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Benedikt XVI. : „Die schlechten Fische sind halt auch im Netz“

  • Aktualisiert am

Papst Benedikt XVI. - im Oktober 2010 Bild: dpa

In einem Interview-Buch äußert sich der emeritierte Papst ausführlich zu seinem Pontifikat, Skandalen wie „Vatileaks“ und den Gründen seines Rücktritts. Die katholische Kirche in Deutschland kritisiert er.

          Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat die katholische Kirche in Deutschland kritisiert. Wegen der hohen Zahl bezahlter Kirchenmitarbeiter gebe es zu viel „ungeistliche Bürokratie“ und zu wenig „Dynamik des Glaubens“, sagte Benedikt dem Journalisten Peter Seewald in dem Interview-Band „Letzte Gespräche“: „In Deutschland haben wir diesen etablierten und hochbezahlten Katholizismus, vielfach mit angestellten Katholiken, die dann der Kirche in einer Gewerkschaftsmentalität gegenübertreten.“

          Das Interviewbuch, das an diesem Freitag erscheint und aus dem die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Bild“-Zeitung vorab zitierten, wurde nach Angaben des Autors mit der ausdrücklichen Genehmigung von Papst Franziskus veröffentlicht. Der 89 Jahre alte Benedikt habe auf einer Zustimmung des amtierenden Papstes bestanden, bevor er selbst die Veröffentlichung freigegeben habe. Diese Zustimmung habe Franziskus ohne weitere Auflagen gegeben.

          Benedikt äußert sich in dem Buch den Berichten zufolge rundum positiv über seinen Nachfolger. Franziskus setze zwar manche andere Akzente als er, es gebe aber keine Gegensätze, zitiert die Zeitung. Besonders beeindrucke ihn der herzliche Umgang des neuen Papstes mit den Menschen.

          Benedikt widerspricht auch Darstellungen, er sei aus Enttäuschung über die Intrigen rund um den Vatileaks-Skandal im Jahr 2013 vom Papstamt zurückgetreten. „Nein, das stimmt nicht, überhaupt nicht. Im Gegenteil, die Dinge waren vollkommen bereinigt“, sagt er. Gerade in einer Krisensituation hätte er sein Amt niemals aufgegeben. „Ich konnte zurücktreten, weil in dieser Situation wieder Ruhe eingekehrt war“, so der emeritierte Papst. Als „völligen Unsinn“ bezeichnete er Gerüchte der italienischen Presse, die Demission sei Folge einer Erpressung gewesen.

          Gesundheitliche Gründe hätten ihn zu der Rücktrittsentscheidung veranlasst. Das Amt des Petrusnachfolgers verlange konkrete Entscheidungen und er sei im Gebet zu der Überzeugung gelangt, „dass dann, wo das in absehbarer Zeit nicht mehr möglich sein würde, der Herr es auch nicht mehr von mir will und mich sozusagen von der Last befreit“. Er sehe jeden Tag, dass der Rücktritt „richtig war“.

          Mit Blick auf den Dokumentendiebstahl durch seinen Kammerdiener Paolo Gabriele im Zuge des „Vatileaks“-Skandals sagt Benedikt, dies habe ihn nicht in Weltschmerz oder Verzweiflung gestürzt. „Es war mir einfach unverständlich. Auch wenn ich die Person ansehe, kann ich nicht verstehen, wie man so etwas wollen kann. Was man sich davon versprechen kann.“

          Auf die Frage nach Missgunst, Intrigen und Karrierismus im Vatikan sagt Benedikt: „Nun, das weiß man ja. Ich muss ausdrücklich sagen, das ist zwar alles da, aber das ist doch nicht der ganze Vatikan.“ Es gebe dort auch viele Menschen, die mit Hingabe und Güte ihre Arbeit erfüllten. Aber: „Die schlechten Fische sind halt auch im Netz.“ So hätten die Untersuchungen ergeben, dass es eine von Papst Franziskus als „Gay-Lobby“ bezeichnete Gruppierung Homosexueller gegeben habe. Dabei habe es sich um eine kleine, vier oder fünf Leute umfassende Gruppe gehandelt, „die wir aufgelöst haben“. Der Eindruck stimme nicht, dass es im Vatikan von solchen Fällen wimmeln würde.

          Zu den Skandalen um pädophile Priester im Vatikan sagt Benedikt, es sei ihm nicht gelungen, die Kirche so vom „Schmutz“ zu reinigen, wie er es sich gewünscht habe. Immerhin habe er jedoch hunderte pädophile Priester entlassen.

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