http://www.faz.net/-gpf-73ce1

Beschneidung : Juden und Muslime begrüßen Gesetzentwurf

  • Aktualisiert am

Charlotte Knobloch (Archivbild) Bild: dapd

Vertreter der jüdischen und islamischen Glaubensgemeinschaften haben sich zustimmend über den Gesetzentwurf zur Beschneidung von Jungen geäußert. Die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, bezeichnet ihn als „ausgewogen.“

          Der von Union und FDP erarbeitete Gesetzentwurf zur Beschneidung von Jungen stößt bei Vertretern jüdischen und muslimischen Glaubens auf Zustimmung. Die früheren Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sagte, der Gesetzesparagraf, der den Eingriff unter Einhaltung bestimmter Maßgaben straffrei stellen soll, sei „wichtig“ und „ausgewogen“. Dass die Beschneidung nicht nur von Ärzten, sondern auch von Beauftragten durchgeführt werden könne, sei im Interesse der jüdischen Gemeinschaft, stellte Knobloch am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“ fest. „Für uns ist sehr wichtig, dass ausgebildete Fachleute diesen Eingriff vorführen, und das ist auch der Fall.“  Zuvor hatte auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Beschneidung begrüßt.

          Laut Entwurf dürfen von Juden oder Muslimen dazu vorgesehene Personen den Eingriff an bis zu sechs Monate alten Jungen vornehmen, sofern dies medizinisch fachgerecht geschieht. Im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek: „Die Beschneidung im Islam kann jeder Sachkundige vornehmen, auch eine Frau.“ In der Regel werde aber von Muslimen ein Arzt oder eine Ärztin in Anspruch genommen.

          Bei dem Eingriff soll „möglichst Schmerzfreiheit“ gewährleistet sein, und er soll verboten sein, wenn es eine „Gefahr für das Kindeswohl“ gibt. Mögliche Gesundheitsrisiken seien zu beachten, etwa bei Frühgeburten oder wenn der Junge Bluter ist oder Gelbsucht hat.

          Mazyek befürchtet jedoch auch eine mögliche Gefährdung für den Fall einer ausbleibenden Beschneidung. „Wenn Außenstehende vehement dem Kind ihre ablehnende Haltung zur Beschneidung aufoktroyieren wollen und so das Kind stark verunsichern und in ein zum minimalen körperlichen Eingriff unverhältnismäßigen Konflikt stürzen, ist das eine Gefahr für das Kindeswohl.“

          Dem Gesetzentwurf zufolge können Eltern einer Beschneidung ihres Jungen zustimmen, ohne damit ihre gesetzliche Fürsorgepflicht zu verletzen. Allerdings muss der Eingriff, der meist religiös begründet ist, „nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt werden“, wie es in dem Gesetzestext heißt.

          Nach heftigen öffentlichen Debatten hatten sich Union und FDP am Montag auf einen Gesetzestext zur Beschneidung geeinigt. Er soll als Paragraf 1631d in das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) eingefügt werden. Das Kabinett will sich nach Angaben des Familienministeriums bereits am kommenden Mittwoch damit befassen und den Entwurf danach in den Bundestag einbringen.

          Quelle: FAZ.NET mit dpa

          Weitere Themen

          Luthers Judenhass und die Pogrome

          Kritik am Reformator : Luthers Judenhass und die Pogrome

          Bis heute fällt es Protestanten schwer, den Reformator als den zu sehen, der er auch war: ein Hetzer gegen die Juden. Seine Schriften wirkten bis ins Deutschland der Nationalsozialisten. Ein Gastbeitrag.

          Deportation und Exodus Video-Seite öffnen

          Juden in Ober-Seemen : Deportation und Exodus

          Zeitzeugen erinnern sich an die Nazi-Zeit und die damit einkehrende Verfolgung der Juden in Ober-Seemen. Durch Flucht und Deportation wurde die einst große jüdische Gemeinde in dem hessischen Ort von Jahr zu Jahr kleiner.

          Topmeldungen

          Berthold Albrechts Witwe Babette kämpft im Rechtsstreit bei Aldi Nord um ihren Einfluss (Bild aus dem Jahr 2015)

          Gerichtsverfahren : Machtkampf bei Aldi Nord geht weiter

          Vor Gericht streiten die Firmenerben von Aldi Nord weiter um ihren Einfluss auf die Führung des Discounters. Wie steht es um die Entscheidung im Machtkampf der Nachfahren von Theo Albrecht?

          Schwierige Regierungsbildung : Die Verantwortung der SPD

          Die Sozialdemokraten stehen vor einem entscheidenden Wendepunkt. Solange Jamaika möglich war, sprach nichts gegen konsequente Opposition. Doch jetzt sieht die Lage anders aus. Ein Kommentar.

          Kampf um CSU-Spitze : Seehofer und der verdrehte Kalender

          Einigen in der CSU reißt langsam der Geduldsfaden. Doch Vorsitzender und Ministerpräsident Horst Seehofer bestimmt immer noch selbst, wann was entschieden wird. Ein Beraterkreis soll helfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.