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Sonntag, 12. Februar 2012
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Brunner-Prozess Schutzlos im öffentlichen Raum

06.09.2010 ·  Der Bürger ist kein Hilfssheriff, der öffentliches Versagen im Nahkampf ausbaden muss. Aber die Polizei als Freund und Helfer ist nicht mehr sichtbar. Nicht nur Dominik Brunner hätte einen „Schutzmann“ gebraucht.

Von Reinhard Müller
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War das alles? Weniger als zehn Jahre Haft für die beiden jungen Männer, die Dominik Brunner gewaltsam ums Leben brachten. Gewiss, das sind hohe Strafen für Heranwachsende; gewiss, das herzkranke Opfer hatte zuerst zugeschlagen - und nicht darauf gewartet, womöglich gleich zusammengetreten zu werden. Die Täter werden bald wieder unter uns sein. Als bessere Menschen? Die Strafe ist nur eine späte Reaktion. Der sofortige Ruf nach schärferen Strafen ist ein beliebtes Mittel, um sich mit Ursachen und Folgen einer Tat gar nicht auseinanderzusetzen.

Ähnlich ist es mit dem Lob der Zivilcourage. Der umgebrachte Helfer wird als Vorbild gepriesen. Auf ziemlich missverständliche Weise heißt es, Brunner habe „alles richtig gemacht“. Das Urteil sei, so der bayerische Innenminister, ein „klares Signal, dass wir brutale Gewalt nicht dulden oder uns gar damit abfinden“. Wirklich? Natürlich ist Brunners Eintreten für bedrohte Kinder nicht genug zu preisen, und zwar nicht, weil er es mit dem Leben bezahlte, sondern grundsätzlich.

Politiker haben ihre Verantwortung für den öffentlichen Raum längst aufgegeben

Aber es ist eine Zumutung, dass Politiker Zivilcourage loben und fordern, die zugleich ihre Verantwortung für den öffentlichen Raum längst aufgegeben haben. Ein Rentner, der ebenfalls in München zwei Jugendliche an das Rauchverbot in der U-Bahn erinnerte, hat das nur knapp überlebt. Offenbar hat er nur fast alles richtig gemacht. Hilfe sollte selbstverständlich sein. Aber der Bürger ist kein Hilfssheriff, der öffentliches Versagen im Nahkampf ausbaden muss.

Wenn der Staat, wenn die Res publica, die öffentliche Sache, überhaupt noch irgendwo gefragt ist, dann hier: Brunner wurde am helllichten Tag auf einem S-Bahnhof ermordet. Die großen Bahnhöfe sind mittlerweile Konsumtempel, die kleinen, sofern überhaupt noch in Betrieb, Stätten der Verwahrlosung. Fahrkartenautomaten dienen als Ansprechpartner. Man muss sich nicht den ABV zurück- oder herbeiwünschen, den „Abschnittsbevollmächtigten“ zu DDR-Zeiten. Aber der Polizist ist aus dem öffentlichen Raum weitgehend verschwunden. Die Bilder der für Großveranstaltungen aus ganz Deutschland zusammengezogenen und martialisch gerüsteten Hundertschaften führen in die Irre. Die Polizei als Freund und Helfer ist nicht mehr sichtbar. Mehr unsichtbare Überwachung ist die Folge. Den guten alten „Schutzmann“ gibt es nicht mehr. Nicht nur Brunner hat einen gebraucht.

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