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Bildung Vor und nach der Schule

 ·  Die Schulreformer der siebziger Jahre setzten große Hoffnungen in die Gesamtschule. Nun aber kommt eine Studie zu dem Ergebnis, dass diese Hoffnungen trügerisch waren: Die Gesamtschule schafft nicht mehr Bildungsgerechtigkeit.

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Das Akademiker- und das Arbeiterkind Hand in Hand auf einer Schule, der Schwächere profitiert vom Stärkeren und erhält auch so die Chance auf ein besseres Leben, als es ihm in die Wiege gelegt wurde: Die Schulreformer der siebziger Jahre setzten große Hoffnungen in die Gesamtschule. Nun aber kommt eine Studie zu dem Ergebnis, dass diese Hoffnungen trügerisch waren, dass die Gesamtschule entgegen ihrem Anspruch nicht mehr Bildungsgerechtigkeit schafft als das dreigliedrige Schulsystem. Es wird wieder gestritten über die Gesamtschule und damit auch über die Einheitsschule - und wie immer ist dabei viel Ideologie im Spiel.

Ob ein Jugendlicher eine Lehre macht oder studiert und welche Position er im Beruf erreicht, hängt stark vom sozialen Status des Elternhauses ab; auf welche Schule er ging, spielt dagegen so gut wie keine Rolle; die Aussicht eines Arbeiterkindes, einen Hochulabschluss zu machen, steht im Vergleich zum Akademikerkind eins zu zwölf. So lauten die Kernthesen der Langzeitstudie, die den Lebenslauf von mehr als 1500 Personen im Alter von zwölf bis 35 Jahren beobachtet hat. Sie widerspricht früheren Untersuchungen, und ihr Leiter ist ausgerechnet ein einstiger Anhänger der Gesamtschule.

Dass stärker als die Schule die soziale Herkunft über den Bildungserfolg entscheidet, in diese Wunde haben gerade auch die Iglu- und Pisa-Studie den Finger gelegt. Für die Gesamtschullehrer mag es ein Trost sein, dass sie keine größeren Fehler gemacht haben als ihre Kollegen in den anderen Schulen. Und jene Familien, die ihren Kindern ein gutes Rüstzeug mitgeben können, haben die Bestätigung, dass ihre Erziehung fruchtet. Die Kinder der anderen Familien hingegen brauchen noch mehr Unterstützung als bisher - nicht nur in der Schule, sondern vor allem davor und danach.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.01.2008, Nr. 1 / Seite 10
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