03.09.2002 · Das Auswärtige Amt arbeitet „intensiv“ an einer Regelung für die 15 Nordkoreaner, die in die deutsche Botschaftsschule in Peking geflohen sind.
Eine schnelle Lösung des Flüchtlingsdramas in der deutschen Botschaftsschule in Peking ist nicht in Sicht. Die deutsche Botschaft stand am Mittwoch in Kontakt mit den chinesischen Behörden. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte in Berlin, das Auswärtige Amt arbeite „intensiv“ an einer Regelung. Ergebnisse könne er aber noch nicht mitteilen.
Die acht Frauen und sieben Männer haben die Nacht in den Umkleideräumen der Turnhalle verbracht und wurden von der Botschaft versorgt. Es gehe ihnen gut, hieß es. Die Schule wurde für den Rest der Woche geschlossen.
Dritte Aktion dieser Art
Bei früheren Botschaftsfluchten hatten die chinesischen Behörden den Nordkoreanern oft erst nach längerem Tauziehen erlaubt, das Land zu verlassen. Die Flucht auf das deutsche Botschaftsgelände war seit April bereits die dritte Aktion dieser Art. Informierte Kreise berichteten von der Flucht einer Frau im August in die deutsche Botschaft, die bisher geheim gehalten worden war. Die Verhandlungen über ihr Schicksal hätten sich deutlich länger hingezogen als im Fall eines Mannes im April, der schon nach zwei Tagen über die Philippinen nach Südkorea ausreisen durfte.
Die Nordkoreaner waren am Dienstag über eine zwei Meter hohe Mauer auf das separate Botschaftsgelände geklettert, auf dem nur ein Wohnhaus sowie die Botschaftsschule untergebracht sind. Nach Informationen des deutschen Nordkorea-Aktivisten Norbert Vollertsen, der in Kontakt zu Fluchthelfern steht, hat die Gruppe vor der Aktion zwei Tage ohne Geld und Essen auf der Straße in Peking verbracht. Eigentlich hätten sie sich mit elf Nordkoreanern treffen wollen, die am Samstag in Nordostchina mit dem südkoreanischen Fluchthelfer Kim Hee Tae festgenommen worden waren. Die Männer und Frauen seien ohne Unterstützung gewesen. Erst „in letzter Minute“ habe ihnen geholfen werden können.
Das deutsche Botschaftsgelände sei bereits im März als mögliches Fluchtziel ausgewählt worden, als 25 Nordkoreaner in die spanische Botschaft geflüchtet waren. Mit der Aktion hatte die anhaltende Welle der Botschaftsfluchten begonnen. Mehr als 150 000 Nordkoreaner sind vor Hunger und Verfolgung in ihrem Land über die Grenze nach China geflüchtet. Peking erkennt sie nicht als Flüchtlinge an und schiebt sie nach Nordkorea ab, wo ihnen Folter und Haft drohen.