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Brückenbau Keine Begeisterung auf Fehmarn

29.06.2007 ·  Die Dänen freuen sich über die Aussicht, Kopenhagen mit dem Bau einer Brücke nach Fehmarn direkt an Mitteleuropa anzubinden. Die Bewohner der deutschen Urlaubsinsel sind dagegen gar nicht begeistert vom Bauvorhaben. Von Frank Pergande.

Von Frank Pergande
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„Vogelfluglinie“ wird die Fährverbindung zwischen der Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland genannt. Es ist der kürzeste Weg über den Fehmarnbelt, der die beiden Millionenstädte Hamburg und Kopenhagen verbindet. Vier Fähren sind jeden Tag über die Ostsee unterwegs, zwei deutsche und zwei dänische. Alle 45 Minuten legt eine Fähre ab. Das Geschäft für die jüngst verkaufte Fahrreederei Scandlines ist einträglich. Die Auslastung liegt bei knapp 35 Prozent.

Auf Fehmarn braucht deshalb niemand eine feste Fehmarnbeltquerung, eine Brücke über die 18,6 Kilometer lange Meerenge. Deshalb ist der Protest groß gegen das Projekt, auf das sich am Freitag Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und sein dänischer Amtskollege Flemming Hansen in Berlin geeinigt haben.

Furcht um Touristen

Die Leute vom Fährbetrieb fürchten um ihre Arbeitsplätze. Die Hotels fürchten um ihre Gäste. Die Naturschützer fürchten um den Vogelflug, könnte doch eine solch gewaltige Brücke ihrer Meinung nach hundert Millionen Zugvögel irritieren, die hier jedes Jahr vorbeikommen. Und der parteilose Bürgermeister von Fehmarn, Otto-Uwe Schmiedt, fürchtet alles zusammen.

Zum Wirtschaftsleben der 185 Quadratkilometer großen Insel Fehmarn im Kreis Ostholstein trägt Scandlines etwa zehn Prozent bei. Weitere zehn Prozent entfallen auf die Landwirtschaft und die vielen Windräder der Energiewirtschaft. Achtzig Prozent aber entfallen auf den Tourismus. Fehmarn ist flach, aber schön – im Norden mit dem weiten Ostseestrand, im Süden mit der ebenfalls reizvollen Boddenlandschaft, die einst auch den Maler Ernst Ludwig Kirchner zu vielen Bildern anregte.

Unbeliebter Ministerpräsident

Schon einmal hat Fehmarn in jüngster Zeit eine empfindliche Einbuße hinnehmen müssen: Als es mit den Butterschiffen vorbei war. Das prägt. Das bestimmt auch den Protest gegen die feste Querung des Fehmarnbelt. Die Probleme würden schon bei den Bauarbeiten beginnen, wenn die Badequalität der Ostsee gefährdet sein könnte. Und später werde der Verkehr zwar über die Insel rauschen, die Insel selbst aber nichts davon haben.

Dänemark war immer für die Brücke. In Schleswig-Holstein ist die Stimmung bis heute eher unentschieden, auch wenn sich CDU und SPD im Koalitionsvertrag dafür ausgesprochen haben. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) wollte die Brücke in jedem Fall. Das macht ihn nicht beliebt auf der Insel, wo man sich erzählt, er trete zwar in der Fernsehserie „Der Landarzt“ auf, lasse sich aber auf Fehmarn noch nicht einmal sehen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.

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