28.09.2003 · Führende Unionspolitiker haben sich am Wochenende positiv über eine mögliche Kandidatur Wolfgang Schäubles für das Amt des Bundespräsidenten geäußert, ohne ihn allerdings als Kandidaten vorzuschlagen.
Führende Politiker der Unionsparteien haben sich am Wochenende positiv über eine mögliche Kandidatur Wolfgang Schäubles für das Amt des Bundespräsidenten geäußert, ohne ihn allerdings als Kandidaten vorzuschlagen. Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Stoiber sagte dem Nachrichtenmagazin "Spiegel", er schätze Schäubles intellektuelle Kraft. Schäuble habe den Mut, dem Land, das vor schwierigen Veränderungen stehe, Wege zu weisen. Eine eigene Kandidatur schloß Stoiber abermals aus.
Der hessische Ministerpräsident Koch sagte, die Diskussion laufe auf Schäuble zu und er verhehle nicht, "daß ich mich persönlich sehr darüber freue". Der niedersächsische Ministerpräsident Wulff sagte in der Zeitung "Bild am Sonntag", Schäuble "wäre ein hoch anerkannter und vorzeigbarer Kandidat über die Parteigrenzen der Union hinweg". Die CDU-Vorsitzende Merkel sagte, Schäuble habe zwar bei der Wahl der Fraktionsführung ein gutes Ergebnis erzielt, doch sei dies keine Vorwahl für eine Präsidentschaftskandidatur gewesen. Die Kandidaten-Frage sei weiter offen.
Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete unterdessen, daß in Teilen der Union überlegt werde, aus Rücksicht auf Bedenken in der FDP gegen eine Kandidatur Schäubles einen Überraschungskandidaten zu nominieren. dabei werde an den Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG, von Pierer, gedacht. Nach einer Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag von "Bild am Sonntag" sind 30 Prozent der Deutschen derzeit dafür, daß der CSU-Vorsitzende Stoiber bei der nächsten Bundestagswahl nochmals als Kanzlerkandidat der Union antritt. Damit liegt er in der Umfrage deutlich vor der CDU-Vorsitzenden Merkel, für die sich nur 25 Prozent der Befragten aussprachen.
Unter den Anhängern der CDU sprachen sich 45 Prozent für Stoiber aus, unter denen der CSU sogar 70 Prozent. Merkel nannten 25 Prozent der CDU und zwölf Prozent der CSU-Anhänger - unter SPD-Anhängern waren es 27 Prozent. Der Umfrage zufolge würde Stoiber bei einer Direktwahl des Kanzlers mehr Stimmen erhalten als Bundeskanzler Schröder.