12.10.2001 · Der Friedensnobelpreis geht an die UNO und ihren Generalsekretär Kofi Annan.
Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) und an deren Generalsekretär Kofi Annan. Das teilte das norwegische Nobel-Institut am Freitag in Oslo mit. Mit dem Preis werde deren Engagement für die Menschenrechte und die Beilegung globaler Konflikte gewürdigt. Annan habe „neues Leben“ in die Uno gebracht. Außerdem engagiere er sich für die Menschenrechte, für die Bekämpfung von AIDS und Terrorismus.
Annans Sprecher Fred Eckhard sagte am Freitag im norwegischen Fernsehen, er habe Annan wenige Minuten zuvor mit der Nachricht geweckt, dass der Preis in diesem Jahr an Annan und die Vereinten Nationen (UNO) gehe. „Er hat sich gefreut, nicht so sehr für sich selbst, sondern für die Organisation, der er vorsteht", sagte Eckhard.
Annan studierte Wirtschaftswissenschaften und Management, unter anderem in Genf und am Massachusetts Institute of Technology. Seinen ersten UNO-Posten bekam er 1962 in der Verwaltung der Weltgesundheitsorganisation in Genf. In der New Yorker UNO-Zentrale war er zunächst für Haushaltsplanung und Personalfragen zuständig. Der 63-Jährige verbrachte seine gesamte berufliche Karriere in den Vereinten Nationen und kennt die Organisation wie kein Zweiter. Annan ist der siebte UNO-Generalsekretär und erste Schwarzafrikaner in diesem Amt. Er ist der einzige, dessen Wiederwahl so früh und so einmütig feststand. Bereits im vergangenen Sommer wurde er für eine zweite Amtszeit bis 2006 berufen.
Annan: Beharrlicher Diplomat
Trotz dieser Laufbahn war Annan nie ein langweiliger Verwaltungstyp. Sein Lachen ist gewinnend, sein Humor feinsinnig und sein Verstand scharf. Über seinen Job als Generalsekretär sagt er selbst, dass er alles Mögliche sein müsste: Manager, Schuldeneintreiber, Beichtvater und auch Cheerleader. Annan gilt als ausgezeichneter Diplomat, der den Ausgleich sucht, sich selbst dafür aber nicht aufgibt. So gelang es ihm vor dem Golfkrieg mit sanfter Beharrlichkeit, Ausländer und UNO-Mitarbeiter aus dem Irak und dem besetzten Kuwait herauszuholen.
Vermutlich wurde er auch deshalb 1993 zum Chef der UNO-Friedenssicherung berufen. Zu einer Zeit, zu der das Geld immer knapper wurde, friedenserhaltende Einsätze aber immer häufiger. Damit war Annan jedoch mitverantwortlich für einen der größten Misserfolge der UNO: Für das Versagen der Vereinten Nationen während des Völkermords in Ruanda 1994 entschuldigte er sich später ausdrücklich.
Frischer Wind in der UNO
Sein Amt als UNO-Generalsekretär trat er auch mit dem Vorhaben an, die hochverschuldete und verkrustete Organisation zu reformieren. Heute bescheinigen ihm viele, dass die riesige UNO-Verwaltung jetzt weitaus effektiver arbeite. Manager Annan scheut sich auch nicht vor der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Annan nimmt sie auch in die Pflicht: zum Beispiel bei der Versorgung der Entwicklungsländer mit günstigen Anti-Aids-Medikamenten.