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Bestseller „Er ist wieder da“: Hitler in Israel

Storytelling Baukasten

Hitler in Israel

Von FRIEDERIKE HAUPT

18.03.2016 - Ein Deutscher schreibt eine Hitlersatire. Sie wird zum Mega-Erfolg. Nun erscheint das Buch auf Hebräisch. Unterwegs mit dem Autor und seinem Verleger.

Ein Verleger und ein Schriftsteller fahren durchs Land, um Werbung für ihr Buch zu machen. Was sie vorhaben, ist eigentlich Wahnsinn, denn das Land heißt Israel, und das Buch heißt „Er ist wieder da“. Es ist die Hitlersatire des deutschen Autors Timur Vermes, ein Ultra-Mega-Bestseller, mehr als zwei Millionen Mal verkauft, in vierzig Sprachen übersetzt. Als der deutsche Verlag die Rechte nach Israel verkaufen wollte, fragte er alle wichtigen Literaturverlage dort. Alle lehnten ab. Weil die Geschichte im Buch ja so geht, dass Hitler aus der Hitlerperspektive erzählt, wie er nach knapp siebzig Jahren auf einer Berliner Brache erwacht, leicht orientierungslos noch, aber fest entschlossen, wieder Führer des deutschen Volkes zu werden. Zu heikel, fürchteten die israelischen Verleger.

Nur einer traute sich. Sein Verlag ist mini, eigentlich bloß er selbst: Rotem Sella, 33, Jude. Er hat erst sieben Bücher rausgebracht, aber das Hitlerbuch wollte er unbedingt, inklusive des deutschen Covers mit Hitlerscheitel und Hitlerbart. Er findet es einfach lustig. Nun muss er es verkaufen. Dazu hat er sich diese Guerilla-Werbetour ausgedacht: fünf Tage mit dem Auto durch Israel brettern, auf dem Beifahrersitz den deutschen Schriftsteller, im Kofferraum einen Haufen Bücher, und die Israelis davon überzeugen, dass das hier supergut ist oder jedenfalls nicht schlimm.

Verleger Rotem Sella hat den Kofferraum seines Wagens mit Büchern vollgepackt. Die will er nun verteilen. Und das ist erst der Anfang seiner Werbeoffensive

Rotem Sella sieht aus wie der Wirtschaftsjournalist, der er früher wirklich mal war, er trägt schwarze Anzughose, blauen Pullunder über gestreiftem Hemd und eine eckige Brille wie viele Leute mit sehr geraden Gedanken. Sein Trick ist, diese Gedanken wie kleine Pfeile in alle Richtungen abzuschießen, und zwar im Sekundentakt. Darum telefoniert er fortwährend manisch: Interviewtermine ausmachen, Tische reservieren, Buchhändler überzeugen, und dann ruft auch noch der Rabbi an. Sella heiratet in zwei Monaten, der Rabbi will Dinge besprechen. Sella, in der einen Hand das Smartphone, in der anderen eine Dose Cola light und irgendwie auch noch das Lenkrad, bespricht Dinge. Timur Vermes schaut aus dem Fenster; Regen perlt über die Scheiben, dahinter liegen grünbraune Hügel, irgendeine biblisch altmodische Landschaft zwischen Tel Aviv und Jerusalem. Vermes, 48, ist zum ersten Mal hier. Einmal hat er nur halb im Scherz gesagt, es gebe zwei Orte, an denen er Angst habe, aufzutreten: in Ostdeutschland und in Israel. Da wegen der Nazis, hier wegen des Holocaust.

