidet sich, wer der nächste Bundespräsident der Deutschen sein wird. Erst hat der CDU-Salomon Kurt Biedenkopf dafür plädiert, die Wahl des Staatsoberhaupts „freizugeben“, nun unterstützen ihn die Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Roman Herzog (beide Union).

Natürlich haben diese klugen Männer recht, wenn sie darauf bestehen, dass die Wahl des Präsidenten frei ist. Zugleich setzt sich die Bundesversammlung in ihrer ganz großen Mehrheit aus gewählten Parteipolitikern zusammen. Zu deren Freiheit gehört es auch, den Willen ihrer Parteiführung und die Folgen ihrer Wahl in ihre Entscheidung mit einzubeziehen.

Fast im Alleingang Christian Wulff durchgesetzt

Das Besondere an dieser Wahl ist, dass Joachim Gauck, der Kandidat von SPD und Grünen, eigentlich den Parteien nähersteht, die seinen Gegenkandidaten unterstützen sollen, also Union und FDP. Gauck zur Nominierung zu bewegen war geschickt von Trittin, Gabriel und Co. Die Kanzlerin, derzeit in politischer Bedrängnis, hat aber fast im Alleingang Christian Wulff durchgesetzt. Nun ist die Sorge groß, die zweifellos große Sympathie für Gauck in Union und FDP (die ja auch die Freiheitsliebenden vom Schlag eines Biedenkopf antreibt) und der Unmut über die Kanzlerin könnten ihn zum Sieg führen und der taumelnden Koalition den K.-o.-Schlag versetzen.

Aber wäre ein Sieg Gaucks wirklich das Ende der Kanzlerschaft von Angela Merkel? Vielleicht wäre ein Erfolg des einstigen Bürgerrechtlers der ultimative Test darauf, wie es um die Macht der Kanzlerin bestellt ist. Ja, sie könnte, wenn sie es wieder einmal geschickt anstellt, die „Katastrophe“ dazu nutzen, ihre geschwächte Position entscheidend und nachhaltig zu stärken. Ob sie das hinkriegte, werden wir (und das weiß auch Joachim Gauck) wohl nie erfahren.

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Jahrgang 1963, politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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