01.04.2009 · Erstmals seit dem Jahr 2001 gab es im vergangenen Ausbildungsjahr mehr offene Lehrstellen als unversorgte Bewerber. Das geht aus dem Berufsbildungsbericht 2009 hervor, der nun im Bundeskabinett vorgestellt wurde.
Erstmals seit dem Jahr 2001 gab es im vergangenen Ausbildungsjahr mehr offene Lehrstellen als unversorgte Bewerber. Das geht aus dem Berufsbildungsbericht 2009 hervor, der an diesem Mittwoch im Bundeskabinett vorgestellt wurde.
Die Zahl der abgeschlossenen Verträge sank zwar im vergangenen Ausbildungsjahr um rund 9600 auf 616.000. Wegen gleichzeitig geringerer Nachfrage gab aber dennoch mehr unbesetzte Plätze als unversorgte Bewerber, deren Zahl auf 14.500 beziffert wurde. Es waren rund 5000 offene Plätze mehr.
Schavan: Eine Trendwende
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sprach von einer Trendwende am Ausbildungsmarkt. Schavan warnte aber gleichzeitig vor nachlassenden Ausbildungsanstrengungen in der Rezession. „Hier ist eine vorausschauende Personalpolitik der Unternehmen entscheidend, die bei ihren Ausbildungsleistungen trotz des konjunkturellen Abschwungs nicht nachlassen dürfen“, sagte sie im Bundeskabinett. Allen ausbildungswilligen Jugendlichen solle eine Lehre ermöglicht werden, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg.
Arbeits- und Ausbildungsmarkt entwickeln sich in der Regel gleich, doch in dieser Rezession greift auch ein gegenläufiger Effekt, weil die Demographie das Ausbildungsverhalten der Betriebe immer stärker beeinflusst. Zwar wird die Zahl der Lehrstellen auch 2009 sicherlich zurückgehen, doch sinkt gleichzeitig die Zahl der Schulabgänger. Schon 2008 verließen rund 32.000 Jugendliche weniger die allgemeinbildenden Schulen als im Vorjahr. In Ostdeutschland brach die Zahl der Lehrverträge um neun Prozent ein, im Westen stieg sie leicht um 0,3 Prozent. Besonders erfreulich sei es, dass der Anteil der Altbewerber gesunken sei, sagte Steg.
Wegen des demographischen Wandels, der in wenigen Jahren auch im Westen spürbar wird, und des damit absehbaren Fachkräftemangels vertrauen viele Ausbildungsexperten darauf, dass Betriebe Lehrstellen auch in der Krise halten wollen. „Wer jetzt auf die Bremse tritt, der bremst sich selbst aus, wenn die Konjunktur wieder anzieht“, hatte Joachim Ulrich vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn noch im Februar gesagt.
Auch der deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist erstaunlich zuversichtlich. „Der Ausbildungsmarkt erweist sich derzeit trotz Krise noch als recht robust“, hieß es dort. Eine Stichprobe unter hundert Unternehmen habe ergeben, dass neun von zehn Betrieben die Zahl der Lehrstellen konstant halten oder gar aufstocken wollten. Die Unternehmen begründeten dies in der DIHK-Umfrage damit, dass die derzeitige Geschäftslage nicht so wichtig sei wie die Sicherung der Fachkräfte für den nächsten Aufschwung.