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Debatte um Özil und Gündogan : Höflich zu Erdogan

Plakate mit dem Foto des Fußballers Mesut Özil in Dortmund Bild: Reuters

Auch der Doppelpass schützt nicht vor Dummheit. Ein Zeichen der Integration war das Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten nicht. Doch nicht nur Özil und Gündogan sind Vorwürfe zu machen.

          Ohne Özil fahr’n wir zur WM? Eher geht ein Löw durch ein nadelohrgroßes Fußballtor, bevor das geschieht. „Keine Sekunde“ habe er darüber nachgedacht, die Spieler Özil und Gündogan aus dem Kader der deutschen Nationalmannschaft zu streichen, antwortete der Bundestrainer auf die Frage, welche Konsequenzen deren Posieren mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan haben werde. So weit reichte die ursprüngliche Empörung des DFB dann auch wieder nicht, die zu dem halbwegs versöhnlichen Schluss kam: Die wollen doch nur spielen. Man müsse, so wird Teammanager Bierhoff zitiert, eben auch verstehen, „wie Türken ticken“.

          Türken? Beide Spieler wurden in Deutschland geboren. Özil legte 2007 die türkische Staatsangehörigkeit ab und nahm die deutsche an. Gündogan musste sich nicht mehr entscheiden, er hat beide Pässe. Somit ist Erdogan tatsächlich Gündogans Präsident – wie auch Steinmeier, der freilich auf derart hochachtungsvolle Unterstützung im Wahlkampf verzichten musste. Der Doppelpass, an den seine Befürworter so große Hoffnungen geknüpft hatten, schützt also so wenig vor Dummheit wie die einfache Staatsangehörigkeit oder ein hochdotierter Beraterstab.

          Gerade Leute, die sich der Türkei so eng verbunden fühlen wie die beiden Spieler, müssten wissen, was Erdogan tut und wofür er steht. Gündogan äußerte, Özil und er hätten sich „aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten“ zu einer „Geste der Höflichkeit“ entschieden. Özil bringt es jedoch bis heute nicht fertig, von Einigkeit und Recht und Freiheit zu singen, wenn er den Adler auf der Brust trägt, nicht einmal aus reiner Höflichkeit.

          Aber taten beide nicht viel für die Integration in Deutschland, wie Löw sagte? Der Auftritt mit Erdogan gehörte nicht dazu. Er hat die Fußballer wie Türken behandelt; sie haben wie Türken gehandelt; und für den DFB haben sie wie Türken „getickt“.

          Doch wäre es ungerecht, nun nur den Spielern Vorwürfe für diese törichte Tat zu machen (so sie denn wirklich aus reiner Dummheit geschah). Im postnationalen Zeitalter gilt Mehrstaatlichkeit schließlich als chic und modern; komisch, dass man sich im Fußball, der besonders progressiv sein will, immer noch für ein Nationalteam entscheiden muss. Özil und Gündogan bewiesen freilich gerade, dass sich auch Nationalspieler mehreren Ländern und Regimen verbunden fühlen können – abgesehen von Angehörigen der türkischen Nationalmannschaft, vermutlich.

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