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Bildungschipkarte Menükarte

21.08.2010 ·  Die ersten Gewinner der „Bildungschip“-Idee Frau von der Leyens stehen fest: die Apparatebauer. Mutmaßlich muss jeder deutsche Sportverein mit einem Gerät ausgestattet werden. Aber jedes Kind wird sich auch zu seiner sozialen Schwäche bekennen müssen, wenn es die Karte einsetzt.

Von Georg Paul Hefty
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Es ist wie bei Abendessen, bei denen mehr Aufmerksamkeit auf die Gestaltung der Menükarten gelegt wurde als auf die Zubereitung der angepriesenen Speisen. Alle starren nun darauf, ob und wie der „Bildungschip“ gestaltet werden soll. Die Betonung liegt auf dem Chip, nicht auf der Bildung. Die Kommunalverbände sind erleichtert über die Zusage der Bundessozialministerin, dass die nötigen Utensilien, etwa die Lesegeräte, der Bund bezahlen werde.

Somit stehen die ersten Gewinner der Idee Frau von der Leyens schon fest: die Apparatebauer. Mutmaßlich muss jeder deutsche Sportverein, jedes Schwimmbad, jedes Museum, jeder Tierpark und jeder Konzertbau, wohl auch jede Ganztagsschule mit einem Gerät ausgestattet werden, um allen Kindern in Stadt und Land die Türen zu öffnen.

Welche Folgerungen aber ziehen die Leute an den Geräten, wenn ein Kind die Chipkarte vorlegt? Es ist anders als mit den Bank- und Krankenversicherungskarten, die über alle Schichten verteilt sind. Vorläufig weisen Bildungschips ihre Inhaber als Angehörige von Hartz-IV-Empfängern aus.

Selbst wenn die Anspruchsberechtigung ausgeweitet werden sollte, wird sich ein Kind noch immer zu seiner sozialen Schwäche bekennen müssen, wenn es die Karte einsetzt. Die Bereitschaft dazu ist schwer einzuschätzen, zumal Kinder sich der Gefahr bewusst sind, wegen der Karte nicht nur in Sachen Geld, sondern auch im Lernen als bedürftig angesehen zu werden.

Mangelt es den Kindern wirklich nur an Tierparkbesuchen?

Über die Bildungseinrichtungen und die Inhalte, zu denen der Chip den Zugang ermöglichen soll, wurde bei dem Treffen der Ministerin mit Länderkollegen offenbar weniger gesprochen. Mangelt es den Kindern der Zielgruppe tatsächlich nur an ein paar Sportstunden und Tierparkbesuchen? Ist manches Erforderliche nicht doch eine langfristige und kostenaufwendige Aufgabe, um Kindern aus finanziell oder auch migrationspolitisch rückständigen Elternhäusern - beides trifft bisweilen zusammen - Bildungsgerechtigkeit zuteil werden zu lassen?

Am meisten aber erstaunt, dass über den Grund des Abendessens politisch fast gar nicht mehr gesprochen wird. Wie viel braucht ein Kind an finanzieller Unterstützung, um in der Schule und in der Freizeit mithalten zu können? Das war der Untersuchungsauftrag des Bundesverfassungsgerichts. Dazu trägt der Bildungschip soviel bei wie die Menükarte zum Sattwerden.

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