Sella, in einer Telefonpause, erzählt ein bisschen was über das Hebräische. Wenn etwas so richtig schlecht gewesen sei, sage man: „Das war Schoa.“ Also zum Beispiel: „Wie war euer Wochenende in Athen?“ - „Das war Schoa, es hat die ganze Zeit geregnet.“ Oder, anderer Fall: Wenn jemand ständig darauf bestehe, Vorschriften einzuhalten, könne man den auffordern: „Jetzt komm, sei kein Nazi!“ Andererseits könne man aber auch über jemanden, der etwas ausgesprochen exakt und gewissenhaft tue, sagen: „Der ist echt ein Nazi, der macht das gut.“ Übrigens erzähle man sich in Israel durchaus auch Hitlerwitze. Auf einer hebräischen Witzeseite im Internet hat der Verleger zum Beispiel diesen gefunden: „Hitler hat eine Reihe von Juden am Rand einer Klippe aufgestellt. Zum ersten sagt er: Du da, leg die Arme dicht an den Körper und spring. Der Jude springt in die Tiefe. Zum nächsten sagt Hitler: Und du, breite die Arme weit aus und spring. Der Jude springt. Da kommt der Assistent von Hitler mit einem Handy angelaufen und ruft: Mein Führer, mein Führer, Anruf für Sie! Hitler darauf: Ist es eilig? Ich spiele gerade Tetris.“

Anderes Beispiel für den Humor des Verlegers: Als dieses Käsekuchen-Dessert bei einem Abendessen serviert wurde, scherzte er: „Ah, ein Holocaust Memorial Dessert“. Es erinnerte ihn an die Architektur der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem

Sella lächelt entschuldigend, er findet das lustiger als die Deutschen im Auto. Na gut, nicht direkt sein Lieblingswitz. Aber was er wirklich lustig findet, hat er ja jetzt als Buch rausgebracht. Manche in seiner Familie haben ihn gewarnt. Es sei was anderes, wenn ein Deutscher Witze über Hitler mache, als wenn ein Israeli das tue. Klar, sagt Sella. Aber lustig ist lustig.

Er steuert das Auto in die Tiefgarage von Yad Vashem. Da parkt schon ein Filmteam der ARD. Sie wollen Bilder davon drehen, wie Vermes durch die Holocaust-Gedenkstätte läuft.
Im Foyer ist gerade eine Holocaust-Überlebende zum Besuch eingetroffen. Sie sitzt im Rollstuhl, feingemacht, ein Taschentuch in der Hand. Ein glücklicher Zufall, findet die ARD-Journalistin. Vermes soll mit der Frau reden. Die Frau will gern. Der Kameramann hält drauf. Ein Pulk von Besuchern filmt mit Smartphones, wie der Kameramann filmt, wie der deutsche Schriftsteller mit der Frau spricht. Vermes tut das Einzige, was er tun kann in so einem Moment: Er fragt die Frau nach ihrer Geschichte. Und sie erzählt. Später ist der Kameramann weg und taucht erst wieder auf, als Vermes unter dem Schriftzug „Arbeit macht frei“ durchläuft.

Timur Vermes wird durch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geführt. Während er sich einen Film ansieht, filmt ihn ein Kameramann der ARD

Unterdessen hat Vermes an einer Wand etwas entdeckt, das er während der Reise noch oft erwähnen wird, ein Zitat von Kurt Tucholsky: „Ein Land ist nicht nur, was es tut - es ist auch das, was es duldet.“ Das erste Mal zitiert Vermes das gleich an diesem Nachmittag.

Da hat der Verleger ein Interview mit einem bekannten Intellektuellen arrangiert, Ronen Shoval. Er schreibt für eine Zeitung, die Sella seinem Autor als „die rechte Haaretz“ erklärt. Treffpunkt ist eine Sitzecke in der Uni. Auf dem Campus streunen allerhand Kätzchen umher; Vermes geht dauernd in die Hocke, um liebevoll flüsternd eines davon zu streicheln. Das ist überhaupt sein einziger Sonderwunsch auf dieser Reise: stehen bleiben zu dürfen, wenn von irgendwoher ein Miau ertönt. Sella zieht dann immer kurz die Augenbrauen hoch, als werde er Zeuge eines noch kaum erforschten Stammesbrauches, aber dann nutzt er einfach die Streichelpausen zum Telefonieren.

Katzen lieben Timur Vermes. Und umgekehrt

Shoval, ein junger Mann in Trenchcoat und Cordhosen, erzählt, er habe gelacht beim Lesen von „Er ist wieder da“. Dafür habe er sich sofort geschämt. Sein Großvater würde ihn aus dem Haus werfen, wenn er auch nur einen Kugelschreiber dorthin mitbringe, der in Deutschland hergestellt worden sei. Einmal habe ein Flugzeug, in dem der Großvater saß, auf der Reise nach Amerika in Deutschland notlanden müssen. Der Großvater habe sich geweigert, einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen, und sei sechzehn Stunden in der Maschine sitzen geblieben. Bis sie wieder abhob. Er, Ronen Shoval, habe sich regelrecht krank gefühlt, als er einmal dienstlich nach Frankfurt reisen musste.

