06.02.2004 · Mit der Entscheidung für den Finanzvorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, als neuen Chef der BA und Nachfolger von Florian Gerster soll wieder Ruhe einkehren.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Der bisherige Finanzvorstand, Frank-Jürgen Weise, wird wie erwartet Nachfolger des abberufenen Florian Gerster. Dies entschieden die 21 Mitglieder des BA-Verwaltungsrats einstimmig in ihrer Sitzung am Freitag in Nürnberg. Weise setzte sich damit gegenüber dem Bremer Bürgermeister Henning Scherf durch, der überraschend Interesse an dem Chefsessel in Nürnberg bekundet hatte.
Gerster war vor knapp zwei Wochen nach der Affäre um die Vergabe von Beraterverträgen vom Verwaltungsrat entlassen worden. Als Grund nannte das Gremium das zerrüttete Vertrauensverhältnis zwischen Vorstand und Verwaltungsrat. Weise ist seit 2002 Finanzvorstand in der Behörde.
Konsens von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Bund
„Es gab einen breiten Konsens über Arbeitgeber, Gewerkschaften und die Vertreter von Bund, Ländern und Gemeinden hinweg“, sagte die Verwaltungsratsvorsitzende Ursula Engelen-Kefer am Freitag. Weise verkörpere den Modernisierungsprozeß in der Behörde. Der Verwaltungsrat wolle damit dokumentieren, daß der Umbau der BA vorangetrieben werden solle. Das Gremium sei „sehr erleichtert“, daß eine Entscheidung gefunden sei.
Bereits am Vorabend war die Entscheidung aus der Sitzung des Aufsichtsorgans an die Öffentlichkeit gesickert. Weise galt schon zuvor als aussichtsreichster Kandidat auf den Posten. Die Bundesregierung hatte in den vergangenen Tagen vergeblich versucht, verschiedene Manager aus der Wirtschaft für den Posten zu gewinnen.
Von Anfang an die erste Wahl
Der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende, Peter Clever, sagte, daß Weise von Anfang an die erste Wahl gewesen sei. Der Verwaltungsrat habe zwar auch über Alternativen gesprochen, aber sich letztlich schnell geeinigt. Weise habe sich in der BA wie in der Privatwirtschaft bewährt und dort etwa 1500 Arbeitsplätze geschaffen. „Wenn wir 3000 Weises in Deutschland hätten, hätten wir keine Arbeitslosen mehr“.
Die Arbeitgeber hatten Weise von Beginn an favorisiert, auch die Unionspolitiker im Verwaltungsrat hatten sich für ihn eingesetzt. Auf Gewerkschaftsseite habe es eines längeren Abstimmungsbedarfs mit den Spitzen verschiedener Gewerkschaften bedurft, ist zu hören.
Weise betonte nach der Wahl, daß sich der Vorstand im Auftrag des Verwaltungsrates und der Politik für die Reform der BA weiter einsetzen werde. Er gestand ein, daß in der Vergangenheit Fehler passiert seien. „Die Null-Fehler-Qualität ist ein schönes Ziel, im menschlichen Bereich ist sie allerdings nicht erreichbar.“ Gerster habe ihm ausdrücklich dazu geraten, den Chefposten anzunehmen. „Es wird sich an unserer Freundschaft nichts ändern“, sagte er.
In der vergangenen Woche hatten Gerüchte die Runde gemacht, daß Weise gegen Gerster intrigiert habe. Dies hatten Weise, der Verwaltungsrat und Gerster zurückgewiesen. Ebenfalls einstimmig wählte der Verwaltungsrat den bisherigen Zentralbereichsleiter Personal in der BA, Raimund Becker, in den Vorstand. Für den in der Öffentlichkeit bisher unbekannten Mitarbeiter hatte sich Weise eingesetzt. „Ich sehe meinen Beitrag darin, die Reform in die Köpfe der Mitarbeiter zu bekommen“, erklärte Becker. Im Vorstand soll er sich überwiegend um Personalthemen kümmern, über die genauen Zuständigkeiten soll in Kürze entschieden werden.
Wie aus Kreisen des Verwaltungsrats zu hören war, hatten die Gewerkschaften zunächst Vorbehalte gegenüber einem weiteren Vorstand, der aus der Behörde kommt. Dem BA-Vorstand gehört neben Becker und Weise weiterhin Heinrich Alt an, der dort für die Arbeitsmarktpolitik zuständig ist.