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Bundespräsident Wulff in der Türkei „Habe viel Vertrauen gespürt“

22.10.2010 ·  Zum Abschluss seiner Türkeireise hat Bundespräsident Christian Wulff eine „extrem positive Bilanz“ gezogen und seinen Gastgebern für die„große Offenheit“ gedankt. Es gebe eine „große Übereinstimmung“ mit der politischen Führung der Türkei.

Von Michael Martens, Istanbul
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Zum Abschluss seiner Türkeireise hat Bundespräsident Wulff am Freitag in Istanbul seinen Gastgebern für die „große Offenheit“ gedankt, mit der man auch über „kritische Themen“ haben sprechen können.

Wulff, der am Montag in Ankara angekommen war, lud seinen türkischen Gegenpart Abdullah Gül nach Deutschland ein und sprach von einer „extrem positiven Bilanz“ seiner Tage in der Türkei: „Ich habe in jeder Phase des Besuches das Vertrauen gegenüber Deutschland gespürt.“ Es gebe eine große Übereinstimmung mit der politischen Führung der Türkei, so Wulff. Bei Gesprächen mit Menschenrechtlern, Aleviten und Vertretern der Kulturvereine der Kurden seien auch Defizite bei der Lage der Menschenrechte und der Frauen in der Türkei offenbar geworden. Er habe sich in der Türkei „von allen Seiten die Dinge schildern lassen“, sagte Wulff. Während seines Türkei-Besuchs hatte der Bundespräsident wiederholt mehr Religionsfreiheit für die Christen in der Türkei gefordert.

Die Höhepunkte seines letzten Tages in der Türkei waren eine Begegnung mit mit Bartholomaios I., dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, der formal das Oberhaupt aller orthodoxen Christen ist, sowie die symbolische Grundsteinlegung zum Bau der Deutsch-Türkischen Universität in Istanbul. Die Hochschule soll ihren Schwerpunkt in den Ingenieurwissenschaften haben und intensiv mit der Wirtschaft zusammenarbeiten.

Patriarch Bartholomaios sagte nach seinem Gespräch mit dem Bundespräsidenten, man habe über die Gefahr des religiösen Fanatismus sowie über die Notwendigkeit des Dialogs zwischen den getrennten Christen sowie zwischen den monotheistischen Religionen gesprochen.

Bei dem Eröffnungszeremoniell für die Deutsch-Türkische Universität in Istanbul ermutigte Wulff am Freitag auch die in Deutschland lebenden türkischstämmigen Jugendlichen, einen Hochschulabschluss zu erwerben.

Zur Anwerbung ausländischer Forscher sagte er: „Ziel muss es sein, die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa und der Welt davon zu überzeugen, wie attraktiv das Forschen in Deutschland ist.“

In der Türkei erhielt Wulffs Besuch trotz seiner durchweg positiv aufgenommenen Rede vor dem türkischen Parlament am Dienstag insgesamt nur relativ wenig Aufmerksamkeit. In der innenpolitischen Debatte wird alles durch den sogenannten Kopftuchstreit beherrscht, der allerdings durch die Teilnahme der verschleierten Präsidentengattin Hayrünnisa Gül an der offiziellen Begrüßungszeremonie für das Ehepaar Wulff in Ankara neu befeuert wurde. (Siehe auch: Kopftuch-Debatte: Hinter den Schleiern der Türkei)

Außenpolitisch galt das Augenmerk der Reise von Regierungschef Tayyip Erdogan und dessen Begegnung mit seinem griechischen Gegenpart Giorgios Papandreou am Freitag in Athen.

Deutsch-türkische Universität

Die Idee einer deutsch-türkischen Universität ist schon viele Jahre alt, doch ihre Verwirklichung hat sich immer wieder verzögert. Seit das türkische Parlament im Frühjahr das Gründungsgesetz für die Universität verabschiedet hat, ist das Vorhaben aber weit gediehen. Dennoch ist es etwas voreilig, die gemeinsame Grundsteinlegung zum Bau des Hochschulgebäudes durch den türkischen Staatspräsidenten Gül und Bundespräsident Wulff an diesem Freitag schon als „Eröffnungsfeier“ der ersten Universität in der Türkei mit Deutsch als Lehrsprache zu preisen. Denn bis die „DTU Istanbul“, wie man es in Berlin und Ankara wünscht, zu einer international führenden Forschungs-Universität mit zunächst 5000 Studierenden herangewachsen ist, wird noch einige Zeit vergehen. Derzeit ist zu hören, die Universität solle schon zum Wintersemester 2011/2012 ihren Lehrbetrieb aufnehmen, doch das ist ein ehrgeiziges Vorhaben.

Der Schwerpunkt der Universität soll auf den Ingenieurwissenschaften liegen. Vor allem die deutsche Wirtschaft ist an Absolventen interessiert, die sowohl Türkisch als auch Deutsch (Englisch ist selbstverständlich) auf hohem Niveau beherrschen. Bildungsministerin Annette Schavan, die am Freitag ebenfalls an dem Zeremoniell teilnahm, spricht in diesem Sinne von einem zukunftsweisenden Projekt, das die deutsch-türkischen Wissenschaftsbeziehungen erheblich intensivieren werde. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt den Aufbau der DTU, die aus fünf Fakultäten bestehen soll, jährlich mit rund vier Millionen Euro. Ein Konsortium aus 26 deutschen Universitäten wird Professoren entsenden und Lehrpläne erstellen, die türkische Seite stellt Grundstück und Gebäude und übernimmt die laufenden Kosten. Mehrere deutsche Hochschulen sollen gleichsam „Patenschaften“ für die DTU übernehmen: Die TU Berlin für die Ingenieurswissenschaften, die FU für die juristische Fakultät, die Universität Potsdam für Naturwissenschaften. Auch die Universitäten Heidelberg, Köln, Münster und Bielefeld betreuen einzelne Fachbereiche der DTU. (tens.)

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Jahrgang 1973, politischer Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Istanbul.

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