Shoval sagt, er habe Angst, dass Hitler seinen Schrecken verliere, wenn man über ihn lache. „In Ihrem Buch ist er ein lustiger Opi.“ Vermes: „Na ja! Ein lustiger Opi, der alles wieder genauso machen würde wie damals.“ Vermes will mit seinem Buch niemanden erziehen. Aber er will etwas zeigen. Und zwar, dass Hitler nicht sein Leben lang ein mächtiges, schreiendes Monster war. Dass er auch mal ein Niemand war, der charmant sein musste, damit man ihm zuhört. Der Hitler in „Er ist wieder da“ will Juden vernichten, aber bis es so weit ist, passt er sich an die Welt an, in der er lebt. Und da ist Vermes bei seinem Lieblingsthema: der deutschen Gegenwart.

Meer in Tel Aviv

Er drängt das Thema niemandem auf, alle fragen ihn danach. Auch Shoval. Er will wissen, ob sich Vermes Sorgen mache um die deutsche Identität, weil jetzt so viele Flüchtlinge kämen; er selbst jedenfalls sorge sich da sehr. Vermes: „Als Deutscher in Deutschland geboren worden zu sein ist kein Wert, auf den man stolz sein kann. Es geht darum, sich wie ein anständiger Mensch zu benehmen.“ Seiner Ansicht nach benimmt sich etwa die AfD-Vorsitzende Frauke Petry keineswegs wie ein anständiger Mensch. „Sie gibt unanständigen Leuten das Gefühl, dass es in Ordnung ist, ein Arschloch zu sein.“ Und da passe eben Tucholsky: „Ein Land ist nicht nur, was es tut - es ist auch das, was es duldet.“ Vermes sagt das in vielen Gesprächen in Israel: Die Kanzlerin handele richtig. Wer sage, die Grenzen müssten geschlossen werden, solle bitte auch sagen, wohin das ganz am Ende führe. „Dann sind wir wieder ein Volk, das auf Menschen schießt.“

Zwei Stunden später, im Auto, will Sella wissen, wie es war. Vermes sagt gutgelaunt: „Interessant und unterhaltsam.“ Sella hat unterdessen rausgefunden, dass Vermes im Fernsehsender Channel 1 in den Prime-Time-Nachrichten kommen wird, aber nicht wie eigentlich geplant heute, sondern erst morgen. Heute läuft direkt nach den Nachrichten ein Claude-Lanzmann-Film, da passt es nicht so gut.

Abendessen in Ra'anana, nicht weit von Tel Aviv, im Haus des Haaretz-Literaturchefs Benny Ziffer. Der hat schon vor ein paar Wochen ein Kapitel aus dem Buch in seiner Zeitung abgedruckt. Da gab es viele Leserbriefe, lobende und wütende, und auch ein paar Abokündigungen. Ziffer, ein Dandy mit seidenem Halstuch und stets leicht amüsiertem Lächeln: „Das ist sehr gut gelaufen!“ Er hat selbst gekocht, Fleischklößchen und Blumenkohl und zwei Arten Quiche, und erzählt beim Essen die Geschichte, wie er auch schon mal Netanjahu samt Gattin zum Essen eingeladen hat, hier in dieses Haus, und wie die beiden natürlich auch gekommen sind. Mit am Tisch sitzen Ziffers Frau und einer seiner Söhne. Der ist Dozent an der Uni in Tel Aviv. Als er hört, dass Vermes vorhin Shoval getroffen hat, lacht er: „Wenn Israel einen Hitler hätte, dann wäre es Ronen Shoval.“ Ein Nationalist halt.

