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Berliner Stadtschloss Keine Träne für den „Palazzo Prozzo“

04.07.2002 ·  An diesem Donnerstag entscheidet der Bundestag über den Berliner Schlossplatz. Dabei geht es auch um das Schicksal des Palastes der Republik.

Von Helmut Uwer, Berlin
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Wenn an diesem Donnerstag der Bundestag über das künftige Gebäude auf dem Berliner Schlossplatz entscheidet, geht es auch um das Schicksal des Palastes der Republik. Unter den jüngeren Abgeordneten weint keiner dem „Palazzo Prozzo“ eine Träne nach.

Seit den ersten Tagen der deutschen Einheit läuft die Diskussion über die Gestaltung des Schlossplatzes in Berlin. Im April hatte die vom Bund und dem Land Berlin berufene Expertenkommission Historische Mitte mit nur einer Stimme Mehrheit den Wiederaufbau der Barock-Fassaden empfohlen. Der Bundestag soll nun am Donnerstag über zwei Varianten entscheiden.

Barock oder Wettbewerb?

Entweder sollen die Barockfassaden auf drei Seiten wieder errichtet werden oder ein Architektenwettbewerb soll Alternativen zur Rekonstruktion ausloten. In beiden Fällen steht der umstrittene Palast der Republik im Weg.

Vor sieben Jahren gab es in Berlin noch eine starke Mehrheit von über 60 Prozent für den Erhalt des „Palazzo Prozzo“. Vor allem die PDS-Anhänger, aber auch die jüngeren Berliner waren gegen einen Abriss. Doch selbst im Osten wollen nach einer Forsa-Umfrage aus dem vergangenen Jahr nur noch 29 Prozent den Palast erhalten. Diese nachlassende Begeisterung zeigt sich auch bei den jüngeren Bundestagsabgeordneten. Selbst die stellvertretende PDS-Fraktionsvorsitzende Petra Pau weint dem Palast keine Träne nach.

Historischer Volkskammersaal

Pau vertritt allerdings wie der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion Eckart von Klaeden (CDU) die Auffassung, dass man Teile des Palastes in die künftige Gestaltung integrieren könnte. Beide denken dabei an den unter Denkmalschutz stehenden Volkskammersaal. Von Klaeden verwies darauf, dass dort schließlich die Einheit beschlossen worden sei.

Die Grünen-Abgeordnete Ekin Deligöz findet das Gebäude zwar nicht schön, sieht aber dennoch dessen historische Bedeutung. Am radikalsten äußerte sich Carsten Schneider (SPD). Für ihn ist es völlig in Ordnung, wenn „Erichs Lampenladen“ einer Neugestaltung weichen muss. Während sich die jüngeren Parlamentarier in diesem Punkt weitgehend einig sind, besteht in der Frage der künftigen Gestaltung kein Konsens.

Noch ganz unentschieden gab sich der jüngste Bundestagsabgeordnete, Schneider. Er tendiere zwar zur offeneren Variante, sagte er, doch: „Das ist eine Bauchentscheidung. Ich lasse mich von der Debatte im Bundestag beeinflussen.“ Von Klaeden dagegen hielt den historisierenden Wiederaufbau für die beste Lösung.

Nutzung ungeklärt

Deligöz und Pau wiederum vertraten die Ansicht, dass man vor der Frage der Gestaltung erst einmal die künftige Nutzung klären müsse. Die Expertenkommission hat eine Mischnutzung als Bibliothek, Museum und Veranstaltungsort vorgeschlagen. Von Klaeden ist darum optimistisch, dass sich „im Herzen Berlins eine vernünftige Nutzung finden lässt“.

Noch nicht entschieden wird am Donnerstag, wer die Kosten für einen Wiederaufbau in der einen oder anderen Form tragen wird. Von Klaeden sprach sich für eine Mischfinanzierung von Bund, Land und Privaten aus. Ein Versuch dieser Art ist jedoch 1997 gescheitert. Es fand sich kein privater Investor. Pau geht deshalb davon aus, dass letztendlich der Bund dafür wird aufkommen müssen. Begeistert ist sie davon allerdings nicht, denn in ihren Augen ist die Schlossplatzgestaltung keine nationale Aufgabe. Diese Meinung vertrat auch Schneider: „Das ist ein Berliner Thema“.

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