Nach dem miserablen Abschneiden deutscher Schüler in internationalen Vergleichstests fordern immer mehr Eltern, die Leistungsansprüche in den Schulen zu erhöhen. Die Angst vor einer Überforderung spielt dagegen kaum noch eine Rolle.
„Die Eltern fordern mehr Leistung und mehr Erziehung“, fasste der Leiter des Instituts für Schulentwicklungsforschung, Hans-Günter Rollf, am Freitag in Duisburg das Ergebnis einer Repräsentativumfrage unter mehr als 4.000 Bundesbürgern zusammen. Der Umschwung ist deutlich.
Rund 40 Prozent der Bundesbürger bezeichnen inzwischen die Leistungsanforderungen in den Schulen als zu gering. Gerade einmal 15 Prozent bewerten sie als zu hoch. Noch 1991 warnte jeder zweite Befragte in einer vergleichbaren Untersuchung vor einer Überforderung der Schüler.
Skepsis gegenüber Expertenmeinungen
Erstmals forderten mehr als die Hälfte der Befragten, es sollten mehr Ganztagsschulen eingerichtet werden. Nach Ansicht von rund drei Viertel der Befragten sollten sich die Schulen in Zukunft vermehrt um die Vermittlung einer guten Allgemeinbildung, die Verstärkung der Problemlösungskompetenz und die Vorbereitung auf das Berufsleben kümmern. Aber auch die intensivere Beschäftigung mit erzieherischen und sozialen Inhalten wird gefordert: etwa eine stärkere Förderung von sozialen Kompetenzen und Teamfähigkeit sowie von Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen.
„Die Pisa-Studie und andere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Leistungen unserer Kinder im internationalen Vergleich sehr gering sind“, sagte Rollf. Damit sei der Glaube der Deutschen, ein anspruchsvolles, leistungsorientiertes Schulsystem zu besitzen, nachhaltig erschüttert worden. „Wir sind aus allen Wolken gefallen“, interpretierte der Bildungsexperte das Ergebnis. Auf wenig Gegenliebe stoßen bei den Bundesbürgern allerdings die von den Fachleuten diskutierten Verbesserungsvorschläge. Während die Experten unter Verweis auf erfolgreichere Länder wie Finnland dafür plädieren, die Aufteilung der Kinder auf Schultypen hinauszuzögern und auf „Druckmittel“ wie das Sitzenbleiben zu verzichten, stehen viele Eltern derartigen Konzepten skeptisch gegenüber.