Nullkommanull Kritik an Angela Merkel stecke im „Berliner Kreis“, sagt Wolfgang Bosbach, der sich zu diesem Zirkel rechnet. Die Schätzung ist reichlich tief angesetzt für eine Schar von Parteimitgliedern, die eines verbindet: die Unzufriedenheit darüber, wie die Vorsitzende mit dem (ehemaligen) politischen Tafelsilber der CDU umging. Familienpolitik, Kernkraft, Wehrpflicht, Hauptschule, Ablehnung des Mindestlohns - alles warf die Modernisiererin Merkel unter Verweis auf neue Zeiten, Verhältnisse und Erkenntnisse über Bord, ohne lange die Partei zu fragen.
Dabei gingen freilich auch etliche Stammwähler mit über die Reling, denen der Abriss vertrauter Wahrzeichen der Union zu schnell ging. Viel mehr als ein leises „Langsamer!“ hatten aber auch die sogenannten Konservativen bislang nicht im Angebot. Ob da eine festere Organisation zu neuem Mut und größerer programmatischer Schärfe verhelfen kann? Die Parteispitze scheint es fast zu befürchten, überraschenderweise. Denn nicht einmal die Unzufriedenen wollen das schöne Bild trüben, die CDU stehe wie ein Mann hinter der Frau an ihrer Spitze.
Zu Hause bleiben?
Rüdiger Runge (runge_ruediger)
- 09.02.2012, 18:21 Uhr