26.08.2001 · Der Konflikt um Indianerland im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco hat ein weiteres Todesopfer gefordert.
Von Gerhard Dilger, Sao PauloDie Xukuru-Indianer im nordöstlichen brasilianischen Bundesstaat Pernambuco haben wieder ein Todesopfer zu beklagen: Der 56-jährige Francisco Santana, dessen Name bereits auf einer Todesliste zu finden war, wurde von einem Auftragskiller erschossen.
In einem Hinterhalt wurde der angesehene Indianersprecher, der sich seit Jahren am Kampf um die Rückgewinnung des Xukuru-Territoriums beteiligt hatte, von zwei Gewehrschüssen niedergestreckt. Der Mörder floh in Richtung des Anwesens von José Cordeiro de Santana. Dieser Großgrundbesitzer gilt als Drahtzieher des Mordes an dem Indianerhäuptling Francisco de Assis Araújo (Xicão Xukuru) im Mai 1998.
Konflikt trotz Landzuweisung
Am 30. April hatte die brasilianische Regierung den knapp 9000 Xukuru ihr Land offiziell zugewiesen. Allerdings befinden sich noch 281 weiße Siedler, darunter 26 Großgrundbesitzer, auf dem 275 Quadratkilometer großen Territorium. Sie warten auf Entschädigungszahlungen der staatlichen Stellen. Die Auszahlung geht nur sehr schleppend voran, was die Konflikte zwischen Weißen und Indianern anheizt.
Nur wenige Mörder wurden angeklagt
Der katholische Indianermissionsrat Cimi sprach von einem „weiteren angekündigten Mord“. „Wir solidarisieren uns mit dem Volk der Xukuru und allen indigenen Völkern, die für die Anerkennung ihrer traditionellen Rechte auf ihr Land kämpfen und deswegen zur Zielscheibe der Mörder und Invasoren ihres Landes werden,“ heißt es in einer Presseerklärung. Nur wenige Mörder wurden angeklagt, noch weniger vor Gericht gestellt und fast niemand werde verurteilt, stellten die Missionare fest, die in Brasilien die wichtigsten Fürsprecher der Indianer sind. Die Straflosigkeit habe weitere Morde an Landarbeitern und Indianern zur Folge. Diesen Sachverhalt werfen internationale Menschenrechtsorganisationen der Regierung immer wieder vor.
Großgrundbesitzer verschleppen Landrückgabe
Auch die ungeklärte Landfrage gehört zu den Schattenseiten der Bilanz von Präsident Fernando Henrique Cardoso, der seit 1994 im Amt ist. Nach der Verfassung aus dem Jahre 1988 hätten die indigenen Völker Brasiliens innerhalb von fünf Jahren ihr angestammtes Land zurückerhalten sollen. Doch die Großgrundbesitzer, die in diesen Fällen enteignet und entschädigt werden sollen, nutzen ihren politischen Einfluss in Parlament Regierung, um diesen Prozess so lange wie möglich hinauszuzögern. So gehören etwa Verwandte des Vizepräsidenten Marco Maciel zu den Besetzern der Xukuru-Territoriums.