Home
http://www.faz.net/-gpf-10m4o
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Freitag, 17. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bayern Modell Strauß

09.10.2008 ·  Welches Regierungsmodell wird Horst Seehofer wählen? Wohl eher Strauß als Stoiber. Seinen demonstrativen Veränderungswillen wird man auch außerhalb Bayerns spüren. Und dann wird nicht nur die SPD, sondern auch die CDU einiges zu hören bekommen.

Von Georg Paul Hefty
Artikel Video Lesermeinungen (1)

Horst Seehofer verkörpert nun die CSU. Dies entspricht den obrigkeitsorientierten Gepflogenheiten dieser Partei. Diese hatte aus gesamtdeutscher Sicht stets eine Idee - auf christlich-sozialer Grundlage die Volkspartei schlechthin zu sein - und eine beherrschende Führungsfigur, auch wenn für den bayerischen Hausgebrauch oft noch ein zweiter Mann die Erfolge sicherte. Seehofer wird allerdings nicht an das Modell Stoiber, sondern an das Modell Strauß anknüpfen.

Beide waren jeweils ungefähr ein Jahrzehnt lang Ministerpräsident und Parteivorsitzender zugleich, doch sie unterscheiden sich in einem Punkt wesentlich: Stoiber hat sich vor allem an dem über die Jahrzehnte gewachsenen Bayern gerieben - vom klassischen Gymnasium bis zum Obersten Landesgericht -, während Strauß seine Feindbilder geradezu ausschließlich aus den außerbayerischen Verhältnissen bezog. Folgt Seehofer dessen Vorbild, dann wird er nicht die Bayern mit einer nochmaligen Reformwelle überziehen, sondern seinen demonstrativen Veränderungswillen auf das richten, was außerhalb des Freistaates liegt.

Kaum Talente im großen Bayern

Da könnte nicht nur die SPD, sondern auch die CDU einiges zu hören bekommen. Frau Merkels Überzeugung, mit Seehofer „prima zusammenarbeiten“ zu können, klingt nach Pfeifen im Wald und könnte sich als frommer Wunsch erweisen. Seehofer wird nicht vergessen, dass ihn die CDU-Vorsitzende einige Male ins politische Abseits stellen wollte, und er wird mit dieser Erinnerung spielen - je nachdem, wie es die CSU jeweils braucht.

Im Kampf um das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten hat der designierte CSU-Vorsitzende Horst Seehofer seine drei Konkurrenten aus dem Feld geschlagen. Nun wird er in München das Amt von Regierungschef Günther Beckstein übernehmen.

Ein zweites Element, das sich - solange Seehofer noch nicht die beiden Chefposten innehat - aus dem Modell Strauß ergibt, wird schwerer zu handhaben sein. Seehofer kann zwar die Öffentlichkeitsarbeit der CSU und der bayerischen Staatsregierung allein bewältigen, aber für vieles andere braucht er Helfer, die gleichfalls Eindruck machen. Und an solchen scheint es in der - an der Bevölkerungszahl gemessen - größten deutschen Partei zu mangeln. Außer einer Handvoll anerkannter Helfer in München und einer anderen Handvoll in Berlin vermag die CSU auf nicht genügend viele Leute zu verweisen, die sich mit der Lösung kniffliger Aufgaben Bekanntheit und sogar Achtung in der Öffentlichkeit erarbeitet haben oder sich mit Gewissheit erarbeiten werden. Seehofer muss auf Talentsuche gehen.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die erste Frau

Von Berthold Kohler

Auch das hat es noch nicht gegeben: Eine Rücktrittserklärung eines Bundespräsidenten mit einer politischen Liebeserklärung an seine Frau. Mehr 1

Umfrage

Wer soll Bundespräsident werden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.