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Bundespräsident im Vatikan : Papst: Deutschland soll sich nicht abwenden

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Scheinen sich zu verstehen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird zu Beginn seiner Privataudienz von Papst Franziskus im Vatikan begrüßt. Bild: dpa

Bundespräsident Steinmeier wirbt in Rom für ein Europa der „versöhnten Verschiedenheit“. Das persönliche Gespräch mit dem Papst dauerte 50 Minuten. Was haben die beiden besprochen?

          Papst Franziskus hat sich in einer Audienz für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Montag im Vatikan lobend darüber geäußert, „wie Deutschland seine Verantwortung in der Flüchtlingsfrage wahrgenommen hat“. Er hoffe, dass sich das Land nach den Bundestagswahlen jetzt vor allem im Blick auf Flüchtlinge aus Afrika „nicht abwenden werde“, zitierte Steinmeier den Papst nach einem mit 50 Minuten im Verhältnis zu anderen Audienzen besonders langen Vieraugengespräch. (Mit Präsident Trump hatte der Papst zwanzig Minuten gesprochen.) Franziskus sei gut über das Wahlergebnis informiert gewesen und habe sich ausführlich über mögliche Auswirkungen unterrichten lassen, sagte Steinmeier anschließend bei einer Pressekonferenz. Auch habe man ausführlich über den Schutz der Schöpfung gesprochen.

          Er selbst habe beim Papst „auf weitere Schritte zu mehr Gemeinsamkeit zwischen evangelischer und katholischer Kirche gedrungen“; denn „das Potential für Ökumene ist nicht ausgeschöpft“, sagte Steinmeier, der in der evangelisch-reformierten Gemeinschaft aktiv ist. In einem Vortrag zu „500 Jahre Reformation – Europa zwischen Einheit und Vielfalt“ hatte Steinmeier am Sonntagabend in der evangelischen deutschen Christuskirche von Rom für mehr Ökumene geworben und den mittlerweile erreichten Zustand der „versöhnten Verschiedenheit“ als mögliches Modell für Europas Einheit bezeichnet.

          Kein Ereignis habe in Europas Geschichte zu so dramatischen „politischen und philosophischen, spirituellen und kulturellen, mentalen und medialen Veränderungen“ geführt wie die Reformation. Sie sei „Morgenröte der Moderne“ gewesen; mit ihr aber hätten in „ideologischem Zerstörungsfuror“ auch Fundamentalismus und Illiberalität begonnen sowie die Verachtung für den Nächsten durch niederträchtige Karikaturen und dreiste Lügen.

          „Versöhnte Verschiedenheit“

          Steinmeier würdigte den Frieden von Münster und Osnabrück 1648 nach dem 30 Jahre währenden Krieg als ein Werk der pragmatischen Vernunft in einer zerrissenen Nation. Seien doch die Spaltungen bis vor wenigen Jahrzehnten „wie unverrückbar und fest zementiert erschienen“, so dass der heutige Zustand der Versöhnung als Wunder erscheine: „Ein Friede, eine Versöhnung nicht nur der Köpfe und der Vernunft, sondern auch der Herzen.“ Diesen Zustand der „versöhnten Verschiedenheit“ zwischen den Konfessionen übertrug Steinmeier in seiner Rede „mit aller Vorsicht“ auf das komplizierte Gebilde des politischen Europas.

          Versöhnte Verschiedenheit würde vielleicht manchen die Angst davor nehmen, dass ein großes, allzu mächtiges, zentralistisches, uniformes Europa einzelnen Ländern die Identität nähme, so Steinmeier. „Vielleicht ist versöhnte Verschiedenheit die Grundlage von Einheit, wie sie in Europa möglich ist.“ Die Verschiedenheit der europäischen Staaten miteinander zu versöhnen, erfordere freilich eine ähnliche permanente diplomatische Kunst, wie einst der Frieden von Münster. Steinmeier warb bei den Gläubigen dafür, aus der Erfahrung ihrer religiösen Annäherung zu Schrittmachern des versöhnten Europas zu werden. Zuvor hatte die deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Annette Schavan, deutlich gemacht, dass das Reformationsjahr in Rom einen großen Beitrag für die Ökumene geleistet habe. Nicht nur habe der Papst diese evangelische Christuskirche besucht und einen Abendmahlskelch geschenkt; nicht nur seien viele tausend Pilger nach Rom gekommen. Die Ökumene habe nun einen Punkt erreicht, an dem man sich nicht ausruhen dürfe. Der Pastor der Gemeinde, Jens-Martin Kruse, setzte diesen Gedanken am Ende der Veranstaltung mit der Äußerung fort, nun sei der Augenblick für weitere Entscheidungen auf dem Weg zur Kirchengemeinschaft gekommen.

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