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Autokraten : Mielke und Honecker: Konspirationsgewohnt

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Kranker Exilant: Honecker Bild:

          Wahrscheinlich hat sich Erich Honecker am 13. April 1993 in seinem Krankenhausbett in der chilenischen Hauptstadt Santiago zufrieden die Hände gerieben. Denn an diesem Tag stellte das Berliner Landgericht das Verfahren gegen den einstigen Staatsratsvorsitzenden der DDR und Generalsekretär der SED endgültig ein.

          Honecker, mehrere Jahrzehnte der bestimmende Mann der DDR-Führungsriege, war wegen des Verdachts auf Totschlag im Zusammenhang mit Todesfällen an der Berliner Mauer angeklagt gewesen. Das Ende des Prozesses begründeten die Richter mit einem „in der schweren Erkrankung des Angeklagten liegenden Verfahrenshindernis“. Honeckers Gesundheitszustand - er litt vermutlich an Leberkrebs - sei seit seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft kontinuierlich schlechter geworden.

          Wenige Monate nach der Prozesseinstellung berichteten allerdings chilenische Ärzte, der Zustand Honeckers habe sich nicht wesentlich verändert. Auch Honeckers Berliner Anwalt sagte, sein Befinden habe sich „nicht dramatisch verschlechtert“. Nur der einstige Staatsratsvorsitzende selbst nannte seinen Zustand „sehr, sehr schwach“; jedenfalls wenn Zeitungskorrespondenten dabei waren.

          Erich Mielke

          Mit Honecker waren der ehemalige Ministerpräsident der DDR, Willi Stoph und der Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, angeklagt. Stoph schied schon früh wegen Krankheit und Alter aus dem Prozess aus. Um Mielkes Gesundheitszustand entwickelte sich heftiger Streit, zumal er auch wegen Mordes an zwei preußischen Polizeioffizieren in den dreißiger Jahren angeklagt werden sollte. Ein ärztliches Gutachten beschied Mielke, er sei nicht mehr in der Lage, sich auch nur ansatzweise mit dem komplexen Gegenstand des Verfahrens auseinander zu setzen. Er könne nicht zusätzlich zum Alltag die Bewältigung seiner Vergangenheit vornehmen.

          Der Oberstaatsanwalt nannte das Gutachten mangelhaft und verwies darauf, dass Mielke ein „konspirationsgewohnter alter Geheimdienstchef“ sei, der vermutlich simuliere und deshalb verhandlungsfähig sei. Der Prozess wegen der Toten an der Mauer wurde wegen der angenommenen Verhandlungsunfähigkeit Mielkes eingestellt. Dennoch blieb er im Gefängnis und wurde vom Berliner Landgericht wegen der Polizistenmorde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. 1995 wurde er aus der Krankenabteilung des Gefängnisses Berlin-Moabit entlassen. Er starb 2000 im Alter von 92 Jahren.

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