Bildung gehört nach Auffassung von Bundespräsident Johannes Rau (SPD) wieder „ganz oben“ auf die Tagesordnung. Das Thema sei zu lange vernachlässigt worden, kritisierte er am Donnerstag und verwies auf das schlechte Abschneiden deutscher Schüler bei der internationalen Pisa-Studie. Zum Abschlusskongress des Forum Bildung in Berlin setzte sich der Bundespräsident, für eine weitere Bildungsreform ein. Sie müsse das Ziel haben, allen eine bessere Teilhabe an Bildung zu sichern.
Die Pisa-Ergebnisse seien alarmierend, betonte auch Edelgard Bulmahn (SPD). Die Bundesbildungsministerin stellte zusammen mit dem bayerischen Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) die Forderungen des Forum Bildung vor. Die in zwei Jahren erarbeiteten Empfehlungen gäben bereits Antworten auf Probleme, die mit der Pisa-Studie aufgezeigt worden seien, waren sich beide einig.
Förderung schon im Kindergarten
An erster Stelle steht dabei die Förderung von Kindern schon im Kindergarten und in der Grundschule: Bereits dort sollen sie Fremdsprachenunterricht bekommen und an Naturwissenschaft und Technik herangeführt werden. Mehr Augenmerk soll in den ersten Klassen auch dem Lesen, Schreiben, Rechnen und der deutschen Sprache gelten. Darüber hinaus dringen die Experten auf mehr Ganztagsschulen, stärkere Förderung junger Ausländer und mehr Eigenverantwortung der Bildungseinrichtungen.
Kostenlose Kindertagesstätten
„Die Grundlagen für eine erfolgreiche Ausbildung werden bereits auf den ersten Metern des Bildungswegs gelegt“, betonte Bulmahn. Um diesen Start zu erleichtern, schlägt das Forum vor, dass Kindertageseinrichtungen die Eltern nichts kosten sollen. Dies umzusetzen, werde schwer werden und lange dauern, räumte Rau in seinem Redetext ein. Dennoch forderte er nachdrücklich, das Fundament des Bildungswesens zu verstärken, damit keine „Bildungsruinen“ entstünden.
Erfolge an der Spitze des Systems dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Elementar- und Grundschulbildung seit Jahrzehnten vernachlässigt und dafür viel zu wenig Geld ausgegeben werde. Dies sei ein massives Problem und eine entscheidende Ursache für die in der Pisa-Studie festgestellten Defizite älterer Schüler.
Deutsche Sprache als Schlüssel
Kindergärten und Grundschulen seien Tore nicht nur zum Bildungswesen, sondern auch zu Gesellschaft und Beruf, mahnte Rau. Wer wegen unzulänglicher Bedingungen dort nicht teilhaben könne, werde auch auf den späteren Stufen des Bildungsystems nicht mithalten können. Dies gelte besonders für Kinder aus Zuwandererfamilien, sagte de Bundespräsident: „Der Schlüssel zur Integration ist die deutsche Sprache.“
Das Forum Bildung hatte seine Vorschläge unter Mitarbeit von Gewerkschaften, Arbeitgebern, Wissenschaft, Kirchen und Studierenden erarbeitet und sie Ende November veröffentlicht.