  • An einem Tag machen der Verleger und der Schriftsteller auch einen Ausflug ins Westjordanland. Sie besuchen die Ausgrabungsstätte Herodium, wo früher eine von Herodes dem Großen errichtete Palastanlage stand...
  • …und besichtigen die Siedlung Gusch Etzion. Der stellvertretende Bürgermeister begrüßt Timur Vermes, ein Mitarbeiter filmt die Szene

Allerdings teilt der Sohn die Angst Shovals vor den Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen. Ungefähr zwei Stunden diskutiert er darüber mit Vermes. Gegen Mitternacht rutscht der Schriftsteller schon fast vom Stuhl vor Müdigkeit. Sella dagegen ist hellwach und lacht sich kaputt über Ziffers prachtvoll ausgeschmückte Story von seiner türkischen Verwandtschaft, die nicht und immer noch nicht abreisen wollte. Vermes, mit schon ganz kleinen Augen: „Wann müssen wir denn eigentlich morgen aufstehen?“ Sella, extrem munter: „So um sieben!“ Er nimmt noch vom Erdbeer-Nachtisch nach, und jetzt hat auch Frau Ziffer eine super Geschichte parat. Aufbruch gegen halb zwei. Auf der Rückfahrt spielt Sella wie immer Elvis und skippt wie immer weiter zu „Wooden Heart (Muss i denn)“, weil er es lustig findet, dass der King für den deutschen Schriftsteller deutsch singt. Gnädig entscheidet der Verleger, dass man das erste Interview am nächsten Morgen auf später verschieben könne.

Im Westjordanland

Für einen Tag hat Sella auch einen Ausflug ins Westjordanland eingeplant.
Da geht es mit dem Auto aus Jerusalem raus, und bald schon erklärt Sella die Warnschilder, die vor manchen Abzweigungen am Straßenrand stehen: „Das bedeutet, dass in diese Orte keine Israelis reindürfen. Also: Deutsche ja, ich nicht.“ Ziel der Reise ist Gusch Etzion, hier darf Sella rein, denn hier leben israelische Siedler. Der Verleger überreicht dem stellvertretenden Bürgermeister ein Exemplar von „Er ist wieder da“. Der lässt dafür einen Mitarbeiter ein Video drehen, wie er Timur Vermes die Hand schüttelt.

Dann führt er Vermes an eine siebenhundert Jahre alte Eiche. Ein Bildchen von ihr ist auch auf seine Visitenkarte gedruckt. Die Eiche stehe für die Sehnsucht der Juden, nach Gusch Etzion zurückzukehren. Nebenan, hinter Stacheldraht, spielen Kinder auf einem Pausenhof. Plötzlich weht lauer Wind den Hall von Schüssen heran. Der stellvertretende Bürgermeister verabschiedet sich; er ist auch Rettungssanitäter.

Zeitungsbericht über den israelischen Soldaten, der getötet wurde, während Timur Vermes Gusch Etzion besuchte

Vermes schaut hilflos zu seinem Verleger. Komisches Gefühl, sagt er: keine Kriterien zu haben, um diese Situation einzuschätzen. Wer hat da geschossen? Sind wir in Gefahr? Die Kinder toben weiter in der Sonne, die Autos fahren weiter die Straße entlang. Sella wirkt unbesorgt, er will jetzt in ein nahes Weinlokal; da essen und trinken die Leute wie überall sonst auf der Welt. Am nächsten Tag wird in den Zeitungen stehen, dass ein junger Palästinenser einen israelischen Soldaten mit einem Messer angegriffen hat, nur ein paar hundert Meter entfernt von der siebenhundertjährigen Eiche. Andere Soldaten hatten auf ihn geschossen, um ihn aufzuhalten, und dabei aus Versehen auch ihren Kameraden getroffen. Der Soldat, 30, Vater zweier kleiner Söhne, starb zwei Stunden später im Krankenhaus. Er wurde noch am selben Abend beerdigt.

Am Nachmittag tritt Vermes vor Jugendlichen auf. Sie besuchen eine Akademie, wo sie zwischen Schule und Militär ein paar Monate lang freiwillig mehr über ihr Land und ihre Religion lernen. Sella schleppt einen Packen Bücher aus dem Kofferraum herbei, für jeden Teenie eins, und entrollt das Transparent, das er zu diesem Zweck immer im Auto hat: Hitlerscheitel und Hitlerbart, das Buchcover.

