04.01.2010 · Das Vokabular, mit dem die Bischöfin Käßmann in ihrer Predigt über Afghanistan sprach, erinnert verräterisch an Gruppentherapie und Eheberatung: Es ist für die Realitäten der internationalen Politik auf fatale Art und Weise inadäquat.
Von Günther NonnenmacherSchon vor ihrer Predigt am Neujahrstag hatte die EKD-Vorsitzende Bischöfin Käßmann in einem Zeitungsgespräch gesagt, dass „jahrelang . . . verdrängt“ worden sei, was tatsächlich in Afghanistan geschieht“. Damit hatte sie recht. Denn „dass deutsche Soldaten in erster Linie beim Aufbau helfen“, dass die Stabilisierung Afghanistans ohne Kampf gegen die Taliban – also ohne „kriegsähnliche Zustände“ (zu Guttenberg) – gelingen könne, war eine kollektive deutsche Illusion. Mit ihrer Forderung nach „mehr Phantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen“, hat sie die Gläubigen allerdings ratlos zurückgelassen.
Das Vokabular erinnert verräterisch an Gruppentherapie und Eheberatung: Es ist für die Realitäten der internationalen Politik, auch für die Realität eines Landes, das sich in einem von religiöser Energie aufgeladenen Bürgerkrieg befindet, auf fatale Art und Weise inadäquat. Kein Staat schickt seine Soldaten gerne an den Hindukusch; überall wird überlegt, wie das Problem anders zu lösen sei. Welche phantasievollen Vorschläge dazu hat Frau Käßmann?