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Bill Clinton Mitfühlender Sondergesandter

14.01.2010 ·  Als Sondergesandter der UN für Haiti sollte sich Bill Clinton eigentlich um die langfristige Entwicklung kümmern und ausländische Mittel einwerben. Jetzt muss der frühere Präsident mithelfen, die internationale Nothilfe zu organisieren.

Von Klaus-Dieter Frankenberger
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Empathie ist eine Eigenschaft, die man Bill Clinton, der viele Räume mit der elektrisierenden Wucht seiner Präsenz gefüllt hat, noch nie abgesprochen hat. Und so ist das Mitgefühl, das er den Haitianern entgegenbringt, die von einer furchtbaren Katastrophe heimgesucht worden sind, tief empfunden. Als Sondergesandter der Vereinten Nationen für Haiti – von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon im Mai vergangenen Jahres ernannt – sollte er sich eigentlich um die langfristige Entwicklung kümmern und ausländische Mittel einwerben, gerade aus der haitianischen Diaspora. Jetzt muss er mithelfen, die internationale Nothilfe zu organisieren und zu koordinieren. Seine Frau Hillary, die das Erdbeben eine Tragödie „biblischen“ Ausmaßes genannt hat, ist dabei sein wichtigster Koordinierungspartner in der Regierung Obama.

Die Beziehung der Clintons zu diesem Teil der Karibik reicht zurück in glücklichere Zeiten: Auf Hispaniola verbrachten die beiden 1975 ihre Flitterwochen. Später, als 42. Präsident der Vereinigten Staaten, bekam es Bill Clinton mit der dunklen Seite des Landes zu tun: mit Diktatur, Korruption und mit Massenemigration – nach Florida. „Haiti“ landete gewissermaßen auf seinem Schreibtisch im Weißen Haus.

Die üblichen Verhaltensmuster haitianischer Machthaber

1994 schickte er 20.000 Marineinfanteristen auf diesen Teil der Insel, um den drei Jahre zuvor gestürzten und ins Exil vertriebenen Präsidenten Aristide wieder ins Amt einzusetzen. Die Soldaten zogen zwei Jahre später wieder ab, und Aristide legte zur Enttäuschung seiner – etwas naiven – amerikanischen Förderer schon bald die üblichen Verhaltensmuster haitianischer Machthaber an den Tag. Erst in den vergangenen Jahren hat sich die politische Lage beruhigt. Daran hatte auch das große Engagement der Vereinten Nationen Anteil, die nun selbst Hunderte Tote zu beklagen haben.

Seit er aus dem Präsidentenamt ausschied – trotz der Eskapaden und Affären während seiner Amtszeit übrigens mit hohen Zustimmungsraten –, hat sich Clinton, von einem Büro im New Yorker Stadtteil Harlem aus, für soziale Belange eingesetzt. Der Präsident im Ruhestand wurde oder blieb ein Star auf der globalen Bühne. Sein Ansehen als Staatsmann war bereits wiederhergestellt, als er Anfang 2005 zusammen mit seinem Amtsvorgänger Bush auf Wunsch von dessen Sohn die amerikanische Katastrophenhilfe für die Tsunami-Opfer koordinierte. Der ältere Bush und der 1946 geborene Clinton entwickelten darüber beinah eine Vater-Sohn-Beziehung, was zu allerlei psychologisierenden Mutmaßungen Anlass gab. Als Hurrikan „Katrina“ im August 2005 die amerikanische Golfküste verwüstete, übernahmen die beiden auch im eigenen Land die Koordination privater Hilfen.

Aus der aktuellen Politik hat sich Clinton weitgehend herausgehalten. Den Wahlkampf seiner Frau unterstützte er natürlich, wobei allerdings hier und da sein Temperament mit ihm durchging und er politisch Unkorrektes von sich gab. Jetzt tut er das, was notwendig ist, mit seiner sprichwörtlichen Überzeugungskraft.

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Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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