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Beppe Grillo „Steinbrück ist ein Flegel“

Der italienische Komiker Beppe Grillo unterstellt dem SPD-Kanzlerkandidaten wegen dessen „Clown“-Äußerungen schlechte Manieren. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nennt dagegen die Bezeichnung Clown „in Bezug auf Herrn Berlusconi harmlos.“

© dapd Beppe Grillo: „Ich bin ein Komiker, aber kein Clown.“

Der Überraschungssieger der italienischen Parlamentswahlen, Beppe Grillo, wirft dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück schlechte Manieren vor. In einem Interview mit der Zeitung „Bild am Sonntag“ sagte Grillo: „Steinbrück hat sich benommen wie ein Flegel.“ Damit reagierte Grillo auf eine Äußerung Steinbrücks, der den Gründer der Protestbewegung „5 Sterne“ und den ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi als „Clowns“ bezeichnet hatte. Dazu sagte Grillo: „Ich bin ein Komiker, aber kein Clown.“

Grillo, dessen „Bewegung 5 Sterne“ bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus 25,5 Prozent der Stimmen errungen hatte,  warf dem SPD-Kanzlerkandidaten vor, er habe mit seiner Äußerung „alle Italiener beleidigt“. Trotzdem erwartet er von Steinbrück keine Entschuldigung: „Die interessiert mich gar nicht.“ Zudem lobte Grillo Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano, der Steinbrück wegen dessen „Clown“-Äußerungen von einem Abendessen ausgeladen hatte: „Ich fühle mich da sehr gut in Schutz genommen von meinem Staatspräsidenten. Das hat er schon ganz richtig gemacht, dass er Steinbrück nicht empfangen hat.“

Kraft: Bezeichnung „in Bezug auf Herrn Berlusconi harmlos“

Unterstützung erhält Steinbrück dagegen von der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) nennt sie die Bezeichnung Clown „in Bezug auf Herrn Berlusconi harmlos.“ Sie habe nicht vergessen, dass Berlusconi den heutigen Präsidenten des EU-Parlaments, Martin Schulz (SPD), „mit einem Nazi und Chef eines Konzentrationslagers“ verglichen habe. Angesprochen auf die Fehler, die Steinbrück nach seiner Wahl zum Kanzlerkandidaten gemacht habe, sagte Kraft: „Er ist ja früher ins Amt gekommen als geplant. Von daher war die Vorbereitung nicht optimal.“ Sie habe jedoch den Eindruck, dass es in den letzten Tagen und Wochen „wirklich rund“ laufe. Manches sei auch „medial hochgepuscht“ worden.

Grillo: Politisches System wird zusammenbrechen

Indes rechnet Grillo damit, dass das politische System seines Landes noch in diesem Jahr zusammenbrechen wird. „Ich gebe den alten Parteien noch sechs Monate - und dann ist hier Schluss“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Focus“. „Dann können sie die Renten nicht mehr zahlen und auch die öffentlichen Gehälter nicht mehr“. Der Komiker forderte, Italiens Staatsschulden neu auszuhandeln: „Wir werden erdrückt - nicht von dem Euro, sondern von unseren Schulden. Wenn die Zinsen 100 Milliarden Euro pro Jahr betragen, sind wir tot. Es gibt da keine Alternativen.“

Grillo verglich den Staat mit einer Aktiengesellschaft: „Wenn ich Aktien einer Gesellschaft gekauft habe, die bankrott geht, dann habe ich eben Pech. Ich habe riskiert - und verloren.“ Wenn sich die Bedingungen nicht änderten, solle Italien den Euro verlassen und zur Lira zurückkehren. Weder mit dem Pier Luigi Bersanis Demokratischer Partei (PD) noch mit der Partei „Volk der Freiheit“ (PdL) des ehemaligen Ministerpräsidenten Berlusconi wolle er eine Koalition eingehen. „Wenn die PD Bersanis und Berlusconis PdL vorschlagen würden: sofortige Änderung des Wahlgesetzes, Streichung der Wahlkampfkostenerstattung, maximal zwei Legislaturperioden für jeden Abgeordneten - so eine Regierung würden wir selbstverständlich sofort unterstützen“, sagte er. „Aber sie werden das nie tun.“

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Quelle: FAZ.NET

 
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