  • Der Verleger interviewt seinen Autor vor Jugendlichen …
  • … am Ende will fast jeder ein Autogramm. Und kriegt es auch

Der Leiter der Akademie ist ein Freund von Sella. Er holt ein sehr dickes Buch, in dem sechs Millionen Mal in winziger Schrift das Wort „Jude“ steht. Das meint er jetzt gar nicht anklagend, er findet es nur eine interessante Idee, so ein Buch zu machen, und will es dem deutschen Besuch zeigen.

Dann interviewt Sella seinen Schriftsteller, die Schüler, barfuß und mit Kaffeebechern auf den Tischen, hören entspannt zu, manchmal lachen sie. Später will fast jeder eine Widmung. Vermes schreibt: für Baz, für Amir, für Eylon, für Avidal, für Naomi. Ein Junge klopft Vermes auf die Schulter: „Willkommen in Israel!“

Nur ein Mädchen ist wütend, und zwar so richtig. Sie geht zu Vermes hin. „Hitler war schlimm und böse. Ich habe Angst, wenn aus allem ein Witz gemacht wird.“ Erst recht von Deutschen. Vermes hört ihr lange zu. Dann sagt er, was er auch Deutschen mit dieser Sorge sagt: dass er nicht glaube, dass Menschen aufhören zu denken, nur weil sie lachen. Und dass er von Schülern weiß, die ihre Lehrer bekniet haben, „Er ist wieder da“ im Unterricht zu lesen. Am Ende nimmt das Mädchen zwar kein Buch mit. Aber es lächelt wie jemand, der was Wichtiges zu seiner Zufriedenheit geklärt hat, und reicht Timur Vermes die Hand.

Auf Tour durch Jerusalem: Hier zeigt der Verleger seinem Autor nur die schöne Aussicht auf die Stadt, aber im Rucksack hat er schon wieder einen Haufen Bücher, der gleich in Buchhandlungen verteilt werden soll

Am letzten Tag packt Sella in Jerusalem seinen riesigen schwarzen Rucksack voll Hitlerbücher und spurtet los. „Bin ich zu schnell?“, ruft er hinter sich. „Nein, nein“, keucht Vermes höflich und rennt schon fast. Google Maps führt sie durch die kühlen Gassen des Basars, bis sie bei einer Fußgängerzone rauskommen. Da gibt es gleich mehrere Buchläden abzuklappern.

Zuerst eine Filiale von Steimatzky, der größten und ältesten Kette Israels. Schon beim Reingehen sieht Sella das Buch: Hitler guckt ihm von Tisch mit den Neuheiten entgegen, er hat einen der begehrten Eckplätze. Sella strahlt, Vermes auch ein bisschen: „So wünscht man sich das.“

Hier geht’s zur Steimatzky-Buchhandlung

Der Verleger stellt seinen Autor vor. Ob der ein paar Bücher signieren solle? Die Verkäuferin sagt sofort ja. Dann zieht Sella noch ein Exemplar aus dem Rucksack, Vermes widmet es der Verkäuferin. Die stapelt nun das Hitlerbuch ganz oben auf dem Neuheiten-Tisch. Bester Platz.

Jerusalem hat eine erstaunliche Anzahl von Buchläden. Fast in jeder liegt Vermes Roman. Sella sagt, das sei nicht nur hier so: Alle wichtigen Buchhandelsketten im Land führten „Er ist wieder da“. Viertausend Stück muss er verkaufen, um seine Kosten wieder reinzuholen. Das wird gelingen, so viel weiß er schon. „Weniger als fünftausend wäre eine Enttäuschung, mehr als zehntausend wäre gut.“ Ein Buchhändler hat das Buch gerade nicht da - weil er es kürzlich ins Schaufenster gestellt hat, und da war es gleich am ersten Tag ausverkauft. Hatte er keine Angst, dass jemand, der sich über den Hitlerroman ärgert, die Scheibe kaputthaut oder Farbe dranschmiert? Nein, sagt der Buchhändler. Und hat ja dann auch niemand gemacht.

„Er ist wieder da“ hat einen der begehrten Eckplätze auf dem Tisch für Neuerscheinungen

Fotos: Friederike Haupt

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 18.03.2016 14:35 Uhr